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Konzepte und Kriterien

Konkurrenz oder Partner? So sehen sich die FinTechs

17. November 2016 - FinTechs sehen sich selbst nicht als Konkurrent sondern als Partner der etablierten Finanzdienstleister - das zeigt eine europaweite Studie unter 248 FinTechs aus 18 Ländern. Wird es den FinTechs gelingen, mit den Branchenführern zusammenzuarbeiten und den Finanzdienstsektor zu digitalisieren?

Rund 19 Milliarden Dollar flossen 2015 weltweit in FinTech Startups - fast 60 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr. Die jungen Unternehmen treiben die Digitalisierung voran, erobern Marktanteile und werden von den etablieren Branchenführern – Versicherern und Banken - als Konkurrenz wahrgenommen.

Doch die FinTechs selbst sehen sich in einem anderen Licht – nämlich als Partner. 86 Prozent der jungen Firmen setzen nicht auf Konfrontation, sondern auf Kooperation mit den Branchenführern. Sie sehen die klassischen Dienstleister durchaus im Vorteil: 78 Prozent erhoffen sich Zugang zu einer breiten Kundenbasis wenn sie mit Banken und Versicherungen zusammenarbeiten (siehe Grafik - Quelle: Roland Berger). Das sind Ergebnisse der neuen Studie „FinTechs in Europe - Challenger and Partner" von Roland Berger (www.rolandberger.com).

„FinTechs schätzen ihre Rolle auf dem Markt realistisch ein: Sie verändern die Finanzindustrie, können aber nicht im Alleingang eine Revolution einläuten", sagt Martin Krause-Ablass (Foto: Roland Berger) von Roland Berger. „Für Banken und Versicherungen ergeben sich durch Kooperationen mit FinTechs wiederum Chancen, die eigene digitale Transformation voranzutreiben. Digitalisierung beginnt im Kopf - hier kommt es vor allem auf die richtige Mentalität an. Die skizzierten Änderungsprozesse sind schmerzhaft, aber angesichts neuer Wettbewerber unvermeidlich." Demnach rechnen die befragten Jungunternehmer mehrheitlich damit, dass Banken und Versicherungen mit Übernahmen auf die neue Konkurrenz reagieren.

Laut Studie erachten FinTechs das Vertrauen der Kunden (71 Prozent) als wichtigsten Faktor für den Erfolg in der Finanzbranche. Und genau in diesem Punkt sehen sie eine Stärke bei den etablierten Dienstleistern. „Die krisenbehafteten Jahre haben ihre Spuren hinterlassen, dennoch bleiben die klassischen Anbieter nach wie vor erste Anlaufstelle für viele Firmen und Privatkunden", kommentiert Wolfgang Hach (Foto: Roland Berger) von Roland Berger.

Nicht überraschend: FinTechs sind nicht davon überzeugt, dass etablierte Wettbewerber für einen digitalen Wandel bereit sind. Nur 15 Prozent erkennen hier gute Voraussetzungen bei Banken - bei Versicherungen sind es 14 Prozent. 95 Prozent sind der Meinung, über umfangreichere digitale Kompetenzen zu verfügen als klassische Dienstleister. Auch bei anderen wichtigen Kriterien wie der Transparenz von Angeboten und dem Komfort von Services wähnen sich FinTechs im Vorteil.

Darüber hinausgehen 91 Prozent der jungen Unternehmen davon aus, die Bedürfnisse ihrer Kundschaft sehr gut bedienen zu können. Bereiche, in denen Banken und Versicherer stark aufgestellt sind, wie finanzielle Ressourcen oder die Bekanntheit ihrer Marken, spielen für FinTechs hingegen eine untergeordnete Rolle. Fast drei Viertel meinen, dass umfassende Kenntnisse über regulatorische Rahmenbedingungen keine große Bedeutung für den Firmenerfolg haben, positionieren sie sich doch überwiegend in bisher weniger regulierten Bereichen. Ein Fehler? „Junge Unternehmen sollten regulatorische Aspekte aber auf keinen Fall unterschätzen. Hier sind die traditionellen Anbieter klar im Vorteil", sagt Wolfgang Hach.

Für die Studienteilnehmer versprechen die Segmente Investi-tionen und Asset Management (55 Prozent), Zahlungsverkehr (54 Prozent) und Crowdfunding (52 Prozent) das größte Wachstumspotenzial. Zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit einem starken Marktwachstum in ihrem jeweiligen Bereich, wobei Anbieter von Crowdfunding- und Crypto/Blockchain-Lösungen am optimistischsten sind.

Diese Länder und Marktsegmente lieben FinTechs
B2B-Angebote sind die Spezialität der Startups, doch auch das Interesse am Privatkunden-Geschäft wächst. „Europäische FinTechs fokussieren sich überwiegend auf neue Lösungen an einem Punkt der Wertschöpfungskette. Mehrheitlich operieren sie nur in einem Markt, planen aber in den kommenden Jahren in neue Länder zu expandieren", sagt Martin Krause-Ablass.

Deutschland dagegen sei nicht die erste Wahl. Bei der Standortwahl achten FinTechs in erster Linie auf die gute Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Danach folgen die Aufgeschlossenheit der Regulierungsbehörden sowie starke Netzwerke und Investoren vor Ort. Beliebte Länder sind deshalb Großbritannien, Irland und Frankreich. "Starre Regulierung und eine überschaubare Investorenlandschaft verhindern ein besseres Abschneiden von Deutschland im europäischen Vergleich", fasst Wolfgang Hach zusammen. "FinTechs finden hierzulande genügend vielversprechende Talente. Um sie und damit Innovationen zu fördern, sind klare Vorgaben der Regulatoren notwendig." (ml / www.bocquel-news.de)

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