logo
logo

Namen und Nachrichten

Rückversicherer rechnen mit Milliardenschäden

14. März 2011 - Die Versicherungswirtschaft rechnet mit Milliardenschäden, die in Japan das schwerste Erdbeben aller Zeiten Ende vergangener Woche angerichtet hat. Die Munich Re wird ihr erwartetes Konzern-Ergebnis 2011 von 2,4 Milliarden Euro jetzt kaum realisieren.

Das Geschäftsjahr 2010 hatte die Munich Re (www.munichre.com) mit einem Gewinn von 2,43 Milliarden Euro erfolgreich abgeschlossen. Ihre Erwartung, auch 2011 ein ähnlich hohes Konzernergebnis zu erzielen, machten die Katastrophen in Japan am vergangenen Freitag zunichte.

Nikolaus von Bomhard

Starkes Beben in Japan
Am Freitagnachmittag Ortszeit hat ein starkes Beben der Magnitude 8,9 die Nordostküste von Honshu/Japan erschüttert. Am stärksten betroffen war die Küstenregion um die Stadt Sendai rund 300 Kilometer nördlich von Tokio. Der Großraum Tokio scheint dagegen nach ersten Analysen nur in geringerem Umfang betroffen gewesen zu sein.

Munich Re analysiert die Folgen des Erdbebens und die daraus entstandenen Schäden für die Versicherungswirtschaft. Diese Analyse ist aber sehr komplex. Für eine Aussage über versicherte Schäden und auch über die Schadenbelastung für Munich Re selbst sei es daher noch weitaus zu früh, teilt der weltweit größte Rückversicherer aus München mit.

Noch am vergangenen Donnerstag hatte die Munich Re, Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft, in ihrer Bilanz-Pressekonferenz mitgeteilt, dass sie für 2011 ein in etwa unverändertes Konzernergebnis von rund 2,4 Milliarden Euro anstrebe. „Dieses Ziel bleibt allerdings nur erreichbar, wenn die zufallsbedingten Großschäden im weiteren Jahresverlauf unter den Erwartungen bleiben", sagte Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard (Foto) während der Bilanz-Pressekonferenz in München - einen Tag bevor ein Tsunami und zahlreiche sehr schwere Erdbeben Japan heimsuchten. Nun muss die Ergebnis-Prognose für die Munich Re revidiert werden.

Am vergangenen Freitag, eine Viertelstunde vor Handelsschluss an der Börse in Tokio, bebte die Erde in Japan und ein Tsunami verwüstete vor allem im Norden Japans ganze Landstriche. Die Nachricht wirkte sich in Windeseile an den Kapitalmärkten aus. Unter anderem sank auch der deutsche Aktien-Index Dax um etwas mehr als ein Prozent auf unter 7.000 Punkte. Vor allem die Aktien der Rückversicherer gerieten unter Druck. Die Anteilsscheine der Munich Re verloren mehr als 4 Prozent. Auch der Aktienkurs der Hannover Rück (www.hannover-rueck.de) gab im Wert um mehr als 5 Prozent nach.

Hohe Versicherungsdichte in Japan
Da in der Industrienation Japan eine hohe Versicherungsdichte herrscht, werden die aktuellen, extremen Naturkatastrophen zu hohen Schadenforderungen an die Versicherer und vor allem Rückversicherer führen. Welche Schäden durch den Super-GAU (größtmöglicher anzunehmender Unfall) an dem Atommeiler im japanischen Fukushima entstanden und auch noch entstehen werden, kann bisher niemand berechnen. Die Katastrophe von Fukushima sei letzten Schätzungen zufolge durchaus mit dem Super-GAU im russischen Tschernobyl vor 26 Jahren zu vergleichen.

Ganz aktuell meldet heute die Financial Times Deutschland, dass an den Handelsplätzen in Fernost die Angst umgeht. Der japanische Nikkei-Index sei bereits um mehr als sechs Prozent gefallen. Die Notenbank greife ein - und flute die Finanzmärkte mit 350 Milliarden Euro. In Zeitungskreisen weist man darauf hin, dass Japan mit einem langsamen Wirtschaftswachstum und einer Staatsverschuldung von 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu kämpfen habe.

Die drei größten japanischen Autohersteller - Toyota , Nissan  und Honda  -  hätten angekündigt, ab Montag ihre gesamte Produktion im Land zu stoppen und sollen als Grund dafür die Schäden genannt haben, die das Erdbeben Autolieferanten und Transportnetzen in der Region zugefügt hätten.

