18. Dezember 2023 - Im neuesten LV-Unternehmens-Scoring von Ascore haben von insgesamt 59 Lebensversicherungsunternehmen zwölf Versicherer die höchste Bewertung erhalten. Dabei überprüft Ascore die jährlich Bewertungssystematik. Die Ascore-Kennzahlenexperten bindet dabei die Branchenentwicklung in die Ascore-Ratings mit ein.
Im aktuellen Ratingjahrgang 2023 von Ascore Das Rating (https://ascore.de/) wurde die Bewertung in Bezug auf die bewerteten Kennzahlen im Vergleich zum Vorjahr angepasst. Bei der Verteilung der Punkte hat sich allerdings nichts geändert.
Die Punkte-Verteilung wird nach wie vor nach dem „relativen Scoring-Verfahren“ vorgenommen. Das heißt, dass die Benchmarks der einzelnen Kennzahlen wie jedes Jahr an die Marktentwicklung angepasst werden. In einem Vergleich zum Markt werden dann die einzelnen Kennzahlen gesetzt und bewertet. Dabei werden positive Wertungen mit einem halben oder ganzen Punkt gegeben. Die jeweils erreichte Gesamtpunktzahl wird dann auf sechs Wertungsklassen umgelegt, die dann im Ascore Kompass erscheinen. Die Analysten verzichten dabei auf eine direkte Gewichtung der einzelnen Kriterien.
Schließlich umfasst die Bewertung 16 bewertungsrelevante Kriterien aus den Bereichen „Erfahrung“, „Sicherheit“, „Erfolg“ und „Bestand“. Zusätzlich fließen 24 nicht-bewertungsrelevante Kennzahlen sowie sechs ergänzende Info-Kennzahlen in die Analyse ein. Eventuelle Schwankungen werden bei den meisten Kennzahlen über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren gemittelt.
Die Zinswende 2022 spiegelte sich in einigen Kennzahlen der Lebensversicherer wider.
Die saldierten Bewertungsreserven der Kapitalanlagen sanken im Verhältnis zum Bestand der Kapitalanlagen von 15,3 Prozent im Geschäftsjahr 2021 auf minus 10,0 Prozent im Jahr 2022. Dagegen stiegen die stillen Lasten von 0,5 Prozent im Vorjahr auf 14,4 Prozent stark an.
Zum ersten Mal im Geschäftsjahr 2022 im Vergleich zur Einführung der Zinszusatzreserve im Jahr 2011 ist der Referenzzins erstmals konstant geblieben. Er betrug 1,57 Prozent. Von insgesamt 59 bewerteten Unternehmen haben 56 Versicherer die Auflösung ihrer Zinszusatzreserve geschafft. Insgesamt lag die Zinszusatzreserve im Jahr 2022 bei 76,8 Milliarden Euro nach 79,9 Milliarden Euro im Vorjahr.
Auch bei den Solvency-Quoten wirkte sich die Zinswende positiv aus. Während die anrechnungsfähigen Eigenmittel der bewerteten Gesellschaften von insgesamt 131,4 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 118,6 Milliarden Euro im Jahr 2022 gefallen sind, lagen auch die Solvenz-Kapitalanforderungen mit insgesamt 23,5 Milliarden Euro im Jahr 2022 unter dem Vorjahreswert von 28,9 Milliarden Euro. Die aufsichtsrechtliche Solvenz-Quote stieg um rund 49 Prozentpunkte auf insgesamt 504,2 Prozent im Jahr 2022 an. Die Solvenz-Quote netto (ohne Berücksichtigung der Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassungen) lag mit 248,5 Prozent ebenfalls über dem Vorjahreswert von 214,3 Prozent.
