16. Januar 2012 - 2011 war nach Angaben des weltweit größten Rückversicherers Munich Re das Jahr mit den höchsten Schäden aus Naturkatastrophen. Der Grund lag dabei nicht nur an dem Tsunami in Japan, denn insgesamt führten Erdbeben zu den höchsten Schäden aller Zeiten.
In ihrer Naturkatastrophen-Bilanz 2011 berichtet die Munich Re (www.-munichre.com), dass Erdbeben vergangenes Jahr zu den höchsten Schäden aller Zeiten führten. Demnach lagen die gesamtwirtschaftlichen Schäden weltweit mit etwa 380 Milliarden US-Dollar (entspricht rund 299,7 Milliarden Euro) fast um zwei Drittel höher als 2005, dem bisherigen Rekordjahr mit Schäden von 220 Milliarden US-Dollar (knapp 175 Milliarden Euro). Allein die Erdbeben in Japan im März 2011 und Neuseeland im Februar 2011 verursachten laut Munich Re fast zwei Drittel dieser Schäden. Die versicherten Schäden übertrafen mit 105 Milliarden US-Dollar (knapp 83 Milliarden Euro) ebenfalls den Rekordwert von 2005, der mit 101 Milliarden US-Dollar (79,7 Milliarden Euro) angegeben wird.
„So eine Serie schwerster Naturkatastrophen wie im abgelaufenen Jahr ereignet sich zum Glück nur sehr selten. Wir haben es mit Ereignissen zu tun, deren Wiederkehrperioden bezogen auf den Ort des Ereignisses zum Teil bei einmal in 1000 Jahren oder sogar höher liegen. Aber wir sind auf solche Extremsituationen vorbereitet. Es ist die Aufgabe der Versicherungswirtschaft, auch für extreme Schäden aufzukommen, damit einen Beitrag zu deren Bewältigung zu leisten und aus den Ereignissen zu lernen, um die Menschheit besser vor den Folgen der Naturgewalten zu schützen", sagt Torsten Jeworrek (Foto), im Vorstand der Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständig.
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Wie die Munich Re mitteilt, liegt 2011 mit rund 820 schadenrelevanten Ereignissen etwa im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. 90 Prozent der registrierten Naturkatastrophen waren wetterbedingt - jedoch knapp zwei Drittel der gesamtwirtschaftlichen und rund die Hälfte der versicherten Schäden entfielen auf geophysikalische Ereignisse, insbesondere die großen Erdbeben.
Normalerweise - so heißt es bei der Munich Re weiter - sind die wetterbedingten Naturkatastrophen die dominierenden Schadentreiber: Im Mittel der vergangenen drei Jahrzehnte trugen geophysikalische Ereignisse nur knapp 10 Prozent zu den versicherten Schäden bei. Ungewöhnlich war 2011 auch die regionale Verteilung der Schäden: Rund 70 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Schäden entfielen auf Asien.
27.000 Menschen starben 2011 bei Naturkatastrophen
Bei den Naturkatastrophen des abgelaufenen Jahres kamen etwa 27.000 Menschen ums Leben. Nicht berücksichtigt in dieser Zahl sind die zahllosen Menschen, die bei der Hungersnot in Folge der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten am Horn von Afrika gestorben sind. Diese Dürre bedeutete die größte humanitäre Katastrophe des vergangenen Jahres. Bürgerkrieg und politische Instabilität trugen dazu bei, dass effektive Hilfe von außen für die Menschen nur schwer möglich war.
