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Verunsicherung: Trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen?

21. Juli 2020 - Deutliche Markteinbußen in der Versicherungswirtschaft durch die Corona-Pandemie erwarten die Managementberater von EY Innovalue. Das soll sowohl die die Sparten der Komposit-Versicherung als auch die der Lebens- und Krankenversicherung betreffen. Bei den registrierten Makler bis 2025: Rückgang um 18 bis 23 Prozent.

„Die nach wie vor relevanten Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen haben einen deutlichen Einfluss auf den Vertrieb“, sagt Julia Palte, Partner bei EY Innovalue (www.ey-innovalue.de). „Darüber hinaus sorgt die Verunsicherung der Privat- aber auch der Firmenkunden für Zurückhaltung beim Neugeschäft und Abrieb im Bestand.“

Die veränderten Marktbedingungen machen Druck auf ineffiziente Geschäfts- und Prozessmodelle. Die Managementberater von EY Innovalue haben in zwei Szenarien die Auswirkungen der Krise auf Bestand und Neugeschäft modelliert und Handlungsempfehlungen für Versicherer und Vertriebe abgeleitet. Basis ist die erwartete Branchen- und BIP-Entwicklung ohne Einfluss von Covid-19. „Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen, wer in der Lage ist, sich schnell umzustellen und aus Herausforderungen Chancen zu machen“, so die Studienautorin.

Bestandsrückgang in Komposit
Die EY-Innovalue-Experten erwarten im Komposit-Privatkundengeschäft einen Bestandsrückgang von 2 bis 3 Prozent, insbesondere in den Sparten Kfz und Unfall, sieht aber den generellen Wachstumstrend nicht gebrochen, sondern zeitlich verschoben. Gründe sind verstärkte Preisvergleiche, gesunkene Kfz-Zulassungszahlen sowie ein Nachfragerückgang beziehungsweise Storni in „verzichtbaren“ Sparten.

2025 bisheriges Geschäftsniveau wieder erreicht?
Im Firmenkundengeschäft könnte der Rückgang mit 4 bis 6 Prozent noch deutlicher ausfallen. Sofern es im Jahr 2021 nicht zu weiteren einschneidenden Shutdowns kommt, könnte ab 2025 das bisherige Geschäftsniveau wieder erreicht oder sogar überschritten werden. Die Einflussfaktoren sind hier differenziert zu sehen.

Markt der Kredit- und Kautionsversicherungen wird härter
Neben einer Marktverkleinerung durch weniger Neugründungen und zunehmenden Insolvenzen dürften Branchen wie zum Beispiel Gastronomie und Tourismus zusätzlich durch Prämienrückgänge bei umsatzabhängigen Policen betroffen sein. Generell sind Luftfahrt, Automotive und Tourismus nachhaltiger geschädigt als beispielsweise Medizintechnik, IT oder Telekommunikation. Mittelfristig erwarten die EY-Innovalue-Experten einen härter werdenden Markt, insbesondere in der Kredit- und Kautionsversicherung.

Signifikante Neugeschäftseinbrüche in Leben
Für 2020 rechnen die Berater von EY Innovalue mit einem Rückgang des Neugeschäfts in der Lebensversicherung von 23 bis 27 Prozent. Demnach ist hier insbesondere das Einmalbeitragsgeschäft betroffen. Noch stärker könnten die Rückgänge in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) sein. So ist gerade in der bAV aktuell das Neugeschäft teilweise komplett eingestellt, in der privaten Altersvorsorge drückt die anhaltende Unsicherheit auf die Abschlussbereitschaft.

Existenz der Vermittler der Leben- und Krankenversicherung auf der Kippe
Hinzu kommen Beitragsfreistellungen und Storni. Hingegen erwarten die EY-Innovalue-Experten in der Biometrie eine Seitwärtsbewegung und mittelfristig Zugewinne aufgrund eines höheren Risikobewusstseins. Zusätzliche Effekte ergeben sich auch angebotsseitig. Abschlussorientierte Vermittler mit Branchenfokus in Leben und Kranken scheiden eher aus dem Markt als Vermittler mit Sachfokus und höheren laufenden Einnahmen.

