16. März 2006 - Schnelle Erkenntnisse zum Zahlungsverhalten einer Firma ermöglicht das neue Tool EASY, das die Coface (www.coface.de) in Kooperation mit der Creditreform (www.creditreform.de) entwickelte.
Die Coface, weltweit einer der führenden Kreditversicherer und Anbieter von Lösungen im Forderungs- und Risikomanagement, setzt auf das neue Tool EASY. Der Kreditversicherer hat in Kooperation mit der Creditreform, dem größten Anbieter von Wirtschaftsauskünften und Inkassodienstleistungen aus einer Hand, EASY als neues Tool entwickelt, um damit die Einführung und Vergabe einer weltweit einheitlichen Firmen-Identifikationsnummer zu installieren. Damit wäre zeitnah größere Transparenz möglich, wenn es um das Zahlungsverhalten vom Firmen geht. "EASY ist als erstes System in der Lage, internationale Firmen-Identifikationsnummern mit bereits vorhandenen Landesfirmen-Identifikationsnummern-Systemen abzugleichen", erläutert Stefan Brauel (Foto links), Vorstandsmitglied der Coface Deutschland. Unternehmen, Kreditinstitute, Finanzdienstleister und andere international tätige Player müssen ihre Geschäftspartner weltweit identifizieren. Darum pflegen sie Firmendatenbanken verschiedener Kundengruppen wie Exporteure, Importeure, multinationale
Unternehmen, internationale Institutionen und Banken.Wie wichtig eine solche Zuordnung und Identifikationsnummer aber Staatsgrenzen hinaus ist, zeigen die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung des Instituts für Unternehmensdiagnose (InDiag) der Fachhochschule Bochum und des Vereins für Credit Management (VfCM), Neuss, mit dem Thema "Erfolgsfaktoren der Forderungs-Realisation in der Unternehmenspraxis". Es wurde deutlich, dass sich der Kunde aus Sicht der Gläubiger einer überlegenen Verhandlungsposition erfreut. "Er sollte dies häufiger zum Verhandlungs-Gegenstand machen", rät Professor Bernd Weiß (Foto rechts), Leiter des InDiag. Das Team von Prof. Weiß und der VfCM haben 1.500 Unternehmen zu ihrem Zahlungsverhalten befragt und die Ergebnisse in der empirischen Studie zusammengefasst. Dabei wurde deutlich, dass der Kunde meist die für ihn vorteilhaften Konditionen durchsetzen kann, was die Zahlungsbedingungen anbelangt.
Bei der Befragung kristallisierte sich heraus, dass Vorauszahlungen in der Praxis heutzutage so gut wie nicht vor kommen; Lastschrift-Verfahren werden selten angewandt, und Skonto wird auch dann klaglos gewährt, wenn das Zahlungsziel schon längst überschritten ist. Aus der Studie geht beispielsweise auch hervor, dass Gläubiger oft lange Zahlungsziele und Lieferanten-Kredite einräumen – und das ohne Absicherungen. So muss nur knapp ein Drittel der Befragten vor der Gewährung von Lieferanten-Krediten über Sicherheiten verhandeln. Dabei können Lieferanten sicher sein, dass Firmenkunden hinreichende Erfahrungen mit der Einräumung von Sicherheiten haben.
Das Besondere an der Herangehensweise in der empirischen Studie: "Erfolgsfaktoren der Forderungs-Realisation in der Unternehmenspraxis" war: Erstmals wurden das Kreditoren-Management und die Zahlungs-Motivation aus Sicht der Schuldner untersucht. Hintergrund: Der so genannte Lieferanten-Kredit – sprich das Zahlungsziel, welches ein Lieferant seinem Kunden einräumt - ist für viele Unternehmen heute ein unentbehrliches Finanzierungs-Instrument. Die Experten für Unternehmensdiagnose aus Bochum fragten: Wie wirkt sich diese Entwicklung auf das Zahlungsverhalten der Schuldner aus? Und haben Gläubiger auf die veränderte Situation schon reagiert? Die Ergebnisse der ausgewerteten Fragebögen lassen klare Rückschlüsse zu.
Erhebliche Verzögerungen sind möglich
In der Regel – so die Antwort der Befragten – bezahlen die Unternehmen ihre Rechnungen innerhalb der gewährten Frist. In einigen Fällen kommt es allerdings zu erheblichen Verzögerungen. Mit welchen Mahn- und Inkasso-Maßnahmen die Firmenkunden in solchen Fällen konfrontiert werden, war eine der Fragen.