Die Erde in Bewegung: 11. März, das Beben von Tohoku
Das folgenschwerste Ereignis des Jahres war das Tohoku-Erdbeben am 11. März in Japan, als sich 130 Kilometer östlich der Hafenstadt Sendai und 370 Kilometer nördlich von Tokio ein Seebeben der Magnitude 9,0 ereignete. Es war das stärkste jemals in Japan registrierte Erdbeben. Die Schäden durch die Erdstöße selbst waren dank der strengen Bauvorschriften relativ moderat, jedoch löste das Beben einen zerstörerischen Tsunami aus. Diese Welle verwüstete dann die Nordostküste der Hauptinsel Honshu; in manchen Buchten schaukelte sie sich bis zu 40 Meter Höhe auf. Ganze Orte, Straßen und Bahngleise wurden weggespült, hunderttausende Häuser wurden zerstört. Trotz vielfach hoher Schutzwälle und eines gut funktionierenden Frühwarnsystems starben etwa 16.000 Menschen. Ohne diese präventiven Einrichtungen hätten die Opferzahlen deutlich höher gelegen. Der Tsunami gefährdete Nordosten Japans soll vermutlich zuletzt im Jahr 869 von einer ähnlich verheerenden Flutwelle getroffen worden sein.
In Folge des Tsunamis havarierten mehrere Blöcke des Atomkraftwerks Fukushima 1 ("Teuerste Katastrophe der Menschheits-Geschichte"). Einige Gebiete im Umkreis von vielen Kilometern um das Kraftwerk werden auf lange Zeit nicht mehr bewohnbar sein. Selbst ohne Berücksichtigung der Folgen des Atomunglücks belaufen sich die gesamtwirtschaftlichen Schäden durch das Beben und den Tsunami auf 210 Milliarden US-Dollar (rund 165 Milliarden Euro) - die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Der Anteil der versicherten Schäden betrug möglicherweise bis zu 40 Milliarden US-Dollar (knapp 32 Milliarden Euro).
Die Erde wieder in Bewegung - Beben von Christchurch
Vor der Tsunami-Katastrophe in Japan hatte am 22. Februar ein Beben der Magnitude 6,3 die neuseeländische Stadt Christchurch erschüttert ("Erst- und Rückversicherer müssen Milliarden stemmen"). Die Besonderheit: Dort hatte sich erst sechs Monate zuvor ein schweres Beben der Magnitude 7,1 ereignet. Zudem schaukelten sich die Erschütterungswellen durch Reflektion an einem nahegelegenen erloschenen Vulkanmassiv auf, so dass die Zerstörungen weitaus größer waren als bei dieser Magnitude zu erwarten gewesen wäre. Das Epizentrum lag zudem in geringer Tiefe und nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Schäden waren enorm: Zahlreiche ältere Gebäude stürzten ein, und trotz der hohen Baustandards wurden auch viele neue Gebäude schwer beschädigt. Einige Wohngebiete werden nicht mehr aufgebaut. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden betrugen 16 Milliarden US-Dollar (rund 12,6 Milliarden Euro), davon war ein großer Anteil - rund 13 Milliarden US-Dollar (mehr als 10 Milliarden Euro) - versichert.
Einen Tag vor Weihnachten 2011 bebte die Erde in Christchurch erneut. Bei drei stärkeren Beben wurden mehr als ein Dutzend Menschen verletzt. Die Beben waren in ihren Ausprägungen nicht so intensiv wie das extrem zerstörerische Beben vom Februar. Daher sind aus diesen Nachbeben deutlich geringere Schäden für die Versicherungswirtschaft zu erwarten.
„Auch wenn der Eindruck täuschen mag - die Erdbeben-Wahrscheinlichkeit insgesamt hat nicht zugenommen. Die schweren Erdbeben sind aber dringende Mahnungen, diese Risiken bei Standortentscheidungen für Ansiedlungen und ganz konkret für bestimmte Gebäude, insbesondere Atomkraftwerke, unbedingt zu bedenken. Zudem müssen die Baustandards in erdbebengefährdeten Regionen noch deutlich strenger werden. Damit die Gebäude nicht nur stehenbleiben, was entscheidend für die Rettung von Menschenleben ist, sondern damit sie auch weiter benutzt werden können", sagt Prof. Peter Höppe (Foto), Leiter der GeoRisikoForschung bei der Munich Re:
Wetterkatastrophen: Hochwasser in Thailand
Von den zahlreichen Wetterkatastrophen des Jahres ist laut Munich Re vor allem das Hochwasser in Thailand zu nennen. Ausgelöst wurde es durch extreme Niederschläge, die bereits im Frühjahr begannen und ihren Höhepunkt im Herbst erreichten. Wegen der geringen Höhe über dem Meeresspiegel ist die Tiefebene Zentral-Thailands mit der Hauptstadt Bangkok während der Regenzeit von Mai bis Oktober stark hochwassergefährdet. Die Überschwemmungen im Jahr 2011 wurden von den Behörden als die schlimmsten seit rund 50 Jahren eingestuft. Vermutlich spielte dabei das natürliche Klimaphänomen La Niña eine gewisse Rolle, da in dieser Phase die Regenzeit oft intensiver ausfällt.
