3. März 2011 - Die Beitragseinnahmen der Allianz der Deutschland AG in der Schaden- und Unfallversicherung stagnierten 2010 - auf eine „rote Null". Im Lebensversicherungs-Geschäft sei die Zurückhaltung spürbar. Trotzdem sei man um ein Viertel stärker gewachsen als der Markt.
„Wir sind um ein Viertel stärker gewachsen als der Markt, konnten also Marktanteile hinzugewinnen", verkündete der Vorstand der Allianz der Deutschland AG (www.allianzdeutschland.de) heute während ihrer Bilanz-Pressekonferenz in München. Die Euphorie, die die Manager an den Tag legten, empfanden die Journalisten als brüchig, denn längst nicht überall in den Allianz Gesellschaften hierzulande herrschte im Geschäftsjahr 2010 eitel Sonnenschein.
So ging beispielsweise der Umsatz in Kraftfahrt ging zurück. Die Stückzahl der Allianz Kfz-Versicherungs-Verträge ging bis Ende 2010 um 300.000 Policen (ohne Mofa/Mopeds) zurück. Danach rutschte der frühere Marktführer im deutschen Markt hinter die Huk-Coburg (www.huk.de) auf Rang 2. Dennoch sieht Dr. Markus Rieß (Foto), Vorsitzender des Vorstands der Allianz Deutland AG, für die Abwerberunde 2010 eine signifikante Verbesserung. Vor allem mit dem Kfz-Versicherungsgeschäft über das Internet mit 400.000 Neuverträgen Ende vergangenen Jahres sei man hochzufrieden.
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Allianz Marktposition Kfz-Versicherung |
2009 |
2010 |
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Anzahl Policen |
8,464 Millionen |
8,164 Millionen |
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Anzahl Verträge |
14,857 Millionen |
14,305 Millionen |
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Prämien-Volumen |
3,306 Milliarden € |
3,133 Milliarden € |
„Wir haben in diesem Bereich eine ‚rote Null' erreicht", sagte Dr. Rieß. „Für das laufende Geschäftsjahr streben wir eine Schaden-Kosten-Quote von unter 100 Prozent an." Derzeit liegt die Combined Ratio (Schaden-Kosten-Quote) bei 100,8 Prozent für die Schadenversicherungs-Sparten.
In dem Geschäft lag der Schadenaufwand des Jahres 2009 leicht unter Vorjahresniveau, ergänzte der Allianz-Deutschland-Chef. Der gesamte Aufwand für Schäden in der Schaden- und Unfallversicherung sei trotz überdurchschnittlich vieler frostbedingter Leitungswasserschäden ebenfalls leicht unter Vorjahresniveau. Aus der Abwicklung von Schäden aus den Vorjahren habe sich ein Verlust in Höhe von 57 (Vorjahr plus 56) Millionen Euro ergeben.
Außerdem seien die Umlagen des Pensionssicherungsvereins gestiegen.
Innovative Vertriebsformate
In innovative Vertriebsformate habe die Allianz Deutschland AG kräftig investiert und vermehrt neue Mitarbeiter im Vertrieb eingestellt. Diese Entwicklungen hätten insgesamt zu einem Anstieg der Schaden-Kosten-Quote geführt, die das Verhältnis von Kosten und Schadenaufwand zu den verdienten Beiträgen in der Schaden- und Unfallversicherung abbildet. Sie erhöhte sich in der internationalen Rechnungslegung von 95,6 auf 98,7 Prozent. „Unser konsequentes Schadenmanagement wird 2010 zu einer niedrigeren Schaden-Kosten-Quote führen, sofern die Aufwendungen für Großschäden und Naturkatastrophen das Niveau des Jahres 2009 nicht wesentlich übersteigen", betonte Rupprecht. Der Sturm „Xynthia" werde mit etwa 90.000 Schadenfällen einen Aufwand von zirka 90 Millionen Euro verursachen.
2011 Umsatz um 6,9 Prozent gesteigert
Insgesamt habe die Allianz Deutschland AG in einem schwierigen Marktumfeld ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr deutlich um 6,9 Prozent auf 27,7 (Vj. 26,0) Milliarden Euro auf Basis vorläufiger Zahlen gesteigert und damit Marktanteile hinzugewonnen. Dazu trug habe vor allem die sehr gute Entwicklung in der Lebensversicherung bei.