Die gestiegenen Zinsen machten sich auch beim Kapitalanlageergebnis der Lebensversicherer bemerkbar. Dadurch ist die Nettoverzinsung, welche das gesamte Kapitalanlageergebnis im Verhältnis zum mittleren Kapitalanlagebestand misst, von 3,5 Prozent im Jahr 2021 auf 2,1 Prozent im Jahr 2022 gesunken. Der starke Rückgang der Nettoverzinsung ist auf insgesamt höhere außerordentliche Aufwendungen für die Kapitalanlagen (Abschreibungen und Verluste aus dem Abgang) zurückzuführen. Und die außerordentlichen Erträge lagen unter dem Vorjahreswert, denn die Versicherer waren nicht mehr gezwungen, ihre Bewertungsreserven für die Finanzierung der Zinszusatzreserve zu realisieren. Die laufende Durchschnittsverzinsung, lag mit 2,3 Prozent näher an dem Vorjahreswert von 2,4 Prozent.
Trotz der rückläufigen Nettoerträge aus den Kapitalanlagen ist bei den im Rating berücksichtigten Lebensversicherern im Jahr 2022 eine höhere Ergebnis-Quote von 11,3 Prozent nach 9,7 Prozent im Vorjahr zu verzeichnen (die Quote misst das Verhältnis vom Gesamtüberschuss einschließlich der Direktgutschrift zu den gebuchten Bruttobeiträgen und den Nettoerträgen aus Kapitalanlagen).
Auch die gebuchten Bruttobeiträge lagen insgesamt um 6,4 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert. Der erzielte Gesamtüberschuss ist dagegen im Vergleich zum Vorjahr nur leicht um 0,1 Milliarden Euro auf 11,6 Milliarden Euro zurückgegangen.
Im Bereich „Bestand“ stiegen die laufenden Beiträge insgesamt von 55,2 Milliarden Euro auf 56,0 Milliarden Euro; die Einmalbeiträge waren jedoch im Vergleich zum Vorjahr stark rückläufig und betrugen 27,1 Milliarden Euro im Jahr 2022 nach 34,4 Milliarden Euro im Vorjahr.
Beim Neuzugang gemessen an der Beitragssumme des Neugeschäfts ist im Geschäftsjahr 2022 auch ein Rückgang zu verzeichnen, so dass die Kennzahl von 173,4 Milliarden Euro auf 160,2 Milliarden Euro fiel.
Die Kennzahl „Sicherungsbedarfsquote“, die den Sicherungsbedarf gemäß § 139 (4) VAG im Verhältnis zu der Deckungsrückstellung darstellt, wurde wegen der gestiegenen Zinsen bei der Bewertung im aktuellen Jahrgang nicht mehr berücksichtigt.
Die durchschnittliche Bewertung der Lebensversicherer hat sich im aktuellen Jahrgang – verglichen mit dem Vorjahr verbessert. Die erstmalige Stagnation des Referenzzinses für die Zinszusatzreserve und als Folge die bestandsinduzierte Auflösung der Zinszusatzreserve erhöht kurz- bis langfristig die Überschussbeteiligung der Versicherten.
„Einige Versicherer hatten schon für das Jahr 2023 ihre laufende Überschussbeteiligung erhöht. Nutzen die Gesellschaften das freiwerdende Kapital aus dem Abbau der Zinszusatzreserve, um die Verluste aus Realisierungen der stillen Lasten bilanziell auszugleichen, so erhöht sich künftig durch Neu- und Wiederanlagen die Ertragskraft ihrer Kapitalanlagen, wovon wiederum die Versicherten profitieren werden. Bei den Neugeschäftszahlen erwarten wir im Geschäftsjahr 2023 auf Grund andauernder Inflation jedoch keine Verbesserung.“ erläutert Dr. Maryna Bibik, Teamleiterin Unternehmensanalyse bei Ascore Analyse.
Die Scoring-Ergebnisse sind auf der Website unter www.ascore.de abgebildet. Die Dokumentation des aktuellen Ascore LV-Unternehmensscorings können hier herunter geladen werden.
Anwender des Ascore Navigators können die aktualisierten Einzel- und Detailergebnisse direkt im Programm einsehen. Zudem werden die Unternehmenswertungen zeitnah auch in den LV-Vergleichslösungen von softfair als qualitativer Filter innerhalb der Berechnungsvorgaben nutzbar sein. (-el / www.bocquel-news.de)
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