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Rekord: Fonds-Branche verwaltet 3.850 Mrd. Euro

23. Februar 2021 - Der deutsche Fondsmarkt verwaltet – zum Ende 2020 - 3.850 Milliarden Euro. Ein sattes Ergebnis, das nach Mitteilung des BVI Bundesverbands Investment und Asset Management e.V. das drittbeste Absatzjahr für Fonds war. In Sachen Publikumsfonds entfällt die Hälfte des Neugeschäfts auf nachhaltige Produkte.

„Der deutsche Fondsmarkt hat sich im Jahr 2020 trotz der Corona-Krise sehr gut entwickelt und mit 3.850 Milliarden Euro ein neues Rekordvermögen erreicht. Die hohen Zuflüsse unterstreichen die wichtige Rolle von Fonds in der Altersvorsorge und belegen die Bedeutung des Vertriebs in turbulenten Börsenphasen“, sagte Alexander Schindler, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, am Dienstag auf der Jahres-Pressekonferenz. Der Wachstumstrend in der Fondsbranche ist demnach ungebrochen: Im Vergleich zu Ende 2010 (1.832 Milliarden Euro) hat sich das Vermögen der Branche mehr als verdoppelt.

„Deutschland ist seit vielen Jahren der größte Fondsmarkt in Europa“, hob Schindler hervor. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank entfallen auf Deutschland mittlerweile 24 Prozent des Fondsvermögens von Anlegern in Europa. Es folgen Frankreich und England mit jeweils 14 Prozent und Italien mit 9 Prozent.

Deutschland: Offene Spezialfonds größte Fondsgruppe
In Deutschland sind offene Spezialfonds mit einem Vermögen von 1.998 Milliarden Euro die größte Fondsgruppe. Zusammen mit den Mandaten im Wert von 652 Milliarden Euro entfallen knapp 70 Prozent des von den Fondsgesellschaften verwalteten Gesamtvermögens auf das rein institutionelle Geschäft. Vor zehn Jahren waren es 61 Prozent.

Fondsgesellschaften verwalten einen großen Teil des Sozialkapitals

Versicherungsgesellschaften und Altersvorsorgeeinrichtungen, wie zum Beispiel berufliche Versorgungswerke, gehören seit vielen Jahren zu den größten institutionellen Anlegergruppen. Folglich verwalten Fondsgesellschaften einen großen Teil des Sozialkapitals, wenngleich die Deutschen oft über Versicherungen, Versorgungswerke oder Arbeitgeber einen anderen Zugang haben.

Private Anleger sparen regelmäßig mit Fonds
2020 war in Anbetracht der Corona-Krise – oder trotzdem - ein sehr gutes Absatzjahr. Anleger investierten 127 Milliarden Euro neue Gelder in Publikums- und Spezialfonds. Das ist das drittbeste Absatzjahr für Fonds.

Netto-Mittelaufkommen von Fonds in Milliarden Euro
Offene Spezialfonds steuerten mit 80 Milliarden Euro 63 Prozent des Neugeschäfts von Fonds bei. Offene Publikumsfonds erzielten Zuflüsse von 43 Milliarden Euro. Das ist mehr als 2018 (22 Milliarden Euro) und 2019 (17 Milliarden Euro). Vor allem das regelmäßige Sparen privater Anleger ist eine stabile Komponente im Fondsneugeschäft.

„Da Sparbücher keine Erträge mehr abwerfen, beobachten wir ein zunehmendes Interesse an Fondssparplänen“, sagte Schindler. „Die niedrigen Zinsen schaffen also das, woran jahrelange Finanzbildung oder die Förderung der Aktienkultur gescheitert sind.“ Nach Angaben von BVI-Mitgliedern ist die jeweilige Zahl der Sparverträge in den letzten Jahren stark gestiegen. Schätzungsweise gibt es mittlerweile weit über 10 Millionen Deutsche, die regelmäßig in Fondssparpläne einzahlen.

Hälfte des Neugeschäfts entfällt auf nachhaltige Fonds
Ein besonderes Wachstumsfeld sind nachhaltige Publikumsfonds. Im letzten Jahr flossen ihnen netto 20,6 Milliarden Euro neue Gelder zu. Damit entfällt knapp die Hälfte des Neugeschäfts von Publikumsfonds auf nachhaltige Fonds. 2017 lag der Anteil am Neugeschäft noch bei sechs Prozent. Diese Dynamik hat das Volumen nachhaltiger Fonds binnen weniger Jahre rasch wachsen lassen.

Nachhaltige Publikums- und Spezialfonds verwalteten zum Jahresende 2020 ein Vermögen von 147 Milliarden Euro. Der gesamte deutsche Fondsmarkt benötigte von seinen Anfängen 1950 rund 40 Jahre, um eine vergleichbare Größe zu erreichen.

Aktienfonds bleiben trotz Kursturbulenzen gefragt
Die Absatzliste der offenen Publikumsfonds führen Aktienfonds an. Sie erzielten Zuflüsse von netto 20,9 Milliarden Euro. Ihr Neugeschäft hat sich im Vergleich zum Vorjahr (4,5 Milliarden Euro) fast verfünffacht. Das ist beachtlich, da aufgrund des Kurseinbruches allein im März 14 Milliarden Euro aus Aktienfonds abflossen.

Netto-Mittelaufkommen von offenen Publikumsfonds in Milliarden Euro In der Absatzliste folgen Mischfonds. Sie verzeichneten 2020 Zuflüsse von 10,1 Milliarden Euro. Das entspricht dem Niveau des Vorjahres (10,6 Milliarden Euro). An dritter Stelle im Neugeschäft stehen Immobilienfonds mit Zuflüssen von 8,3 Milliarden Euro.

Der BVI nutzte die Jahres-Presskonferenz auch – angesichts des Superwahljahres 2021 - um seine politische Position klar festzulegen. So appelliert der deutsche Fondsverband BVI an die Parteien, so schnell wie möglich Richtungsentscheidungen zu zentralen Finanz-Themen zu treffen.

„Deutschland hat einen beispiellosen Reformstau zulasten der Sparer“, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Richter auf der Pressekonferenz. „Die Politik muss jetzt endlich handeln. Das betrifft die im Koalitionsvertrag vereinbarte Riester-Reform und die seit Jahren überfällige Entlastung der Kleinsparer.“ Darüber hinaus erzeuge der Brexit Handlungsbedarf bei der deutschen und europäischen Standortförderung, so Richter. Der BVI fordert zudem, den digitalen Wandel der Finanzwirtschaft gesetzgeberisch zu unterstützen. (-el / www.bocquel-news.de)

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