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Managerhaftpflicht boomt und die Preise fallen

27. Januar 2011 - Mit der D&O-Versicherung, der Managerhaftpflicht-Versicherung für die oberste Führungs-Etage in Wirtschaftsunternehmen, können auch Spitzenmanager immer öfter ihren Kopf aus der Schlinge ziehen. Hierzulande ist sie seit 25 Jahren am Markt.

Bijan Daftari „Das Marktunfeld der D&O-Versicherung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die Anspruchs-Mentalität ist gestiegen und somit auch das Schaden-Volumen", sagt Bijan Daftari (Foto), Manager der Chubb Speciality Insurance in Central &Eastern Europe. Die Chubb Insurance of Europe S.A. (www.chubb.com), die unter anderem einen Sitz in Düsseldorf, Hamburg, München und Wien hat, kam bereits vor 25 Jahren auf den deutschsprachigen Markt. Seitdem gehört sie hierzulande zu den Marktführern.

Über Wirtschaftskennzahlen aller D&O-Versicherer ist so gut wie gar nichts zu erfahren. Jetzt tauschten sich Experten bei der Euroforum-Jahrestagung „Haftpflicht 20011" (www.euroforum.com) über die Haftpflichtversicherungs-Sparte D&O mit ihren vielfältigen Facetten in Hamburg aus.

CHUBB 25 Jahre D&O„Spektakuläre Wirtschaftsskandale pflastern ihren Weg", das könnte man reißerisch über die aktuelle Betrachtung der D&O-Versicherung (englisch: Directors-and-Officers-Liability „Komplette Absicherung"), auch Organ- oder Manager-Haftpflichtversicherung genannt, schreiben. Denn tatsächlich hat diese Absicherungsmöglichkeit für Manager zugunsten Dritter als eine Spezialität unter den Berufshaftpflicht-Versicherungen in Deutschland vor allem wegen oft unglaublicher Wirtschaftsskandale ihren Weg gemacht ("Auf 100 Millionen Euro aus D&O-Versicherung geeinigt", "Manager-Haftpflicht" und viele andere Artikel).

Das Geschäft brummt
Nicht nur die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hat den D&O-Markt zusätzlich angeheizt, sondern auch gesetzgeberische Maßnahmen wie im vergangenen Jahr das so genannte Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung VorstAG ("Achtung: Übergangsfrist für VorstAG endet jetzt"). Das Geschäft brummt - aber auch die Schäden, die den Managerhaftpflichtversicherern gemeldet werden. Gleichzeitig gehen die Preise für die Deckungen weiter zurück. „Wir beobachten derzeit eine erhöhte Frequenz an Schäden sowie eine Erhöhung der eingeforderten Summen und gehen davon aus, dass das so weitergehen wird", sagte Bijan Daftari. Fatal sei, dass die Preise für die D&O-Versicherung weiter fallen, aber immer mehr Deckungserweiterungen eingebaut werden müssten. Die Langfristigkeit, die man mit einer D&O-Versicherung eingeht, werde häufig unterschätzt. Allein an den gemeldeten Ansprüchen aus Schäden der vergangenen drei Jahre können die Versicherer erst in den kommenden fünf Jahren vollständig abarbeiten. Und auch nicht jeder Versicherer werde die Masse an Schäden „verdauen".

Immer mehr Zusatzleistungen
Wie in vielen anderen Versicherungs-Sparten bieten viele Marktteilnehmer Zusatzleistungen - quasi als Assistance-Leistung zu dem eigentlichen Versicherungsgeschäft. Manchmal würden die Anstrengungen geradezu ins Kraut schießen, sagte Daniel Messmer, Leiter der Vermögenschadenhaftpflicht-, D&O- und Rechtsschutzversicherung der deutschen Niederlassung des Schweizer Rückversicherers Swiss Re (www.swissre.de). Die Managerhaftpflicht-Versicherung wandelt sich seiner Ansicht nach immer mehr von einer Unternehmensdeckung zu einem „Wellness-Package" für die versicherte Person und deren Angehörige. Die Assekuranz-Angebote würden immer mehr Leistungen anbieten, die immer weniger mit der Managerhaftpflicht zu tun haben. Als Beispiel nannte er Deckungszusagen für eine psychologische Betreuung zur Stressbewältigung und/oder Medikamentenversand.

Der Fiskus könnte Begehrlichkeiten entdecken
2002 hatte das Finanzministerium (www.bundesfinanzministerium.de) festgelegt, dass die Managerhaftpflicht-Versicherungsprämien nicht unter die steuerpflichtigen Einkünfte der Vorstände fallen, weil ja in erster Linie das Unternehmen Vorteile aus der Police ziehen könne. Seine Begründung: Ein Konzern werde mit der D&O vor Schadensersatzansprüchen aufgrund von Managementfehlern geschützt. Wenn nun aber immer mehr spartenfremde Leistungen („Wellness") für den Manager in der Police enthalten seien, wäre es nur eine Frage der Zeit, wann das Finanzministerium seine Einstellung zu den steuerlichen Gegebenheiten der D&O-Versicherungen ändere. Nach Messners Meinung schade sich der Markt hier selbst.

EUROFORUM 01/2011

Der Versicherungsjournalist von der Financial Times Deutschland, Herbert Fromme (rechts), moderierte - wie in jedem Jahr - die gut besuchte Euroforum-Veranstaltung zur Haftpflicht 2011.

Die „Haftplficht-Tagung 2011" von Euroforum hatte zahlreiche D&O-Experten nach Hamburg gelockt, unter ihnen auch Michael Hendricks vom Düsseldorfer D&O-Spezialisten Hendricks & Co (www.hendricks.eu.com). Hendricks verteidigte einige der Zusatzleistungen, die wegen realen Bedarf entwickelt worden seien. Dazu zähle er die Gehaltsfortzahlung, während sich der Manager gegen den Vorwurf der Pflichtverletzung verteidigen müsse. Auch Vorstands-Mitglieder könnten nicht über mehrere Jahre (für die Dauer des Gerichts-Verfahrens) auf ihr Gehalt verzichten.

Pro Monat 35 Schadenmeldungen im Managerhaftpflichtbereich bei der Chartis
Bernhard Müller, Leiter der Schadenabteilung Financial Lines der Chartis Europe S.A. Direktion für Deutschland (www.chartis.de) ging auf eine Anzahl gemeldeter Schäden ein: „In mehr als 50 Prozent der bei uns gemeldeten Schadenfälle sind mehrere Organe betroffen", sagte er. Er berichtete, dass Chartis (früher AIG) ein Konzept für die so genannte Sockelverteidigung entwickelt habe, dabei gehe es um die Abwehrkosten, die entstehen, wenn ein Unternehmen mehrere Vorstandsmitglieder wegen Pflichtverletzungen verklagt. Immer öfter würden sich Unternehmensgruppen auf gleich mehrere Manager beziehen, denen sie Pflichtverletzungen vorwerfen. Allein bei der Chartis würden pro Monat circa 35 neue Schadenmeldungen im Managerhaftpflichtbereich eingehen. Es gehe dabei meist um zweistellige Millionen-Euro-Schäden. „Die Sockelverteidigung macht Sinn, wenn man einen Raum voller Beschuldigten hat", sagte Dr. Horst Ihlas, der Geschäftsführer Versicherungsmaklers Dr. Ihlas GmbH (www.dr-ihlas.com) in Köln ist. (eb-db / www.bocquel-news.de)

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