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Namen und Nachrichten

W&W erwirbt Karlsruher

10. Oktober 2005 - Überraschung: Die Münchener Rück (www.munich-re.com) und Württembergische Leben (www.wuerttembergische.de) einigten sich über den Verkauf der Karlsruher Versicherungsgruppe (www.karlsruher.de).

Wenn die Zustimmung der Aufsichtsbehörde und des Kartellamts vorliegen, sollen die Württembergische Lebensversicherung AG und die Württembergische Versicherung AG mit der Karlsruher Versicherungsgruppe zusammengeführt werden. Der Stuttgarter Finanz- und Vorsorgekonzern Wüstenrot & Württembergische (www.ww-ag.de), Holding-Dach der beiden Württembergischen Gesellschaften will so seine Basis auf dem Zukunftsmarkt private Vorsorge verstärken. Konkret wird die Württembergische Lebensversicherung AG den 90-Prozent-Anteil der Münchener-Rück-Gruppe an der Karlsruher Lebensversicherung AG erwerben. Zu dieser Obergesellschaft der Karlsruher Versicherungsgruppe gehört auch die Karlsruher Hinterbliebenenkasse sowie eine Sachversicherungsgruppe bestehend aus Karlsruher Versicherung, Karlsruher Beamten-Versicherung und Karlsruher Rechtsschutzversicherung. Zum Kaufpreis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.

Dr. Gert Haller"Der Zusammenschluss ist ein weiterer Meilenstein für unsere Geschäftsfelder Vermögensbildung, private und betriebliche Vorsorge und Risikoabsicherung", erklärte der Vorstandsvorsitzende der W&W AG, Dr. Gert Haller (Foto links). "Die Konzern-Strategie wird konsequent umgesetzt". Erklärtes Ziel der W&W AG ist es, auch im Versicherungsgeschäft unter den Top-Ten im deutschen Markt zu rangieren. Dies werde jetzt in einem Zug erreicht. Das Beitrags-Volumen und der Markt-Anteil der Lebensversicherung in der W&W-Gruppe verdoppeln sich mit diesem Schritt nahezu. Die vergrößerte Württembergische Lebensversicherung AG rücke damit von Platz 16 auf Platz 8 vor, teilt Haller mit. Auch die Württembergische Versicherung AG verbessere sich von Platz 12 auf Platz 8. Geschäftssteigerungen seien auch beim Verkauf von Bauspar-, Kranken- und Fonds-Produkten und bei der Pensionskasse zu erwarten. Haller: "Ein Zusammengehen der Lebens- und Sachversicherer aus Stuttgart und Karlsruhe verschafft dem W&W-Konzern einen Wachstumsschub und ein deutliches Synergiepotenzial."

Dr. Wolfgang OehlerDer Vorstandsvorsitzende der Württembergischen Lebensversicherung AG, Dr. Wolfgang Oehler (Foto rechts), sieht erhebliche Vorteile im Vertriebswege-Mix, der durch das Zusammengehen mit der Karlsruher entstehen. Während die Württembergische bei der Ausschließlichkeit deutlich stärker sei, stehe die Karlsruher für größere Vertriebskraft im Banken- und Makler-Kanal. Die Zusammenarbeit mit den bisherigen Vertriebspartnern der Karlsruher Versicherungsgruppe werde unverändert fortgesetzt und weiterentwickelt. Dazu soll die Marke Karlsruher erhalten bleiben.

Die neue Größe ermögliche es – so wird aus Stuttgart mitgeteilt, drei Vertriebskanäle – die beiden zusammengeführten Ausschließlichkeits-Organisationen sowie die Makler- und die Banken-Schiene – separat zu betreuen und konsequent auszubauen. "Die systematische Trennung der Vertriebswege garantiert hohe Effizienz und konsequente Kundenorientierung", betonte Oehler. Die Marktbearbeitung erfolgt auch künftig über die beiden Traditions-Marken Württembergische und Karlsruher. Die Württembergische soll künftig als Marke für den eigenen Vertrieb stehen. Die Karlsruher fokussiert sich auf den Vertriebskanal Banken. Oehler: "Die Marke 'Karlsruher' wird zielgerichtet positioniert gepflegt und weiter ausgebaut."

Dr. Bernhard SchareckAuch aus Karlruhe wird die Übernahme kommentiert: Die Karlsruher sehe in dem Zusammenschluss ihre Ziele der Zukunftssicherung verwirklicht. Mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. Bernhard Schareck (Foto links), zugleich Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (www.gdv.de), hatte das ausgewiesen gesunde, allerdings nur mittelgroße Unternehmen die Bildung einer strategischen Allianz gesucht. "Dazu ist", so Schareck, "eine bestimmte Größenordnung und Struktur unabdingbare Voraussetzung. Karlsruher und Württembergische bilden einen stabilen baden-württembergischen Verbund für den Kernmarkt Deutschland." Regional haben die Unternehmen nach Scharecks Mitteilung unterschiedliche Schwerpunkte, die sich ideal ergänzen. Dabei erleichtern die räumliche Nähe und Ähnlichkeit der Produktlandschaft die Integration. Schareck: "Die Karlsruher hat mit der Württembergischen die größten Übereinstimmungen."