Dr. Maximilian Zimmerer, Mitglied des Vorstands der Allianz Deutschland AG und Chef der Allianz Lebensversicherungs-AG, zeigte Schlaglichter aus dem Allianz-Leben-Geschäftsjahr 2010 auf. „Wir sind um ein Viertel stärker gewachsen als der Markt, konnten also Marktanteile hinzugewinnen." Gemessen an den Beitragseinnahmen kommt unser Unternehmen auf einen Marktanteil von über 15 Prozent. Dabei hat die Allianz vor allem ihre unangefochtene Stellung als der führende Lebensversicherer in Deutschland weiter ausgebaut. "Gerade in diesen schwierigen Zeiten vertrauen unsere Kunden auf unsere Finanzkraft und jahrzehntelange Erfahrung", sagte Dr. Zimmerer. Die Eigenmittel-Quoten liegen laut Dr. Rupprecht bei den Versicherungstöchtern weit über den aufsichtsrechtlichen Vorgaben, zum Beispiel in der Lebensversicherung bei 247 Prozent. Dort habe der Versicherer seine Bewertungsreserven auf 10,3 Milliarden Euro gesteigert.
Deutliches Plus bei den Beitragseinnahmen der Lebensversicherung
In der Lebensversicherung der Allianz hätten die Beitragseinnahmen um 11,6 Prozent auf 15,0 (13,5) Milliarden Euro zugelegt. Sie hätten damit deutlich den positiven Markttrend übertroffen, der von hohem Wachstum des Geschäfts gegen Einmalbeitrag geprägt war. „Nachgefragt wurden vor allem Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag, Kapitalisierungs-Produkte und das Vorsorgekonzept IndexSelect, das sich auch im zweiten Jahr nach der Markteinführung sehr gut verkaufte", sagte Dr. Zimmerer. Die Neubeiträge dieses innovativen Produkts, bei dem der Kunde jedes Jahr zwischen einer Beteiligung am Aktienindex ohne Verlustrisiko und der Überschussbeteiligung frei wählen kann, sind mit 63,2 Prozent noch stärker als die der Kapitallebensversicherung (plus 14,5 Prozent) gewachsen.
Leichtes Wachstum in der Krankenversicherung
Die Ergebnisse der Allianz Private Krankenversicherung AG wurden heute am Vormittag ebenfalls präsentiert. Man habe bei den Beitragseinnahmen um 1,8 Prozent auf 3,2 (Vj. 3,1) Milliarden Euro zugelegt. Neben notwendigen Beitragsanpassungen aufgrund gestiegener Kosten im Gesundheitswesen gehe das Wachstum auf die Verkaufserfolge in der Vollversicherung zum Jahresende 2008 zurück. Viele Kunden hätten damals noch die Möglichkeit genutzt, sich zu günstigeren Tarifen privat zu versichern, bevor die Regelungen zur Mitnahme persönlicher Alterungsrückstellungen im Rahmen des Wettbewerbsstärkungsgesetzes in der gesetzlichen Krankenversicherung in Kraft traten.
Die Allianz-Manager hätten auch festgestellt, dass gesetzlich Versicherte vermehrt Zusatzversicherungen abschlossen, wozu auch die Kooperation mit der KKH-Allianz beigetragen habe. Insgesamt waren Ende vergangenen Jahres 2,4 Millionen Personen bei der Allianz krankenversichert, 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Neu eingerichtetes Bankgeschäft
Erfolgreich sei das neu eingerichtete Bankgeschäft gestartet. Es bestehe aus der im April 2009 in die Allianz Unternehmensgruppe eingebrachten OLB Oldenburgischen Landesbank AG (www.olb.de) mit ihrer im Juni gleichen Jahres gegründeten Zweigniederlassung Allianz Bank. Die operativen Erträge des Bankgeschäfts betrugen den Angaben zufolge 283 Millionen Euro und stammen überwiegend aus dem Zinsüberschuss in Höhe von 206 Millionen Euro. Dazu habe im Wesentlichen das organisch wachsende Kreditgeschäft im traditionellen Geschäftsgebiet der OLB beigetragen. Der Provisionsüberschuss von 74 Millionen Euro sei insbesondere mit Erträgen aus dem Wertpapiergeschäft erzielt worden.
