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Mit staatlicher Hilfe gegen Provisions-Exzesse

16. Mai 2011 - Die DKV beteiligt sich nicht an Exzessen bei Abschlussprovisionen. 2010 durch die Fusion mit der Victoria zum Marktführer geworden, spricht man - trotz rückläufigem Geschäft - von einem erfolgreichen Jahr 2010. Heute startet eine neue DKV-Werbekampagne.

Clemens Muth „Die DKV beteiligt sich nicht an Exzessen bei Abschlussprovisionen. Eine konsequente Zeichnungspolitik ist für uns oberstes Gebot im Neugeschäft; dies beinhaltet gegebenenfalls auch den bewussten Verzicht auf Marktanteile", sagte Clemens Muth (Foto) im Gespräch mit Journalisten. Seit Jahresbeginn ist er der neue Vorstandsvorsitzende der DKV Deutsche Krankenversicherung (www.dkv.com) und leitete vergangene Woche erstmals die Bilanz-Pressekonferenz, nachdem Günter Dibbern Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand wechselte.

Kampf den Provisions-Exzessen und den Billig-Tarifen
Clemens Muth machte keinen Hehl daraus, dass er die derzeit bei manchen Wettbewerbern praktizierten Provisionen nicht mittragen wolle. Im Zuge des teilweise ruinösen Wettbewerbs unter den Krankenversicherern wurde in jüngster Zeit immer öfter von horrenden Provisionszahlungen der privaten Assekuranzen gesprochen. Angeblich sollen gewiefte Versicherungsvertreter bis zu 18 Monatsbeiträge der von ihnen vermittelten privaten Krankenversicherungs-Policen erhalten haben. Inzwischen wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung laut, um den Provisions-Exzessen ein Ende zu bereiten. Auch der neue DKV-Chef spricht sich für ein rigoroses Vorgehen gegen solche Provisionen: „Eine Stornohaftung von 60 Monaten und eine Begrenzung der Abschlussprovisionen halte ich für richtig, um unseriösen Vertriebsmethoden den Boden zu entziehen", erklärte Muth.

Weg mit den Dumping-Angeboten
Aber auch gegen Billig-Tarife in der PKV privaten Krankenversicherung (www.pkv.de) sprach sich der DKV-Chef aus. Er könne sich vorstellen, eine gesetzliche Obergrenze für Provisionen einzuführen, heißt es. Es wäre außerdem wünschenswert, wenn die Finanzaufsicht BaFin (www.bafin.de) oder der Gesetzgeber dafür Sorge tragen würden, dass Dumping-Angebote in Sachen privater Krankenversicherung vom Markt verschwinden, denn der Markt zeige, dass „er allein die Probleme nicht lösen kann".

Erwartung für 2011: weiteres Wachstum
Während des Pressegesprächs zur Vorstellung des Geschäftsberichts in der Hauptverwaltung der DKV in Köln sprach Clemens Muth von einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2010. Demnach sind die Beitragseinnahmen des Marktführers um 5,7 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der DKV-Chef weiteres Wachstum.

Mehr Neugeschäft und Beitragsanpassungen im Bestand
Die Beitragseinnahmen der DKV, die im vergangenen Jahr im Rahmen der neuen Marktaufstellung der Ergo Versicherungsgruppe (www.ergo.de) mit der Victoria Krankenversicherung fusionierte, stiegen 2010 um 5,7 Prozent auf 4,8 (2009:  4,5) Milliarden Euro. Die Zahlen des Jahres 2009 wurden nach der Verschmelzung mit der Victoria Krankenversicherung rückwirkend konsolidiert. Das Wachstum beruhe neben dem gegenüber dem Vorjahr angestiegenen Neugeschäft vor allem auf den Beitragsanpassungen im Bestand, betonte Muth. Die Beitragsanpassungen werden durch die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen ausgelöst. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle seien um 1,1 Prozent auf 3,33 (2009: 3,29) Milliarden Euro geklettert, die laufenden Kosten um 3,3 Prozent. Die Abschlusskosten-Quote habe sich auf 7,4 Prozent (2009: 7,6) Prozent verringert und liege damit weiter unter Marktniveau. Die Verwaltungskosten hätten sich mit 2,5 (2009: 2,5) Prozent „gleichbleibend gut" entwickelt.

Zahl der Vollversicherten stagniert
Im Jahr 2010 waren, wie bereits im Vorjahr, 4,4 Millionen Menschen bei der DKV versichert, davon 911.000 (2009: 926.000) Vollversicherte. Die Alterungsrückstellungen stiegen um 1,67 Milliarden Euro auf 26,46 (2009: 24,79) Milliarden Euro. „Damit sorgen unsere Versicherten für ihre Gesundheitskosten im Alter generationengerecht vor", erklärte Muth. Die Nettoverzinsung der Kapitalerträge gab er mit  4,1 (2009: 4,5) Prozent. Bei genauerem Hinsehen ist 2010 bei der DKV - ohne die Geschäftszahlen der ehemaligen Victoria - ein leichter Kundenrückgang verzeichnet worden. Mit dem übernommenen Victoria-Geschäft erzielte der Krankenversicherer in der Ergo Gruppe nun die Marktführerschaft, die er vor Jahren an die Debeka (www.debeka.de) verloren hatte.

Privat für alle
Ab 16. Mai wird die DKV mit einer neuen Werbekampagne gezielt die Ergänzungsversicherung als Angebot für alle gesetzlich Versicherten bewerben. „Unter dem Motto 'Privat für alle' bieten wir auch allen gesetzlich Krankenversicherten die Vorteile einer erstklassigen Gesundheitsabsicherung", erklärt DKV-Chef Muth Clemens Muth.

Im laufenden Geschäftsjahr will man bei der DKV wieder verstärkt die Wachstums-Chancen in der Ergänzungsversicherung nutzen. „Wir sind mit 3,4 Millionen Versicherten der führende Ergänzungsversicherer in Deutschland. Diese Position wollen wir weiter ausbauen", so Muth. Besonders gefragt seien derzeit Produkte zum Zahnersatz, aber auch die Absicherung von Zuzahlungen etwa bei Medikamenten. Die DKV bietet hier über alle Vertriebswege das gesamte Spektrum von Ergänzungsversicherungen an. Erst im April war das Produktportfolio des Krankenversicherers um drei Produkte erweitert worden.

Vom Kostenerstatter zum Dienstleister für gesundheitliche Versorgung
Strategisch setzt man bei der DKV weiterhin auf den Kurs vom Kostenerstatter zum Dienstleister für die bestmögliche gesundheitliche Versorgung. In diesem Zusammenhang nannte Clemens Muth das DKV-Produkt BestCare, das bei schweren Erkrankungen die ausführliche Zweitmeinung beziehungsweise den schnellen Zugang zum Top-Experten sicherstellt.

Dringend Verhandlungsmöglichkeiten mit den Leistungserbringern
Die private Krankenvollversicherung in Deutschland steht nach Ansicht Muths vor großen Herausforderungen: „Wir brauchen dringend Verhandlungsmöglichkeiten mit den Leistungserbringern, um die Qualität im medizinischen Bereich beeinflussen zu können." (eb / www.bocquel-news.de)

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