Private Krankenversicherung leidet unter reduzierter Wechselbewegung
Das Neugeschäft in der privaten Krankenversicherung könnte 2020 um 22 bis 29 Prozent einbrechen. Dies betrifft vor allem die Vollversicherung. Das Vor-Krisen-Niveau dürfte auch bis 2025 nicht erreicht werden. Gründe sind eine geringere Wechselbereitschaft in die PKV sowie mehr Insolvenzen und weniger Eintritte in die Selbstständigkeit. Auch reduzierte Beratungsmöglichkeiten und ein beschleunigtes Ausscheiden abschlussorientierter Vermittler beeinflussen die Neugeschäftsentwicklung.

Verstärkte Konsolidierung im Vermittlermarkt
Eine wesentliche Veränderung des Vertriebswege-Mixes erwartet die EY-Innovalue-Fachleute nicht. „Der langfristige Trend des direkten Abschlusses wenig beratungsintensiver Produkte sowie der Bedeutungsgewinn von Maklern bleibt weiterhin intakt. Neben dem Einfluss von Covid-19 führen zunehmende regulatorische Anforderungen und vor allem die Überalterung zu rückläufigen Zahlen der aktiven Makler“, sagt Julia Palte. Dabei sind vor allem die Einzelkämpfer der Einzel- und kleineren Mittelstandsmakler unter Druck. Bei Pools und Vermittlerorganisationen setzt sich der Konsolidierungstrend fort. Insgesamt erwartet EY Innovalue einen Rückgang der registrierten Makler bis 2025 um 18 bis 23 Prozent.

Bei den gebundenen Vermittlern rechnen die EY-Experten sogar mit Rückgängen von 30 bis 34 Prozent. „Ausschließlichkeitsagenten sind zwar kurzfristig durch die Unterstützung der Versicherer gut gewappnet, gleichwohl bleibt der Trend zum Ausscheiden älterer Vermittler oder von Vermittlern mit hohem Leben-/Kranken-Fokus bestehen. Dies gilt insbesondere, wenn die Vermittler die digitalen Möglichkeiten der Kundeninteraktion nicht nutzen“, sagt Tobias Schulz, Director bei EY Innovalue.

Transparenz und Stabilisierung im Vordergrund des Handelns
„Die Versicherer sollten sich Transparenz über die Marktentwicklung verschaffen und Szenarien erstellen, die auf dem eigenen Portfolio basieren“, resümiert Julia Palte. „Ziel ist es, die Auswirkungen auf die Vermittler zu verstehen und Maßnahmen zur Neugeschäfts- und Bestandssicherung abzuleiten. Außerdem muss überprüft werden, welche Risiken die Unternehmen bereit sind, in ihr Portfolio zu nehmen.“

Mittel- bis langfristige Strategien überarbeiten
Zudem müssen die Versicherer ihre mittel- bis langfristigen Strategien überarbeiten. „Das betrifft die Portfolio-Zusammensetzung ebenso wie die Digitalisierungsstrategie. Auch die Risikoprofile der Kunden-Zielgruppen müssen neu bewertet werden und gegebenenfalls neue Produkte und Services entwickelt werden“, so Julia Palte.

Strategische Managementberatung für die Finanzdienstleistungsindustrie
EY Innovalue – a member of EY-Parthenon EY Innovalue - ist eine strategische Managementberatung für die Finanzdienstleistungsindustrie. Das 2001 gegründete Unternehmen ist spezialisiert auf die Bereiche Insurance, Payments und Banking. Die Berater von EY Innovalue verbinden eigenen Angaben zufolge ausgeprägtes Markt-Know-how mit langjährig erprobter Fach- und Methodenkenntnis. Nach mehr als 500 abgeschlossenen Projekten mit hoher Wertschöpfung unterstreicht eine Weiterempfehlungsrate von 94 Prozent die Expertise von EY Innovalue. (-el / www.bocquel-news.de)

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