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Konzepte und Kriterien

Schlecht ausgebildete Vermittler ohne Chance

15. März 2010 - Die Versicherungskaufleute hatten sich gut auf das neue Vermittlerrecht vorbereitet. Von einer spürbaren Mehrbelastung, sei keine Rede. Das ergab eine empirische Untersuchung im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute.

Professor Dr. Johann-Matthias Graf von der SchulenburgWie sich das seit dem 22. Mai 2007 geltende deutsche Vermittlerrecht auf die Vermittler tatsächlich auswirkte, gehörte zur zentralen Fragestellung einer empirische Untersuchung des Kompetenzzentrums Versicherungswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover (www.uni-hannover.de). Der BVK Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (www.bvk.de) hatte die Untersuchung in auftrag gegeben. Die beiden Wissenschaftler Professor Dr. Johann-Matthias Graf von der Schulenburg (Foto) und Dr. Ute Lohse legten jetzt die ausgewerteten Ergebnisse zweier schriftlicher Befragungen kurz vor dem Inkrafttreten des Vermittlerrechts im Jahr 2007 und danach im ersten Quartal 2009 vor.

Die Ergebnisse widersprechen zunächst der weitläufigen Meinung in der Vermittlerschaft, dass die Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie zu einer spürbaren zeitlichen Mehrbelastung geführt hat, heißt es. Die statistische Auswertung der anonymen schriftlichen Befragungen habe ergeben, dass die durchschnittliche Beratungsgesprächszeit sich nur um zwei auf insgesamt 65 Minuten erhöht habe. Auch die Vor- und Nachbereitungszeiten hätten sich nur um zwei Minuten, respektive gar nicht verändert.

Thomas Billerbeck „Damit zeigt sich, dass der zeitliche Aufwand in der individuellen Kundenberatung wissenschaftlich gesprochen nicht signifikant zunahm", sagt BVK-Vizepräsident Thomas Billerbeck (Foto). „Allerdings hat die Studie einen eingeschränkten Aussage-Charakter, denn aus ihr lassen sich keine Schlüsse über materielle Zusatzaufwendungen, beispielsweise in Form von Kosten für die Administration, Material oder die Registrierung ableiten."

Der Untersuchung zufolge war die zeitliche Mehrbelastung für die befragten Mitglieder des BVK gering. Daraus könne geschlossen werden, dass sich diese Vermittler bereits vor der Einführung des Vermittlerrechts gut vorbereitet und qualifizierte Beratungsgespräche durchgeführten hätten - auf der Basis der Berufsregeln des BVK und seines Leitbildes.

Schlecht ausgebildete, nebenberufliche Vermittler blieben auf der Strecke
„Die ausgewerteten Daten bestätigen den BVK in seiner Einschätzung, dass das neue Vermittlerrecht durch seine gesetzlichen Vorgaben, wie Abschluss einer Vermögensschadenhaftpflicht-Versicherung, Nachweis der Sachkunde und Registrierungspflicht im Versicherungsvermittlerregister, zu Marktaustritten von in der Regel schlecht ausgebildeten, nebenberuflichen Versicherungsvertretern geführt hat", ergänzt Billerbeck. So hätte der GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (www.gdv.de) noch in seinem Jahrbuch 2007 etwa 300.000 Nebenberufler ausgewiesen. Doch tatsächlich seien im Versicherungsvermittlerregister mit Stand von Dezember 2009 nur noch rund 255.000 Vermittler  - einschließlich der Nebenberufsvertreter - verzeichnet.

Makler beraten länger und erfolgreicher
In der Studie wurde auch untersuchte, ob es bedeutende Unterschiede in der Kundenbetreuung zwischen Einfirmenvertretern und Maklern gibt. Im Ergebnis wurde deutlich, dass Makler im Schnitt um 22 Minuten (2007) und 27 Minuten (2009) längere Beratungsgespräche durchführen als ihre Kollegen, die Ausschließlichkeitsvertreter sind. Dafür sei die Abschlusswahrscheinlichkeit mit 6,3 Abschlüssen von 10 Angeboten höher als in der Ausschließlichkeit mit 4,8 Abschlüssen. Die Studie ermittelte auch, dass Ladengeschäfte keine Auswirkung auf den Vertriebserfolg haben.

2009 beteiligten sich 1.014 Versicherungsvermittler
2007 nahmen an der Untersuchung 742 Versicherungsvermittler teil, die über 1.394 konkrete Geschäftsvorfälle berichteten. Davon waren damals 91,1 Prozent Ausschließlichkeitsvertreter und 8,9 Prozent Makler. 2009 beteiligten sich 1.014 Berufskollegen, von denen 94,7 Prozent den Ausschließlichkeitsorganisationen und 5,3 Prozent den Maklern zuzurechnen waren. Sie machten Angaben zu 1.456 Kundenkontakten. (-el / www.bocquel-news.de)

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