Transaktion in drei Schritten
Die Transaktion soll sich in drei Schritten vollziehen: Zunächst wird die Württembergische Lebensversicherung AG rund 90 Prozent der Anteile der Karlsruher Lebensversicherung AG von der Münchener-Rück-Gruppe erwerben. Anschließend verkauft die Württembergische Lebensversicherung AG die zur Karlsruher Lebensversicherung AG gehörende Karlsruher Versicherung AG an die Württembergische Versicherung AG. In einem dritten Schritt sollen dann die beiden Lebensversicherer und die beiden Sachversicherer jeweils miteinander verschmolzen werden. Der Name Karlsruher Lebensversicherung wird auf die bisherige Karlsruher Hinterbliebenenkasse übertragen und der Name Karlsruher Versicherung auf die bisherige Karlsruher Beamtenversicherung.

Wie die Verhandlungspartner mitteilten, soll der Versicherungsstandort Karlsruhe erhalten bleiben. Er soll künftig Vertriebs- und Betreuungs-Zentrum für die Banken sein. "Auch die Sachbearbeitung der heutigen Karlsruher Lebensversicherung bleibt in Karlsruhe", betonte Schareck.

Neben einer verbesserten Wettbewerbs-Position spreche ein deutlicher Effizienz-Gewinn für das Zusammengehen. Laut Oehler gibt es neben den Cross-Selling-Möglichkeiten bei Produkten, die heute an fremde Partner, künftig aber an die Konzernschwestern im W&W-Konzern vermittelt werden sollen, erhebliche Potenziale in den Bereichen IT und Verwaltung.

Über 30 Millionen Euro pro Jahr sparen
Auch für die Kostenreduzierung gibt es bereits konkrete Vorstellung: Sachkosten-Einsparungen ergeben sich zum Beispiel durch den Wegfall von Doppel-Lizenzen und die Integration der Datenverarbeitung der Karlsruher in die W&W Informatik GmbH. Künftige Investitionen für neue Produkt-Generationen können auf eine breitere Basis gestellt werden. Hinzu kommen erhebliche Synergien durch die Zentralisierung von Stabsfunktionen. Insgesamt dürften sich die Synergien allein 2009 bereits auf rund 25 Millionen Euro belaufen und bis 2011 auf über 30 Millionen Euro pro Jahr steigen. Dem stehen einmalige Fusions-Kosten von gut 30 Millionen Euro gegenüber, die im Wesentlichen in den Jahren 2006 und 2007 anfallen.

Zusammenschluss "partnerschaftlich" vollziehen
Die Vorstandsvorsitzenden der Württembergischen Lebensversicherung AG, Dr. Wolfgang Oehler, und der Württembergischen Versicherung AG, Dr. Tom Bäumer, betonten, dass der Zusammenschluss "partnerschaftlich vollzogen" werde. Die Umsetzung erfolge sozialverträglich. Das bedeutet, dass in der Direktion in Karlsruhe auf betriebsbedingte Beendigungs-Kündigungen im Zusammenhang mit der Integration bis Ende 2007 verzichtet werde. Wanderungsbewegungen zwischen Karlsruhe und Stuttgart seien allerdings unvermeidlich, sollen aber durch Übernahme anderer Aufgaben am Ursprungsort wo immer möglich, begrenzt werden.

Das gemeinsame Fazit von Haller, Bäumer, Oehler und Schareck: "Es wächst zusammen, was zusammenpasst. Wir gewinnen mit neuer Größe mehr Marktpräsenz und eine höhere Effizienz. Das Zusammengehen von Württembergische und Karlsruher ist damit eine zukunftsweisende Antwort auf den marktbedingten Trend zu größeren Einheiten."

Münchener-Rück-Gruppe in den Schlagzeilen
Aus dem Haus der Münchener-Rück-Gruppe kommen in diesem Jahr vermehrt Nachrichten über Verköäufe und Käufe. Erst letzte Woche verkündete der weltweit größte Rückversicherer, dass er das Umtausch-Angebot der UniCredit für ihre Anteile an der HypoVereinsbank annehme.

Die Münchener-Rück-Gruppe, die insgesamt 18,3 Prozent an der HypoVereinsbank hält, habe entsprechende Entscheidungen in den Gremien der jeweiligen Gesellschaften getroffen. Nach Abschluss des Umtauschs wird die Münchener-Rück-Gruppe an der italienischen UniCredit einen Anteil von mindestens 6,3 Prozent halten, der jeweils etwa zur Hälfte bei der Münchener Rück AG und der Ergo Versicherungsgruppe AG (www.ergo.de) liegen wird. Seine genaue Höhe werde sich erst beziffern lassen, wenn feststehe, inwieweit das Umtausch-Angebot der UniCredit von den Aktionären der HypoVereinsbank, der Bank Austria Creditanstalt und der Bank BPH angenommen wird.

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