22. Dezember 2005 - "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", frohlockt Udo Jürgens in einem seiner größten Hits. Leichter gesungen, als real; davon können vor allem Frauen ein Lied singen: Ohne Moos ist nix los.
Probleme mit der Rente! Die Altersversorgung und das Altersvorsorge-Problem speziell für Frauen brennen auf den Nägeln. "Frauen haben leider noch immer weniger Gehalt als Männer in gleicher Position. Das führt zu geringeren Rentenansprüchen, die noch zusätzlich durch Kindererziehungszeiten geschmälert werden – und wenn alles zusammenkommt auch noch lange Ausbildungszeiten", weiß Elke Scholz-Krause (Foto), die sich im Jahr 2001 in das bundesweite Netzwerk der FinanzFachFrauen (www.finanzfachfrauen.de) einklinkte. Sie hört nicht auf, darauf hinzuweisen, dass bei vielen Frauen die Rente vorn und hinten nicht ausreicht. In der heutigen Zeit, in der 45 Prozent der Bundesbürgerinnen im arbeitfähigen Alter täglich einem Beruf nachgehen, liegen rund 80 Prozent der Frauen-Altersrenten noch immer unter 600 Euro monatlich. Die vielen berufstätigen Frauen verdienen obendrein nur 10 Prozent der Einkommenssummen hierzulande. Und Frauen, die morgen oder übermorgen in Rente gehen, werden laut ihrer Benachrichtigung des "Deutschen Rentenversicherung Bund" (www.drv-bund.de) – vormals BfA – auch nicht mit größeren Geldsummen gesegnet sein."Man muss keine fanatische und blaustrümpfige Emanze sein, wenn einem die Vorurteile und althergebrachten Sprüche, dass Frauen nicht mit Geld umgehen können, oder dass bei Frauen ein Interesse an Geld seit Generationen verpönt ist, aufregen", ereifert sich die 56-jährige Verlagsangestellte Irmtraud Riegel aus Dresden.
Offensichtlich rief die Problematik die unterschiedlichen Gruppierungen gestandener Finanzdienstleisterinnen auf den Plan, die sich – wie Svea Kuschel (www.svea-kuschel.de) nun schon seit nahezu zwanzig Jahren – darum kümmern, von Frau zu Frau die passenden Vorsorge-Konzepte zu entwickeln und anzubieten. Keine dummen Sprüche oder reißerische Rendite-Predigten führten sie zum Erfolg, sondern Einfühlungsvermögen und fachliche Kompetenz. Svea Kuschel (mit Geschäftspartnerinnen im Foto ganz rechts), die für sich in Anspruch nehmen darf, die Frau der ersten Stunde in Sachen Finanzdienstleistung für Frauen zu sein, betont: "Frauen haben tatsächlich das Bedürfnis, von Frauen beraten zu werden. Frauen können sich besser in die Lebenssituation anderer Frauen hineindenken, die Sprache ist identisch."Der Einsatz wird anerkannt. Inzwischen akzeptieren und unterstützen auch Banken und Versicherer, Investmentfonds-Gesellschaften und Vermögensverwalter die Aktivitäten der FinanzFachFrauen (www.finanzfachfrauen.de) und Finanz-Expertinnen (www.finanzexpertinnen.de), die in bundesweiten Netzwerken mit wachsendem Erfolg von ihren Geschlechtsgenossinnen in Finanzdingen und Altersversorgung um Rat gefragt werden.
"Spezialisiert habe ich mich nicht auf Altersvorsorge-Produkte für Frauen, sondern meine Spezialisierung zielte geradewegs auf die Beratung für Frauen in Sachen Altersvorsorge, Geldanlage – eigentlich ganz allgemein auf die Betreuung in Finanzangelegenheiten", erklärt Elke Scholz-Krause, die im Raum Frankfurt als Versicherungs-Maklerin mit ihrem Betrieb ESK Cityfinanz GmbH tätig ist. Im Jahr 2004 war sie eine der ersten, die das Examen zur "geprüften Fachkauffrau für betriebliche Altersvorsorge (IHK), absolvierte. Betriebliche Altervorsorge (bAV) gerade auch für Frauen ein großes Thema. Zum Netzwerk der FinanzFachFrauen gehört Frau Scholz-Krause seit dem Jahr 2001.
Kein SpezialrezeptEs deckt sich voll mit ihren Erfahrungen im Umgang mit Kundinnen, dass Frauen einen tatsächlichen Bedarf an der Beratung von Frau zu Frau haben: "Viele Kundinnen bestätigen mir, dass sie bereits häufig in Risiko- und Vorsorge-Fragen von Männern beraten wurden und damit schlicht unzufrieden waren." Sie hätten sich bewusst eine Beraterin gesucht, denn Männer könnten sich nicht so gut in die "Erwerbsbiographie" einer Frau hineinversetzen. Fragt man die FinanzFachFrau nach einem Spezial-Konzept für "Frauen-Altersvorsorge", winkt sie ab: "Die Produkte müssen auf die Frauen abgestimmt werden. Nicht der Produktverkauf steht am Anfang, sondern die Beratung, aus der dann die passenden Produkte gesucht werden, die auf die Wünsche und Vorstellung der Kundin passen."