Danach werden 81 Prozent zunächst mit einer freundlichen Zahlungs-Erinnerung angeschrieben. An zweiter Stelle kommt das telefonische Mahnen. Drastische Maßnahmen wie Lieferstopp oder Einschaltung eines Rechtsanwaltes erleben die wenigsten Schuldner. "Die Praxis der Forderungs-Realisation ist sehr stark durch die klassische schriftliche Mahnung geprägt. Es ist den Gläubigern zu empfehlen, auch andere, innovative Instrumente zu entwickeln", empfiehlt Weiß.
Bedeutung der Wirtschaftsauskunft im Zahlungsverkehr
Ein straffes Forderungs-Management des Gläubigers wird beispielsweise von zwei Drittel der Befragten als wenig oder gar nicht kritisch bewertet. Auch die Nutzung von Factoring durch den Gläubiger sehen die wenigsten Firmenkunden als problematisch an. Wichtig ist für die Befragten dagegen, dass ihr Zahlungs-Verhalten in der Wirtschafts-Auskunft weiter positiv bewertet wird. Bei 79 Prozent der befragten Unternehmen spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle bei ihrer Zahlungsmotivation. "Damit wird die Bedeutung der Wirtschaftsauskunft im Geschäftsverkehr deutlich", so Weiß.
Bei den Reklamations-Gründen für Rechnungen gaben 31 Prozent der befragten Unternehmen eine falsche Adresse oder Firmierung an. Diese kleine Ursache habe oft die große Wirkung, dass sie bei Unternehmen Zahlungseingänge zum Teil deutlich verzögert und so die Liquidität stark einschränkt. Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den Erfahrungen des Inkassodienstleisters Creditreform. "Wir stellen bei Schuldnern immer wieder ein ausgeprägtes Problem-Bewusstsein fest, wenn wir sie wegen offenen Forderungen kontaktieren. Ein straffes Forderungs-Management inklusive Telefon-Inkasso und Factoring stößt daher nicht auf Ablehnung, sondern wird eher als Indiz für ein professionelles Geschäftsgebaren gewertet. Dabei spielt sicher auch der langfristige Blick auf den Inhalt der Wirtschaftsauskunft eine Rolle", so Michael Bretz (Foto) von Creditreform.Die Liquiditäts-Frage und das Zahlungsverhalten eines Unternehmens könnte nach Auskunft der Experten durch das neue System EASY (Enterprise Access System) schnell geklärt werden. Mit EASY wird die Einführung und Vergabe einer weltweit einheitlichen Firmen-Identifikationsnummer möglich und sorgt so für Transparenz. Das neue Tool wurde im Rahmen einer Kooperation zwischen Coface und Creditreform entwickelt. Zwar gebe es in Europa in einigen Ländern bereits staatlich gesteuerte Systeme zur Vergabe von Erkennungsnummern für Unternehme, heißt es in einer Unternehmens-Mitteilung, doch seien sie nicht aufeinander abgestimmt. Auch deshalb kommt es in vielen Datenbanken von Unternehmen zu fehlerhaften Datensätzen und unnötigen Doppeladressen.
Für alle im Firmen- und Geschäftskundenbereich tätigen Unternehmen bietet EASY künftig Zugriff auf ein aktuelles System, welches nach Einschätzung der Anbieter "den kommenden Standard bei weltweiten Firmenidentifikationsnummern" bietet. Die EASY ID-Nummer ermöglicht auch, Unternehmens-Datenbestände mit unterschiedlichen nationalen ID-Nummern (zum Beispiel Crefo-Nr. od. Coface-Ident-Nr.) zu prüfen und abzugleichen.
Kreditversicherer verfügen über große Datenbestände
Ein großer und aktueller Datenbestand ist der "Schatz der Kreditversicherer". Deren Datenbestand ist meist noch wesentlich umfangreicher als zum Beispiel der von Großbanken. Hintergrund ist hier die starke Vernetzung der Kreditversicherer und die große Nähe zum Kunden sowie den Kunden seiner Kunden. Deshalb sagt Stefan Brauel: "Als Kreditversicherer wissen wir, wie wichtig es für Unternehmen ist, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Daher empfehlen wir immer wieder bestimmte Teile des Debitoren-Managements auszulagern." Eine Kreditversicherung könne vor unerwarteten Forderungsausfällen schützen und die Liquidität sichern. Ebenso könne Factoring in Zeiten von Basel II als Standbein alternativer Unternehmensfinanzierung genutzt werden. Auch ergänze der Forderungseinzug durch Inkasso die Wertschöpfungskette im Debitorenmanagement. (db)
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