logo
logo

Namen und Nachrichten

BaFin macht Fonds dicht

20. Juni 2005 - Die Aufsichtsbehörde (www.bafin.de) stoppt den Deutschen Vermögensfonds I. Bei den offiziell von Politikern initiierten Fonds werden auch Personen der Göttinger Gruppe (www.goettinger-gruppe) genannt.

FINANZtest hatte bereits 2004 vor dem spekulativen Fonds gewarnt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat jetzt dem Deutschen Vermögensfonds I (MSF Master Star Fund Deutsche Vermögensfonds I AG & Co. KG) und dessen Komplementärin, der DPM Deutsche Portfolio Management AG, beide Braunschweig, das Finanzkommissionsgeschäft untersagt. Zur sofortigen Abwicklung des Fonds setzte die BaFin den Hamburger Rechtsanwalt Henningsmeier ein. Der Anwalt soll zunächst die Höhe der Anlegeransprüche ermitteln und feststellen, wie viel Vermögen beim Fonds noch vorhanden ist. Derzeit prüft er die Buchhaltung und die Vermögensverhältnisse der beteiligten Unternehmen.

Alter Wein in neuen Schläuchen
Insider beobachteten schon länger, wie der Göttinger-Gruppe-Vorstand Jürgen Rinnewitz und die "Vertriebsgröße mit Gefängnis-Vergangenheit" Michael Turgut, Lenker des Finanzvertriebs Futura Finanz, die Gesellschaften Deutschen Vermögensfonds I und DPM Deutsche Portfolio Management AG über angesehene Politiker wie Ex-Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, den früheren Berliner Senator Walter Rasch und die drei ehemaligen Staatssekretäre Helmut Holl, Wighard Härdtl und Andreas Butz öffentlich machten. Anlegern "jeder Einkommensklasse" wurden die Produkte als "ergänzende Altersvorsorge" empfohlen. Das Konzept kam vielen bekannt vor. "Alten Wein in neuen Schläuchen" schienen die prozessfreudigen Herren aus Göttingen und Hof (mit neuen Standorten in Berlin und Braunschweig) anzubieten.

Die BaFin hat jetzt die Abwicklung angeordnet. Bei dem Fonds handelt es sich aus Sicht von FINANZtest eher um ein Zockerangebot als um eine sichere Anlage für die "private Zusatzvorsorge". Deshalb hatte FINANZtest den Deutschen Vermögensfonds I bereits auf die FINANZtest-Warnliste gesetzt. Rupert Scholz hatte sich kurz nach der Veröffentlichung des Bericht aus dem Projekt verabschiedet. Seine Begründung: Arbeitsüberlastung.

Kein tragfähiges Umstellungs-Konzept
Die BaFin besteht auf der Abwicklung des Fonds, weil die Verantwortlichen nach Darstellung der Behörde trotz großzügig gesetzter Fristen kein tragfähiges Abwicklungs- und Umstellungs-Konzept vorgelegt haben. Trotz eindeutiger Vorgaben seien keine hinreichenden Angaben gemacht worden, wie die Ansprüche ausstiegswilliger Anleger unverzüglich hätten erfüllt werden können. Um die Interessen der Anleger zu schützen, seien solche Regelungen aber unverzichtbarer Bestandteil von Umstellungskonzepten, erklärte ein Bafin-Sprecher. Die Verfügungen der BaFin sind von Gesetzes wegen sofort vollziehbar, jedoch noch nicht bestandskräftig.

Wieder Beteiligungs-Verträge
Der Vermögensfonds warb seit März 2004 um Anleger für das als Kommanditbeteiligung konzipierte Anlageprodukt. Der Fonds schloss mit Anlegern Beteiligungs-Verträge mit einer Laufzeit von zehn bis 30 Jahren ab. Die Anleger beteiligten sich über die Treuhandkommanditistin Germanicum Beteiligungstreuhand GmbH in München mit Einmaleinlagen oder Ratenzahlungen am Deutschen Vermögensfonds I. Das Anlegergeld sollte in Immobilien, Wertpapiere, "alternative Investments" wie Hedgefonds und in "Private Equity", also in junge, nicht an der Börse notierte Unternehmen fließen. Dabei besaß der Deutsche Vermögensfonds I und die Deutsche Portfolio Management AG nicht die Erlaubnis der Aufsicht, die für die Investition von Anlegergeld in Investmentfondsanteile oder in Unternehmensbeteiligungen erforderlich ist.

Im Bereich Private Equity plante der Fonds, satte 18 Millionen Euro in den Aufbau eines neuen Finanzvertriebs namens Invictum (unbesiegbar) zu investieren. Gerade Investitionen in Finanzfirmen sind jedoch sehr riskant und können leicht schief gehen. Weitere 22,5 Millionen Euro sollten größtenteils für die Vermittlung der Fondsanteile an die Futura Finanz AG in Hof für Provisionen draufgehen. Wie FINANZtest mitteilt, steht diese Firma wegen ihrer "unsauberen Vermittlungsmethoden" ebenfalls auf ihrer Warnliste.

Auch Germanicum muss abwickeln
Weil die Germanicum als Treuhandkommanditistin in die unerlaubt betriebenen Finanzkommissionsgeschäfte des Vermögensfonds mit einbezogen wurde, untersagte die BaFin der Germanicum, Anlagegelder aus den Fondsgeschäften entgegenzunehmen und ordnete auch hier die unverzügliche Abwicklung an.

7.000 Anleger müssen geschützt werden
Der Deutsche Vermögensfonds, die DPM Deutsche Portfolio Management AG sowie die Germanicum können jedoch noch vor Gericht ziehen und die Aussetzung des Vollzugs beantragen. Der Fonds hat für heute, Montag, eine Pressekonferenz angekündigt. Aus seiner Sicht liegen keine verbotenen Geschäfte vor. Man will "alles Erdenkliche für die rund 7 000 Anleger unternehmen, um diese schützen".

zurück

Achtung Copyright: Die Inhalte von bocquel-news.de sind nach dem Urheberrecht für journalistische Texte geschützt. Die Artikel sind ausschließlich zur persönlichen Lektüre und Information bestimmt. Abdrucke und Weiterverwendung - beispielsweise zum kommerziellen Gebrauch auf einer anderen Homepage / Website oder Druckstücken - sind nur nach persönlicher Rücksprache mit der Redaktion (info@bocquel-news.de) gestattet.