Auch Susanne Kazemieh (Foto) sieht das so. Mit ihrem Unternehmens-Team "Frauenfinanzgruppe" in Hamburg, das selbstredend auch zum FinanzFachFrauen-Netzwerk gehört, berät sie vornehmlich Frauen, doch auch Männer gehören zu ihrer Klientel. "Wir sind die ersten Frauen in Deutschland, die ein Beratungskonzept für Frauen entwickelt haben." In dem Bündnis sind Expertinnen für Versicherung, Kapitalanlagen, Finanzierungen und Immobilien. Jede von ihnen ist in ihrer Arbeit wirtschaftlich unabhängig von Banken, Versicherungs- und Kapitalanlage-Gesellschaften."
Spezielle "Frauen-Produkte"
Gibt es denn auch spezielle "Frauen-Produkte", die für die Altersvorsorge prädestiniert sind. Elke Scholz-Krause berichtet von einer so genannten aufgeschobenen privaten Renten-Versicherung, die 1998 von den FinanzFachFrauen mit einem großen deutschen Versicherer aufgelegt wurde. Eine private Renten-Versicherung, deutsche oder auch britische Anbieter gehören nach ihrem Verständnis sicherlich zum wichtigen Bestandteil, denn diese sichern eine lebenslange Rente. Doch ebenso wichtig sei ein weiterer Baustein – etwa eine flexible Geldanlage (Fonds oder Ähnliches), da hier Kapital angespart wird, dass zum Renten-Beginn flexibel eingesetzt werden kann. Spezielle Frauen-Produkte fallen hier niemandem spontan ein.
Susanne Kazemieh will aber beispielsweise ihren Kunden bewusst nicht nur private Renten-Versicherungen anbieten. Nach Alternativen oder dem so genannten Königsweg für die ideale Altersvorsorge für Frauen gefragt, sagt die Mutter von drei Kindern: "Es gibt keine Pauschal-Empfehlung. Ein gutes Beratungsgespräch erwähnt aber in jedem Fall auch die Möglichkeit von Fondssparplänen!"
Gleiches berichten auch die Finanzexpertinnen mit eigenen Firmen und Makler-Büros in ganz Deutschland, die dem gleichnamigen Verbund mit der Vorsitzenden Dr. Mechthild Upgang (Foto) angehören. Dr. Upgang betont, dass zu einem wirksamen Vorsorge-Konzept für Frauen neben Versicherungen möglichst auch andere Geldanlage-Formen ausgewählt werden sollten. Sie und ihre Kolleginnen sind längst fit in der Beratung für Investmentfonds, geschlossene Fonds, Sachwertanlagen, Immobilien sowie Hedge Fonds und Private Equity.Angesichts der Informationen fragt sich Irmtraud Riegel aus Dresden, ob es eine echte berechtigte Begründung für die Frauen-Power in Sachen Altersvorsorge gibt? Die Antwort gibt Susanne Kazemieh: "Frauen setzen eher auf Sicherheit als auf Profit." Ihre Aussage deckt sich mit dem Ergebnis einer Untersuchung der Fondsgesellschaft Union Investment (www.unioninvest.de), die besagt, dass 46 Prozent der befragten Frauen eine Anlage schon dann als riskant ansehen, wenn ein möglicher Verlust ins Feld geführt wird. Bei den Männern lassen sich 8 Prozent weniger von dieser Information abschrecken. Susanne Kazemieh hat allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass Frauen risikobereiter werden, wenn sie Gelegenheit haben, sich mit dem Anlage-Thema intensiver auseinander zu setzen. "Auf jeden Fall gehen Frauen aber auch verantwortungsbewusster mit Geld um."
Mit 50 noch in die Altersvorsorge starten?
Funktioniert es eigentlich noch, wenn eine Über-50-Jährige ihre Rente aufbessern möchte? Oder ist für Frauen, die auf die 60 zugehen, in Sachen zusätzlicher und ergänzender Altersvorsorge alles zu spät, will Irmtraud Riegel schließlich wissen? Dazu Elke Scholz-Krause: "Es stellt sich weniger die Frage, ob es sich für eine Frau über 50 noch lohnt, Altersvorsorge zu betreiben, sondern meist ist es absolut notwendig, aus den eben bekannten Gründen." Viele Frauen sind angesichts ihrer BfA-Renten-Bescheide schockiert, wie niedrig ihre Rente ist. Ab dem Alter 50 muss dann einfach mehr gespart werden, um die Lücke zu füllen, als wenn man bereits in jüngeren Jahren damit begonnen hätte.
Irmtraud Riegel weiß nun Bescheid. Sie wird sich umsehen und ein Beratungsgespräch von Frau zu Frau suchen. FinanzFachFrauen und Finanz-Expertinnen sind bundesweit vertreten. Nötigenfalls findet sie im Internet die passenden Anschriften und eine echte Perspektive für ihr lebenswertes Leben nach dem Motto "When I'm sixty five!". (eb)
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