Durch das Hochwasser verloren etwa 800 Menschen ihr Leben. Es wurden nicht nur hunderttausende Häuser und riesige landwirtschaftliche Flächen, sondern auch sieben große Industriegebiete mit Produktionsanlagen vor allem japanischer Konzerne überschwemmt. Dabei wurden viele Hersteller elektronischer Schlüsselkomponenten betroffen, was wiederum zu Verzögerungen oder gar Produktionsunterbrechungen bei deren Kunden führte. So war beispielsweise die Fertigung von rund 25 Prozent der weltweit benötigten Komponenten für Computer-Festplatten in Thailand direkt vom Hochwasser beeinträchtigt. „Mit gesamtwirtschaftlichen Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe ist es bei weitem die teuerste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes", heißt es bei dem Rückversicherer in München.
Nordamerika: Viele Unwetter, wenige Hurrikane erreichen das Land
Ungewöhnlich heftig sei 2011 die Tornado-Saison in den Südstaaten und im Mittleren Westen der USA gewesen. Mehrere Serien von Unwettern mit zahlreichen Tornado-Ausbrüchen verursachten in der Summe einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 46 Milliarden US-Dollar (mehr als 36 Milliarden Euro), wovon rund 25 Milliarden US-Dollar versichert waren. Die versicherten Schäden lagen damit mehr als doppelt so hoch wie im bisherigen Rekordjahr 2010. Die Serie von Unwettern sei wesentlich durch das Klimaphänomen La Niña zu erklären, heißt es. In Folge dieser natürlichen Klimaschwankung gelangen Wetterfronten mit kühler Luft aus dem Nordwesten häufiger über die zentralen Staaten hinweg und treffen auf feuchtwarme Luft im Süden. Unter diesen Bedingungen sind extreme Unwetter wahrscheinlicher als in normalen Jahren.
Schäden aus Hurrikanen im Nordatlantik relativ moderat
Die Schäden aus Hurrikanen im Nordatlantik blieben relativ moderat. Aber wie schon 2010 nur durch Zufall: Denn die Zahl der in dieser Saison gezählten tropischen Wirbelstürme lag mit 18 in dieser Saison zwar weit über dem langfristigen Durchschnitt (11) und auch über dem Schnitt der seit Mitte der 90er Jahre anhaltenden Warmphase (15) mit erhöhter Sturmaktivität. Die Anzahl der Stürme mit Hurrikanstärke lag mit sechs im langfristigen Durchschnitt. Die Zahl der Tropenstürme, die Land erreichten und insbesondere die US-Küste trafen, sei jedoch sehr gering gewesen: Nur drei benannte Stürme, darunter Hurrikan Irene, erreichten das US-Festland. „Irene" erzeugte in der Karibik und in den USA einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 15 Milliarden US-Dollar (knapp 12 Milliarden Euro), davon waren 7 Milliarden US-Dollar (5,5 Milliarden Euro) versichert.
Die Munich Re steht eigenen Angaben zufolge für ausgeprägte Lösungs-Expertise, konsequentes Risikomanagement, finanzielle Stabilität und große Kundennähe. Im Geschäftsjahr 2010 erzielte die Münchener-Rück-Gruppe, die ein integriertes Geschäftsmodell aus Erst- und Rückversicherung verfolgt, einen Gewinn in Höhe von 2,4 Milliarden Euro. (eb-db /www.bocquel-news.de)
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