Heute in den Morgenstunden meldete sich Munich-Re-Chef Nikolaus vom Bomhard: „Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt dem japanischen Volk, das durch diese Naturkatastrophe unermessliches Leid erfahren hat. Munich Re unterhält seit 1912 Geschäftsbeziehungen mit japanischen Versicherungsgesellschaften. Wir fühlen uns unseren japanischen Kunden und dem Land insgesamt sehr verbunden und werden unseren Beitrag zur Schadenbewältigung leisten."

Die Munich Re mit ihrer Erfahrung, Finanzkraft und auf der Basis ihrer über Jahrzehnte gewachsenen Vertrautheit mit den lokalen Bedingungen in Japan bei der Bewältigung dieser außerordentlichen Naturkatastrophe ihre Unterstützung einbringen. Angesichts der Komplexität und Schwere der Naturkatastrophe werde es noch eine Weile dauern, bis die Summe der volkswirtschaftlichen Schäden, der versicherten Schäden und der von einzelnen Rückversicherern wie Munich Re zu erbringenden Leistungen zumindest näherungsweise feststeht.

Am 10. März 2011 während der Bilanz-Pressekonfrenz der Munich Re war noch kein Gedanke an das verheerende Unglück in Japan. So berichtete Nikolaus von Bomhard über das Geschäftjahr 2010. „Es war kein einfaches Jahr wegen der hohen Belastungen aus Großschäden. Wir haben es trotzdem erfolgreich abgeschlossen: Mit einem Gewinn von 2,43 Milliarden Euro haben wir unsere selbst gesteckten Ziele leicht übertroffen. Es ist vor allem auch deshalb ein gutes Jahr gewesen, weil wir mit 13,5 Prozent Rendite auf das risikoadjustierte Eigenkapital unser Ziel von 15 Prozent trotz sehr niedriger Zinsen annähernd erreicht haben."

Schwere Naturkatastrophen in Australien und Neuseeland zu Beginn 2011
Der Jahresbeginn 2011 - so berichtete von Bomhard - sei geprägt von Naturkatastrophen in Australien und Neuseeland. Aufgrund dieser Großschadenbelastung in den ersten zwei Monaten sei das Gewinnziel von etwa 2,4 Milliarden Euro für 2011 nur erreichbar, wenn die zufallsbedingten Großschäden im weiteren Jahresverlauf unter den durchschnittlichen Erwartungen bleiben. Die Ereignisse in Japan machen nun die Erwartung zunichte.

Auch schon Milliardenschäden durch Erdbeben in Neuseeland
Schon die Schäden der verheerenden Erdbeben in Neuseeland, die Überschwemmungen bei Brisbane und der Zyklon Yasi in den ersten Monaten dieses Jahres ergeben für die Munich  Belastungen in einer Größenordnung von 1,5 Milliarden Australien-Dollar (entspricht 1,086 Milliarden Euro); davon allein 1 Milliarden Dollar für das Erdbeben in Neuseeland. Insbesondere die erste, vorläufige Schadensschätzung für das Erdbeben sei noch mit Unsicherheiten behaftet. Von Bomhard betonte: „Schäden aus Naturkatastrophen zu tragen, gehört zu unserem Kerngeschäft. Mit der Erst- und Rückversicherung tragen wir dazu bei, zumindest die finanziellen Folgen dieser Ereignisse für die betroffenen Menschen und Regionen abzufedern."

Torsten Jeworrek Am Donnerstag hatte Munich Re-Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek (Foto) während der Bilanz-Pressekonferenz erklärt, die beiden Erdbeben in Neuseeland aus dem vergangenen Jahr und im ersten Quartal 2011 Teil einer großen tektonischen Verschiebung seien, die auch Japan treffen könnte. Seine Prognose wurde am Freitag traurige Wirklichkeit. Die Schäden, die aus den jüngsten Naturkatastrophen in Japan resultieren, belasten nicht nur den Marktführer Munich Re, sondern auch die anderen größeren Rückversicherer.

