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Konzepte und Kriterien

Aktueller BU-Test grob fahrlässig und leichtsinnig

8. Juli 2013 - Der Test von 75 Berufsunfähigkeits-Versicherungstarifen (BU) in der Juli-Ausgabe von „Finanztest" schlägt weiter hohe Wellen. BU-Analyse-Spezialist Michael Franke kritisiert und nennt Fakten. „Finanztest" hält mit Stellungnahme dagegen.

Der aktuelle Test von 75 Berufsunfähigkeits-Versicherungstarife (BU) in der Verbraucherzeitschrift „Finanztest" (www.test.de) Ausgabe 7/2013 ist Stein des Anstoßes etlicher kritischer Kommentare. Der Bericht hat für ungewöhnlich großen Unmut unter Versicherungsmaklern geführt ("Versicherungsmakler: dilettantischer BU-Test"). Beim Analysehaus Franke und Bornberg (www.franke-bornberg.de) wurde der Test analysiert. Dabei sei man auf fachliche Mängel und problematische Anreize in der Preisgestaltung gestoßen. Michael Franke, der gemeinsam mit Katrin Bornberg die Geschäftsführung des Analysehauses Franke und Bornberg GmbH verantwortet, gilt durch sein bereits 1995 veröffentlichtes Produkt-Rating für BU-Versicherungen hierzulande als Pionier für Produkt-Analysen auf Basis der Versicherungsbedingungen. Aktuell kritisieren Franke und Bornberg den BU-Test im Juli-Heft von Finanztest. Die Finanztest-Redaktion kontert und gibt eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Franke und Bornberg GmbH ab.

Michael Franke „Der aktuelle Test der Stiftung Warentest zu Berufsunfähigkeits - Versicherungen zeigt fachliche Mängel und setzt erneut problematische Anreize", sagt Michael Franke (Foto), der gemeinsam mit Katrin Bornberg die Geschäftsführung des Analysehauses Franke und Bornberg GmbH verantwortet. „Problematische Anreize in der Preisgestaltung, problematische Ratschläge und indiskutable fachliche Mängel. Dieser Test schafft nicht die erforderliche Transparenz. So wird verunsichert", lautet Frankes Fazit. „Die Tester setzen Anreize für ‚Lockvogel-Angebote', indem sie die Spreizung zwischen Netto- und Bruttobeiträgen nicht bewerten und so den nicht unwahrscheinlichen Wegfall von Überschüssen nicht berücksichtigen." Gerade in der BU sei jedoch die langfristige Verlässlichkeit ein wichtiges Qualitäts-Kriterium. Das gelte auch für die Einteilung der Berufe in sogenannte Berufsgruppen.

 

Grob fahrlässig
Die vorgenommene Beitrags-Analyse sei grob fahrlässig. Sie lasse keine Rückschlüsse auf das Preisgefüge eines Versicherers zu. Während ein Industriemechaniker bei einem Anbieter, der mehrfach im Test positiv herausgestellt wird, für 471 Euro im Jahr versichert ist, wird der sehr ähnliche Beruf des Mechatronikers bei der gleichen Gesellschaft mit 1.033 Euro angesetzt. Hier läge der Anbieter deutlich hinten. „Die im Test vorgenommene Auswahl der Musterkunden geht an der Lebenswirklichkeit vorbei", so Franke.

 

Ratschläge teilweise leichtsinnig
„Die Ratschläge für günstige Beiträge sind teilweise sowohl für Arbeitnehmer als auch Selbständige leichtsinnig. Es fehlen Hinweise darauf, Einsteiger-Tarife zu nutzen oder verlängerte Leistungsdauern zu vereinbaren, um Prämien zu sparen", prangert Franke an. Wie vorgeschlagen am Leistungsschutz zu sparen, sei für den besprochenen Musterkunden genau der falsche Rat. Und für Selbständige sei eine günstige BU mit abstrakter Verweisung wesentlich sinnvoller - als die im Test vorgeschlagene Erwerbsunfähigkeits-Versicherung. Laut Michael Franke werden die problematischen Test-Ratschläge dadurch ergänzt, dass die in der Praxis schwerwiegenden Folgen von Anzeigenpflicht-Verletzungen (beispielsweise falsche Berufsangaben) nicht vollständig thematisiert würden.

 

Zu oberflächlich vorgegangen
Die fachlichen Mängel bestünden in der Selektion und unzureichenden Differenzierung der Kriterien. „Hier wurde zu oberflächlich vorgegangen." Lebensnahe Veränderungen, wie Elternzeit, Regelungen bei Zahlungsschwierigkeiten oder auch ein vorübergehendes Ausscheiden aus dem Beruf würden nicht berücksichtigt.

