15. März 2010 - Das vermeintlich schwache Geschlecht beweise Stärke im Straßenverkehr, heißt es im Axa Verkehrssicherheits-Report. Frauen seien bessere Autofahrer. Da sie weniger Kilometer fahren, verursachen sie seltener Unfälle, sagt das Statistische Bundesamt.
Europäische Autofahrer halten Frauen für kompetenter hinter dem Steuer. Das bejahten 51 Prozent der Befragten der länderübergreifende Studie über das Sicherheitsbewusstsein von Autofahrern in Europa, dem Axa Verkehrssicherheits-Report 2009 (www.axa.de). Gerade einmal 19 Prozent betrachten Männer als die besseren Fahrer.
Frauen sollen laut Verkehrssicherheits-Report die vorbildlicheren Autofahrer sein. Bei Verkehrssünden wie Telefonieren ohne Freisprechanlage, fehlender Sicherheitsabstand oder Alkohol am Steuer haben demnach die befragten Männer die Nase vorn. Während rund ein Drittel der Männer hinterm Steuer gelegentlich ohne Freisprecheinrichtung telefoniert (31 Prozent), sind es bei den Frauen nur 18 Prozent - und das, obwohl sie dem Klischee zufolge redseliger sind als Männer. Wenn es um den Sicherheitsabstand geht, zeigen sich Männer ebenfalls wenig vorbildlich. Während jeder dritte Mann (31 Prozent) hin und wieder zu dicht auffährt, sind es bei den Frauen nur 20 Prozent. Auch das Thema Alkohol am Steuer nehmen Männer nicht so genau. 16 Prozent geben an, sich auch nach zwei oder mehr alkoholischen Getränken noch ins Auto zu setzen. Von den befragten Fahrerinnen sind es gerade einmal fünf Prozent. Kein Wunder also, dass auch deutlich mehr Männer angeben, gelegentlich ein Bußgeld gezahlt zu haben (Männer: 23 Prozent, Frauen 15 Prozent).
Männer punkten in Flensburg
Dass Männer die größeren Verkehrssünder sind, belegt den Angaben zufolge auch eine aktuelle Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (www.kba.de): Im Verkehrszentralregister sind 78,3 Prozent aller Personen mit einem Eintrag Männer (6,94 Millionen). Außerdem sind männliche Fahrer laut Kraftfahrt-Bundesamt öfter als Frauen Mehrfachtäter und begehen schwerere Verkehrsverstöße. Daher müssen sich Männer auch öfter der gefürchteten Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), im Volksmund "Idiotentest" genannt, unterziehen. Hierbei muss man allerdings berücksichtigen, dass Männer generell mehr Auto fahren als Frauen.
Absolute Zahlen zeigen kein echtes Bild
Die absoluten Zahlen müsse man jedoch relativ besehen, sagen Verkehrsfachleute. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de) allein könnten keinesfalls ein echtes Abbild der Situation auf den Straßen sein. Es entspreche zwar den Tatsachen, dass bei 210.905 Unfällen mit Verletzten, 132.757 Männer als die Hauptverursacher ermittelt wurden. Man müsse jedoch bedenken, dass es sich dabei um absolute Zahlen handele. Man solle jedoch auch bedenken, dass Männer mit ihren Autos laut Bundesverkehrsministerium 2,5-mal mehr Kilometer zurücklegen als Frauen, und außerdem mit 93 Prozent mehr Männer als Frauen (82 Prozent) einen Führerschein besitzen.
Wenn man diese Faktoren prozentual in richtige Verhältnis setze, dann zeige sich ein anderes Bild. Danach hätten Frauen 2008 nicht 37 Prozent weniger, sondern 42 Prozent mehr Unfälle als Männer verschuldet - immer vorausgesetzt, dass sie sich im gleichen Maße am Autofahren beteiligen würden. „Jeder einzelne Frauenkilometer ist riskanter, als würde auf derselben Strecke ein Mann das Auto lenken", rechnet ein versierter Autofahrer vor.
Sicher ist nur, dass Frauen auch beim Fahren „mehr auf Kooperation als auf Konfrontation setzen", sagt Dr. Peter Strohbeck-Kühner (Foto) vom Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin der Universität Heidelberg. Der Wissenschaftler hat das Stressverhalten der Geschlechter beim Autofahren untersucht. Er kam dabei zu der Überzeugung, dass Männer über ein ausgeprägtes Dominanzstreben im Straßenverkehr verfügen, während sich Frauen eher "aufgabenorientiert" verhalten.
Autofahrerinnen sind bereit sich zu bessern
Laut Axa Verkehrssicherheits-Report 2009 zeigen die befragten Autofahrerinnen mehr Bereitschaft, ihr Verhalten im Straßenverkehr zu bessern: Präventionskampagnen zur Verkehrssicherheit etwa zeigen bei einem Viertel (25 Prozent) der befragten Frauen Wirkung; mit nur 16 Prozent legen die befragten männlichen Fahrer hier mehr Sturheit an den Tag.
Auch die Verkehrssicherheit von Kindern liegt Frauen mehr am Herzen. Mit 42 Prozent befürworten deutlich mehr befragte Frauen als Männer (30 Prozent) Verkehrssicherheitsunterricht für die Kleinen. (eb-db / www.bocquel-news.de)
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