Komplexe Rückversicherungslösungen
In Bezug auf das Geschäftsjahr 2010 - ohne weiter auf Schäden durch Naturkatastrophen einzugehen - sagte der Munich-Re-Chef von Bomhard: „In der Rückversicherung zahlt sich unsere Markt- und Kundennähe aus. Wir besitzen die Fähigkeit, komplexe Rückversicherungslösungen für unsere Kunden zu strukturieren. Damit können wir uns zunehmend vom Wettbewerb differenzieren. Gleichzeitig zeigen wir mit unseren Produkten im Bereich Erneuerbare Energien oder unserem Konzept für die Versicherung von Ölbohrungen im Meer, dass wir Innovationen vorantreiben können und wollen."

Erneuerung der Rückversicherungs-Verträge
Auch sei die Erneuerung der Rückversicherungs-Verträge im Schaden- und Unfallsegment zum 1. Januar 2011 sehr zufriedenstellend verlaufen. Potenzial für profitables Wachstum schaffe auch die zunehmende Nachfrage der Kunden, über Risikotransfer an finanzstarke Rückversicherer das Eigenkapital zu entlasten. Solche Verträge trugen bei der Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2011 rund eine halbe Milliarde Euro zum Neugeschäft bei.

2010 gutes Ergebnis trotz Großschäden
In der Rückversicherung habe die Munich Re ein gutes Ergebnis erzielt, was wesentlich zum Gewinn der Gruppe beigetragen habe. Dabei sei der Verlauf des Rückversicherungsgeschäfts 2010 gekennzeichnet von hohen Belastungen aus Großschäden. Aufgrund des Kapitalanlage-Ergebnisses in Höhe von 3.436 (2009: 3.796) Millionen Euro habe man ein operatives Ergebnis von 2.943 (2009: 4.099) Millionen Euro (-28,2 Prozent) erwirtschaftet. Davon entfielen den Angaben zufolge 431 Millionen Euro auf das 4. Quartal 2010. Zum Gesamtgewinn der Munich-Re-Gruppe hat die Rückversicherung den Angaben zufolge 2.099 (2009: 2.576) Millionen Euro bei, davon 440 (707) Millionen Euro im 4. Quartal.

Schaden-Kosten-Quote schnellte auf 100,5 Prozent hoch
In der Schaden- und Unfallrückversicherung der Munich Re lag die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) über das gesamte Jahr 2010 bei 100,5 (2009: 95,3) Prozent der verdienten Nettobeiträge, im 4. Quartal betrug sie 96,0 (92,3) Prozent. Infolge der zum Jahresende üblichen Überprüfung der Reserven sei die Schaden-Kosten-Quote nach einer leichten Reduzierung der Rückstellungen gesunken. Den angaben zufolge entfielen im Gesamtjahr 11,0 (2009: 1,4) Prozentpunkte der Schaden-Kosten-Quote auf Naturkatastrophen. „Eine überdurchschnittlich hohe Belastung im Vergleich zu der erwarteten durchschnittlichen Großschadenbelastung aus Naturkatastrophen von 6,5 Prozent", betonte Jeworrek. Die Schäden aus Naturkatastrophen machten im Gesamtjahr rund 1,56 (2009: 0,20) Milliarden Euro aus. Für die Munich Re war das größte Schadenereignis 2010 mit knapp 1 Milliarden US-Dollar (entspricht 717,6 Millionen Euro) nach Retrozessionen und vor Steuer, das verheerende Erdbeben in Chile.

Beitragseinnahmen legten um 8 Prozent zu
Die Beitragseinnahmen im Bereich der Schaden- und Unfallrückversicherung der Munich Re stiegen den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr um über 8 Prozent auf 23,6 (2009: 21,8) Milliarden Euro; davon 6,0 (5,3) Milliarden Euro im 4. Quartal. Seit dem 1. April 2009 werden auch die Bruttobeitragseinnahmen des Neuerwerbs Hartford Steam Boiler Group (HSB Group www.hsb.com) in den Konzernabschluss einbezogen. Für das Jahr 2010 beliefen sich diese auf 638 Millionen Euro. Währungsbereinigt wäre der Umsatz 2010 um 1,5 Prozent gestiegen. (eb-db / www.bocquel-news.de)

zurück

Achtung Copyright: Die Inhalte von bocquel-news.de sind nach dem Urheberrecht für journalistische Texte geschützt. Die Artikel sind ausschließlich zur persönlichen Lektüre und Information bestimmt. Abdrucke und Weiterverwendung - beispielsweise zum kommerziellen Gebrauch auf einer anderen Homepage / Website oder Druckstücken - sind nur nach persönlicher Rücksprache mit der Redaktion (info@bocquel-news.de) gestattet.