„Vorausschauende Anlagepolitik hat sich ausgezahlt"
Die sicherheitsorientierte und an langfristigen Zeiträumen ausgerichtete Anlagepolitik der Allianz Deutschland AG mit dem Ziel, bei begrenztem Risiko eine möglichst hohe Rendite zu erreichen, habe sich ausgezahlt, machte Dr. Rieß deutlich. Das Unternehmen habe von der Erholung an den Kapitalmärkten profitiert; die Abschreibungen seien deutlich geringer aus als im Vorjahr ausgefallen. Zudem habe der Versicherer weniger Gewinne realisiert und seine Bewertungsreserven gesteigert. Den Angaben zufolge legte die Allianz beim Kapitalanlagenergebnis um 10,9 Prozent auf 8,3 (Vj. 7,4) Milliarden Euro zu. Der Bestand an Kapitalanlagen sei um 15,5 Prozent von 170,8 auf 197,2 Milliarden Euro gewachsen.
Basis für weiteres Wachstum gelegt
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Dr. Zimmerer nicht mit wesentlichen Wachstumsimpulsen aus der konjunkturellen Entwicklung. Insbesondere in der Autoversicherung sei keine Trendumkehr zu erwarten. Chancen sieht Dr. Zimmerer dagegen in der Lebensversicherung als sichere Form der Altersvorsorge, insbesondere im Geschäft gegen laufenden Beitrag. Das Geschäft gegen Einmalbeiträge hänge dagegen auch davon ab, inwieweit die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank anhalte. In der Krankenversicherung erwartet man bei der Allianz erneut einen zunehmenden Umsatz. Die private Krankenversicherung bleibe eine unverzichtbare Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung, da dort nach wie vor Maßnahmen fehlten, dem demografischen Wandel wirksam zu begegnen. Das Bankgeschäft werde moderat wachsen. Starke Impulse für die Geschäftsentwicklung erwartet Dr. Rieß von der im September beginnenden Kooperation mit der Commerzbank (www.commerzbank.de).
Operatives Ergebnis liegt über Vorjahreswerten
„Das operative Ergebnis und der Jahresüberschuss für 2010 dürften über dem des Vorjahres liegen", ergänzte Dr. Rieß. Intern habe die Allianz Deutschland AG nach der jetzt abgeschlossenen Neuordnung ihre Basis für künftiges Wachstum ausgebaut. Die Aufnahme des Bankgeschäfts unter der Marke Allianz werde die umfassende Produktpalette vervollständigen. Ein spartenübergreifendes Marktmanagement unterstütze diesen Ansatz mit einer ganzheitlichen Kundenansprache und der Entwicklung und Vermarktung spartenübergreifender, am Bedarf der verschiedenen Kundenzielgruppen ausgerichteter Produkte.
Mehr als 19 Millionen Kunden
Um den steigenden Kundenansprüchen noch besser gerecht zu werden, hat die Allianz Deutschland AG eigenen Angaben zufolge in Ausbildung und Qualität ihres Vertriebs investiert. "Wir haben in den letzten Jahren unsere gesamte Organisation stärker denn je auf unsere mehr als 19 Millionen Kunden ausgerichtet, die harte Zeit der Umstrukturierung liegt hinter uns", so Dr. Rieß. "Jetzt können sich die Kräfte entfalten."
Allianz-Vertreter haben das neue Jahr mit guten Verkaufszahlen begonnen
Insgesamt sei man bei der Allianz zuversichtlich: Die Vertreter hätten das neue Jahr mit guten Verkaufszahlen begonnen: Die ersten Zahlen im privaten Sachversicherungsgeschäft - allerdings nicht im Autobereich - seien erfreulich. In Leben laufe das Geschäft gegen Einmalbeitrag nach wie vor gut. Die Wiederanlage von Leistungen aus abgelaufenen Verträgen sei über 50 Prozent gesteigert worden. „Der Vertrieb von Lebensversicherungen über die Banken ist hervorragend gestartet", sagten die Allianz-Manager. In der Krankenversicherung habe sich die Vollversicherung bisher positiv entwickelt. Dagegen bleibe der Verkauf von Fonds und Bankprodukten noch hinter den Erwartungen zurück.
„Die harte Zeit der Umstrukturierung liegt hinter uns. Wir haben drei Jahre gepflügt, zwei Jahre gesät, jetzt wollen wir ernten", machte der Allianz Vorstand deutlich. (eb / www.bocquel-news.de)
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