22. August 2013 - Die Besitzverhältnisse bei der Heidelberger Leben ändern sich. Der Finanzinvestor Cinven und die Hannover Rück, viertgrößter Rückversicherer weltweit, erwerben den Versicherer für zusammen 300 Millionen Euro. Die Zustimmung der BaFin steht noch aus.
In der englischen Presse wurde der bevorstehenden Verkauf der Heidelberger Lebensversicherung AG (www.heidelberger-leben.de) angekündigt. Das seit 2009 zur Lloyds Banking Group (www.lloydsbankinggroup.com) gehörende Unternehmen mit seiner Hauptverwaltung im baden-württembergischen Heidelberg sollte demnach für - inzwischen bekanntgewordene - 300 Millionen Euro veräußert werden. Die Hannover Rück SE (www.hannover-rueck.de) ließ dazu verlauten, es werde sich „um eine indirekte Finanzbeteiligung handeln, deren Minoritäts-Anteil einen zweistelligen Millionen Euro-Beitrag nicht übersteigen wird!".
Selbstbewusst gibt sich die Heidelberger Lebensversicherung AG: Das vor mehr als zwei Jahrzehnten als MLP Lebensversicherung AG gegründete Unternehmern, das 2005 zunächst von der börsennotierten Halifax Bank of Scotland (www.halifax.co.uk) übernommen wurde, will unabhängig von allen Verkaufs- und Übernahme-Plänen 2012 seine definierte Wachstumsstrategie fortsetzen. Demnach legt die Heidelberger Leben den Fokus weiter verstärkt auf die Bestandspflege von Kunden und Hauptvertriebspartnern. Darüber hinaus habe sie ihr Geschäftsmodell erweitert und zur Konsolidierungs-Plattform für Lebensversicherungs-Portfolios im deutschen Markt gemacht. Die Umsetzung dieser Strategie werde durch die neuen Gesellschafter, den Finanzinvestor Cinven (www.cinven.com) sowie die Hannover Rück, unterstützt, heißt es bei der Heidelberger Leben.
Gesellschafterstruktur der Heidelberger ändert sich
Die Gesellschafterstruktur der Heidelberger ändert sich entsprechend: die Lloyds Banking Group hat demnach 80 Prozent der Heidelberger Leben-Anteile an die führende europäische Private Equity-Gesellschaft Cinven veräußert. Weitere 20 Prozent der Anteile gehen an die Hannover Rück. Lloyds veräußere die Heidelberger Leben, weil sich der britische Finanzdienstleister im Rahmen seiner kommunizierten Strategie auf seine Kernaktivitäten vor allem im britischen Markt fokussiere.
Inzwischen meldet die Nachrichtenagentur Reuters (http://de.reuters.com), dass der Investor Cinven in Deutschland groß in das Geschäft mit Lebensversicherungen einsteigen wolle. Nach der am Mittwoch verkündeten Übernahme der Heidelberger Leben halte Cinven weiter Ausschau nach weiteren Beständen von Lebensversicherungs-Policen.
Die mit fondsgebundenen Policen groß gewordene Heidelberger Leben solle nun ihr ohnehin schleppendes Neugeschäft - 2012 waren es 41 Millionen Euro - zurückfahren und stattdessen weitere Bestände von Lebensversicherern kaufen, die keine neuen Kunden annehmen oder ihr Neugeschäft einstellen.
Stetige Provisionseinnahmen ohne Risiko für den Lebensversicherer
Wie Cinven gegenüber Reuters mitteilte, verspreche gerade ein Bestand von fondsgebundenen Lebensversicherungen langfristige stetige Provisionseinnahmen von den Fondsanbietern - ohne das Kapitalmarkt-Risiko, das Lebensversicherer normalerweise zu tragen haben. "Die neuen Anteilseigner unterstützen die Zukunftspläne der Heidelberger Leben mit zusätzlichem Kapital", heißt es dazu bei der Heidelberger Leben. 25 Millionen Euro sollen demnach als erstes in den Ausbau der Informationstechnik (IT) fließen. Cinven verfolge damit eine ähnliche Strategie wie zuvor in Großbritannien, denn dort hatte die Beteiligungsgesellschaft im Jahr 2011 den Altersvorsorge-Anbieter Guardian Financial Services vom niederländischen Versicherer Aegon übernommen und den Bestand wenige Monate mit der Übernahme von Pensionsplänen der Phoenix deutlich erweitert.
Mehrere LV-Unternehmen stellten ihr Neugeschäft ein
Im Rückblick auf die vergangenen Jahre haben den Angaben zufolge mehr als ein halbes Dutzend der über 100 Lebensversicherer in Deutschland ihr Neugeschäft eingestellt. Reuters nennt dazu konkrete Fakten: Die Victoria Leben (www.victoria.de), die in der Ergo Leben (www.ergo.de) aufgegangen ist, sowie die deutsche Tochter der Delta Lloyd (www.delta-lloyd.de) (Hamburger Leben, Berlinische Leben) und die LV-Auffanggesellschaft Protektor (www.protektor-ag.de), die den Bestand der in Schieflage geratenen Mannheimer Leben übernommen hatten, gehören dazu. Noch allerdings steht die Zustimmung der deutschen Finanzaufsicht BaFin (www.bafin.de) für den Deal samt Übernahme aus. Sie pocht stets auf eine sichere finanzielle Basis.
Der vor einem Jahr zu Heidelberger Leben gekommene Vorstands-Chef Michael Sattler (Foto: Heidelberger Leben) (bitte das Foto möglich nicht mehr verkleinern + bitte auf die rechte Seite des Textes stellen) will weiter Chef in Heidelberg bleiben. Neuer Aufsichtsrats-Chef soll nach dem Abschluss der Transaktion der frühere Huk-Coburg-Chef und GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen werden. Außerdem werde auch die Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister MLP (www.mlp.de) fortgesetzt. Die Heidelberger Leben sieht eigenen Angaben zufolge jetzt die Möglichkeit für zusätzliches Wachstum über den Ausbau des Bestands durch die Akquisition weiterer Lebensversicherungs-Portfolios statt der vorrangigen Zeichnung von Neugeschäft.
300.000 Kunden mit 600.000 Policen
Reuters meldet weiter, dass die Heidelberger Leben noch 300.000 Kunden mit 600.000 Policen habe. Im Jahr 2012 soll der Versicherer 28 Millionen Euro Gewinn gemacht habe. Mit knapp 300 Mitarbeitern verwaltet die Heidelberger Leben zurzeit ein Vermögen (Stand 31. Dezember 2012) von mehr als 5,2 Milliarden Euro. (eb / www.bocquel-news.de)
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