20. Oktober 2014 - Trotz wachsender Furcht vor der Altersarmutsfalle sorgen die Bundesbürger immer weniger vor. Altersvorsorgeexperten beim GDV in Berlin fordern mehr staatliche Anreize für die Privatvorsorge. Beginnen sollte man mit Freibeträgen für die Riester-Rente.
Die zunehmende Altersarmut in Deutschland lässt Viele an ihrer eigenen Alterssicherung zweifeln. Fast 60 Prozent fürchten, dass sie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. Dennoch stagniert die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Damit sich dies ändert, braucht es dringend neue Impulse, heißt es beim GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherer (www.gdv.de). „Wir fordern seit längerem, Freibeträge für die Riester-Rente zu schaffen. Denn Eigenvorsorge muss sich auch für die lohnen, die im Alter trotz aller Anstrengungen auf Hilfen vom Staat angewiesen sind", sagt der Altersvorsorgeexperte des GDV, Dr. Peter Schwark (Foto: GDV).
Altersarmut sei in Deutschland erfreulicherweise noch immer vergleichsweise selten, heißt es beim Branchenverband in Berlin. Für die Betroffenen sei es gleichwohl sehr belastend, trotz aller Anstrengungen auf staatliche Hilfen angewiesen zu sein: Rund 465.000 Frauen und Männer, die älter als 65 Jahre sind, können ihren Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren und beziehen daher Leistungen der Grundsicherung im Alter. Im Vergleich zu 2007 ist dies ein Zuwachs um fast ein Fünftel.
Niedrigerer Lebensstandard im Alter
Den Rentnern von morgen und übermorgen mache diese Entwicklung zwar Sorgen, zu verstärkter Eigenvorsorge motiviert der Trend aber nur Wenige: Umfrageergebnisse des GDV von 2013 zeigen, dass sich die Mehrheit (55 Prozent) der 30- bis 59-Jährigen auf einen niedrigeren Lebensstandard im Alter einstellt. Gleichzeitig sinkt bereits seit längerem die Bereitschaft zur privaten Vorsorge: Wollten 2001 noch 45 Prozent der Befragten „einiges" für ihr Alter zurücklegen, sagen dies gut zehn Jahre später nur noch 24 Prozent.
Das nachlassende Engagement für die private Vorsorge spiegelt sich laut GDV nicht nur in Umfrageergebnissen, sondern auch statistischen Fakten wider. So sei die Zahl der staatlich geförderten Riester-Verträge nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums (www.bmas.de) seit 2011 nur noch um rund 4 Prozent auf aktuell (Stand 1. Halbjahr 2014) knapp 16 Millionen gestiegen, Tendenz stagnierend.
Beim „Riestern" fehlt der Schwung
Dennoch führe zur Vermeidung von Altersarmut kein Weg an privater Altersvorsorge vorbei - und zwar auch bei anhaltend niedrigen Zinsen. Sagen GDV-Experten. Die Vorsorgeanstrengungen müssten eher noch größer werden. Dabei sollte der Staat stärker unterstützen: Um „Riester" neuen Schwung zu geben, wäre eine Dynamisierung der Förderung sicherlich sinnvoll - die Zulagen sind immerhin seit 2008 unverändert, betont Schwark.
Verbesserung der Förderbedingung für Geringverdiener
Besonders wichtig wäre allerdings eine Verbesserung der Förder- beziehungsweise Rentenbedingungen für Geringverdiener. Sie würden zwar in der Ansparphase von einer hohen Förder-Quote profitieren - da viele Erwerbstätige mit Anspruch auf Arbeitslosengeld II (sogenannte Aufstocker) faktisch gar kein eigenes Geld in ihre Altersvorsorge investieren müssten; auf der anderen Seite würden private Renten nach wie vor vollständig auf die Grundsicherung angerechnet.
Hinzu kommt laut GDV, dass viele Geringverdiener ihre Einkommens- und Rentenperspektiven zu pessimistisch einschätzen: Forscher des Max-Planck-Instituts stellten demnach fest, dass es 35 Prozent der Bürger in Deutschland für wahrscheinlich halten, im Alter auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen zu sein. Tatsächlich sparten die Befragten aus der Gruppe der „Pessimisten" weniger als Haushalte mit optimistischeren Zukunftserwartungen - damit drohe die Furcht vor Altersarmut zu realer Altersarmut zu werden, so die Wissenschaftler.
Diese „Anreizfalle" ließe sich durch die Einführung von Freibeträgen zumindest entschärfen, ist man sich beim GDV sicher. Wer davon ausgehen könnte, in jedem Fall von einer privaten Altersvorsorge zu profitieren, würde auch eher einen Vorsorge-Vertrag abschließen und so der Altersarmut vorbeugen. (-el / www.bocquel-news.de)
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