24. März 2011 - Japan schätzt die Erdbebenschäden auf rund 218 Milliarden Euro und spricht von der „teuersten Katastrophe der Menschheits-Geschichte". Die drei größten Rückversicherer schätzen ihre eigene Schadenbelastung auf insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Euro.
Während die Welt mit größter Sorge auf Fukushima im Nordosten Japans und die stark beschädigten Reaktoren des dort gelegenen Atom-Kernkraftwerks (AKW) schaut, beginnen - nach der Bergung der mehr als zehntausend Toten - erste Versuche der Aufräumarbeiten in den teilweise gänzlich verwüsteten Landstrichen. Die Rück- und Erst-Versicherer wagen erste Schadenschätzungen. In einer geschätzten Gesamt-Schadensumme von mehr als 2,5 Milliarden Euro, die auf die drei größten Rückversicherer Munich Re (www.munichre.com), Swiss Re (www.swissre.com) und Hannover Rück (www.hannover-re.com) zukommt, spielen Schäden durch die katastrophalen Zerstörungen des AKW Fukushima eine zu vernachlässigende Rolle. Auf die gesamte Versicherungsbranche kommt nach bisherigen noch längst nicht konkret zu fassenden Schätzungen eine Schadenleistung von insgesamt mehr als 25 Milliarden Euro zu. Die hochentwickelte Industrienation Japan bezifferte die möglichen Kosten, die das Land verkraften müsse, auf bisher rund 218 Milliarden Euro.
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Nur staatliche Deckung für AKW-Schäden durch Erdbeben |
Das Erdbeben hatte am 11. März mit einer Magnitude von 9,0 die japansche Nordostküste der Hauptinsel Honshu erschüttert. In Folge des Bebens entwickelte sich ein gewaltiger Tsunami, der ganze Städte verwüstete. „Das Erdbeben war nicht nur das stärkste je in Japan registrierte, es war auch das viertschwerste, das jemals weltweit gemessen wurde", sagt Torsten Jeworrek (Foto), im Vorstand von Munich Re (www.munichre.com) verantwortlich für die Rückversicherungsaktivitäten. Der weltweit größte Rückversicherer Munich Re unterhält seit 1912 Geschäftsbeziehungen mit japanischen Versicherungsgesellschaften.
Swiss Re rechnet mit 845 Millionen Euro eigener Schadenbelastung
Auch der Rückversicherer Swiss Re hat nun eine erste Schätzung über die Höhe der eigenen Schadenbelastung durch das Erdbeben und Tsunami in Japan abgegeben. Von 1,2 Milliarden US-Dollar (entspricht knapp 845 Millionen Euro) abzüglich weiter rückversicherter Schadenleistungen und vor Steuern ist die Rede.
Der Versicherer weist darauf hin, dass eine Schätzung der Schäden einen hohen Unsicherheitsfaktor beinhaltet. Nachträgliche, erhebliche Anpassungen könnten nicht ausgeschlossen werden: Die genaue Ermittlung der Schadeninformationen werde mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die aktuell vorliegende Schätzung von Swiss Re beruhe in erster Linie auf modellierten Schätzungen für das Portefeuille des Unternehmens. Außerdem werde der hohe Anteil von Schadensbelastung an Gewerbeimmobilien und Industrieanlagen den Prozess zusätzlich verzögern. Stefan Lippe (Foto), Präsident der Geschäftsleitung von Swiss Re betonte, dass der Rückversicherer es als selbstverständlich ansehe, seine Kunden in Japan mit frm Fachwissen und der Erfahrung der Swiss Re bei der Bewältigung solch verheerender Ereignisse zu unterstützen. „Unsere Industriebranche ist dazu da, den Wiederaufbau der betroffenen Gebiete zu ermöglichen."
Die weltweite Nummer drei im Rückversicherungsmarkt, die Hannover Rück, rechnet mit einer Schadenbelastung von 250 Millionen Euro - nach Retrozessionen und vor Steuern durch das Erdbeben in Japan. „Wir sind persönlich zutiefst über die Ereignisse in Japan erschüttert. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Bevölkerung. Wir werden unseren japanischen Kunden zur Seite stehen und als Rückversicherer unseren Beitrag leisten, die entstandenen Schäden zu schultern", sagte Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin (Foto rechts). Über Gewinn-Prognosen für das laufende Jahr wird der börsennotierte Rückversicherer am 3. Mai 2011 im Rahmen seiner Berichterstattung zum ersten Quartal 2011 etwas sagen.
Schadenbelastung in Japan trifft auch Erstversicherer in Deutschland
Auch der Marktführer unter den Erstversicherungs-Unternehmen hierzulande hat sich zu Wort gemeldet. Nach den Naturkatastrophen in Japan müssten sich die Versicherungskonzerne auf hohe Folgekosten durch Betriebsausfälle einstellen, ist man sich auch bei der Allianz Group (www.allianz.de) sicher. Diese Belastung könne die Branche teurer zu stehen kommen als die unmittelbaren Schäden durch Beben und Tsunami, sagte der Deutschland-Chef der AGCS Allianz Global Corporate & Specialty AG (www.agcs.allianz.com) Wolfgang Faden (Foto) gegenüber der Presse. „Die Belastungen durch Betriebsunterbrechungen können bei solchen Ereignissen häufig höher ausfallen als die Schäden bei Anlagen oder Fabrikgebäuden", sagte Faden. Konkrete Angaben zur Schadenssumme seien noch zu früh. Die AGCS, die Allianz-Sparte für Industrieversicherungen, betreut eigenen Angaben zufolge auch deutsche Unternehmen, die in Japan produzieren oder eine Vertriebsniederlassung haben. Zahlreiche Unternehmen mussten wegen des Erdbebens ihre Produktion unterbrechen - vorrangig Automobil-Hersteller und Produzenten von Elektronik-Chips. Wie es in Kreisen heißt, werden die Gesamtkosten für die Versicherungsbranche auf bis zu 25 Milliarden Euro geschätzt. (eb / www.bocquel-news.de)
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