 

Michael Franke: „Die Analyse des Tests zeigt, dass sowohl die fachliche Sorgfalt als auch die notwendige Tiefe der Untersuchung fehlt. Ihre Wirkung in der Öffentlichkeit ist deutlich größer als das Test-Design rechtfertigt." Für einige der fachlichen Mängel beziehungsweise problematischen Ratschläge der Tester stünden Versicherungsmakler wahrscheinlich in der Haftung.

 

Michael Franke und Katrin Bornberg hatten bereits Ende Januar dieses Jahres eine ausführliche Zusammenfassung der aktuellen Situation in der Berufsunfähigkeits-Versicherung veröffentlicht und auf aktuelle Probleme hingewiesen. (eb / www.bocquel-news.de)

Zahlreiche Kriterien bewertet
Der Test von Berufsunfähigkeits-Versicherungen soll Kunden eine Orientierung geben bei der Auswahl einer Berufsunfähigkeitspolice. Um sicherzustellen, dass Verbraucher nach dem Test der Stiftung Warentest Policen mit guten Bedingungen erhalten, werden zahlreiche Kriterien in die Bewertung einbezogen. Die wichtigsten davon sind erläutert in der Rubrik  („So haben wir getestet").

 

Das Test-Design hat die Stiftung Warentest eigenen Angaben zufolge wie in jedem Jahr mit Verbraucherschützern, Versicherungsmaklern, Professoren und auch Experten der Branche diskutiert und daraus das Untersuchungsprogramm entwickelt.

 

Keine gravierenden Auffälligkeiten
Kritisiert wurde in den letzten Tagen, dass die Stiftung Warentest bei der Bewertung entscheidende Kriterien nicht berücksichtigen würde. Die relevanten der als fehlend beanstandeten Prüfpunkte wurden in der Untersuchung ebenfalls überprüft. Im Ergebnis gab es hierbei aber keine gravierenden Auffälligkeiten.

 

Darüber hinaus wurden die in Frage stehenden Punkte nicht als weitere Prüfkriterien in die Bewertung aufgenommen, da die Stiftung Warentest diese im Vergleich zu den herangezogenen Prüfkriterien als zu speziell oder weniger wichtig erachtet im Hinblick auf ein mögliches Existenzrisiko des Versicherten bei Berufsunfähigkeit. Daher finden diese Punkte auch keine Erwähnung im Text. Trotzdem gilt: Hätte die Stiftung Warentest bei der Prüfung dieser Punkte gravierende Nachteile oder Auffälligkeiten für viele Kunden gefunden, so hätte sie darüber (.....) berichtet. Dem war aber nicht so.

 

Individuelle Überprüfung per Checkliste
„Wer eine Berufsunfähigkeits-Versicherung abschließen möchte, kann sich beruhigt an dem aktuellen Test orientieren und eine erste Auswahl treffen", heißt es in der Stellungnahme weiter.

 

Für eine individuellere Überprüfung stellt die Stiftung Warentest zudem eine regelmäßig aktualisierte „Checkliste zum Testen von Vertragsangeboten der Berufsunfähigkeitsversicherung" bereit.

 

Statt Checkliste kostenpflichtiger Klick
„Der Schutz gegen die finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit ist wichtig. Und er ist kompliziert", heißt es in der Stellungnahme der Tester der Stiftung Warentest. Die Checkliste würde in Ergänzung zu den jeweils aktuellen Finanztest-Ergebnissen zur Berufsunfähigkeits­Versicherung helfen, den richtigen Vertrag zu finden.


Schutz mit Abstrichen
Kritisiert wurde von einigen Maklern, dass die Stiftung Warentest Kunden mit wenig Geld empfiehlt, über einen Schutz mit Abstrichen, insbesondere eine verkürzte Vertragslaufzeit nachzudenken: Der Artikel betont mehrfach, dass eine optimale Absicherung mit einer Laufzeit bis zum Renteneintritt von 67 Jahren, einer ausreichend hohen Rente und sehr guten Bedingungen erste Wahl ist.

 

Kann sich jemand die hohen Beiträge aber nicht leisten, gibt es Möglichkeiten mit Abstrichen, den Schutz doch noch bezahlbar zu machen. Wer die Laufzeit des Vertrags nur bis zum 60. Lebensjahr vereinbart, muss die Lücke mit anderen Finanzquellen füllen können. Auch diese Aussage enthält der Artikel. Sei es, dass der Partner einspringt oder jemand privat Vermögen angespart hat. Ebenso können Kunden auch zwei Verträge abschließen, die unterschiedliche Laufzeiten haben. (eb / www.bocquel-news.de)

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