9. September 2013 - „Das Langlebigkeitsrisiko steigt" - heißt es beim Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, ifa Ulm. Die ifa-Mathematiker erstellten eine Analyse mit einem typischen Rentnerbestand für ein Projekt mit der OECD zum Transfer von Langlebigkeitsrisiken.
In einer gemeinsamen Studie mit der OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (www.oecd.org) und risklab (www.risklab.de) hat das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa, www.ifa-ulm.de) die bisherige Entwicklung des Kapitalmarktes für Langlebigkeitsrisiken analysiert und mögliche zukünftige Entwicklungen aufgezeigt. Das Projekt untersucht unter anderem, wie Langlebigkeitsrisiken an den Kapitalmarkt transferiert werden können. Das alles vor dem Hintergrund einer mathematisch vertretbaren Altersvorsorge-Berechnung.
„Für Lebensversicherer und bAV-Einrichtungen wird es immer wichtiger, das Langlebigkeitsrisiko im eigenen Bestand zu analysieren, um daraus geeignete Maßnahmen für den Umgang mit diesem Risiko abzuleiten. Durch Solvency II wird dies auch vom Gesetzgeber und von der Aufsicht verstärkt eingefordert", schreibt Dr. Matthias Börger, Actuarial Consultant beim Ulmer ifa in einem Beitrag der Fachzeitschrift Versicherungswirtschaft (www.vvw.de) Ausgabe 10/2013. Und damit trifft er genau das Problem, mit dem sich die Versicherungs-Branche verstärkt auseinandersetzen sollte.
|
Begriff „Langlebigkeitsrisiko" Nach Mitteilung des ifa Ulm handelt sich hier um ein systematisches Risiko, das nicht innerhalb eines Bestandes ausgeglichen werden kann. Es ist das Risiko, dass die Versicherten im Mittel deutlich länger leben als erwartet. Das ist in der Prämienkalkulation zu berücksichtigen. Wenn ein Versicherer beispielsweise bei seiner Tarifkalkulation von einer 80 Jahre dauernde Lebens-erwartung ausgeht, die Versicherten im Schnitt aber 82 Jahre alt werden, gerät er in eine finanzielle Schieflage. Da hilft ihm auch kein großer Bestand, denn die zwei zusätzlichen Jahre Lebenserwartung treffen ihn bei jedem Versicherten. An dieser Stelle findet also kein Ausgleich im Kollektiv statt; vielmehr steigt das Langlebigkeitsrisiko hier mit der Bestandsgröße immer weiter an. |
Die Ergebnisse der Studie sind in einem „OECD Background Paper" (in englischer Sprache) zusammengefasst, das unter www.ifa-ulm.de/downloads/ heruntergeladen werden kann.
Beschreibung der bisherigen Marktentwicklung
Den Angaben zufolge enthält das Papier neben einer Beschreibung der bisherigen Marktentwicklung auch eine Erläuterung der wichtigsten Finanzinstrumente zum Risikotransfer sowie eine Analyse ausgewählter Transaktionen. Darüber hinaus werden Einschränkungen des Marktes diskutiert, die die weitere Entwicklung momentan noch aufhalten. So gebe es auf Seiten der Versicherer und EbAVs noch erhebliche Unklarheiten, was die bilanzielle und aufsichtsrechtliche Behandlung von Finanzinstrumenten wie Langlebigkeits-Swaps betrifft.
Außerdem seien potenzielle Investoren noch wenig mit dem Langlebigkeitsrisiko als Anlageklasse vertraut, heißt es. Darüber hinaus leide der Markt noch unter
- einer geringen Liquidität,
- einer unzureichenden Standardisierung und dem
- Fehlen von Referenzpreisen für zukünftige Transaktionen.
Im „OECD Background Paper" werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie diese Barrieren abgebaut und der Markt für Langlebigkeitsrisiken weiterentwickelt werden kann.
Modellierung, Quantifizierung und das Management
Weiter wird mitgeteilt, dass die Modellierung, Quantifizierung und das Management der Langlebigkeitsrisiken einer der Beratungsschwerpunkte des ifa ist. Im Internet unter www.ifa-ulm.de/downloads sind weitere wissenschaftliche Ausarbeitungen zum Thema Langlebigkeitsrisiko zu finden. (eb / www.bocquel-news.de)
Achtung Copyright: Die Inhalte von bocquel-news.de sind nach dem Urheberrecht für journalistische Texte geschützt. Die Artikel sind ausschließlich zur persönlichen Lektüre und Information bestimmt. Abdrucke und Weiterverwendung - beispielsweise zum kommerziellen Gebrauch auf einer anderen Homepage / Website oder Druckstücken - sind nur nach persönlicher Rücksprache mit der Redaktion (info@bocquel-news.de) gestattet.
