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"Bei der D&O-Versicherung muss sich einiges ändern"

26. Januar 2012 - Den Besonderheiten der Manager-Haftpflichversicherung (D&O) war der Tag Nummer 2 beim 14. Euroforum Jahrestagung 2012 in Hamburg gewidmet. Die Forderung nach einem Schadenkodex und die Akzeptanz von D&O-Pools bestimmten weite Teile der Diskussionen.

Die Manager-Haftpflichtversicherung ist seit nahezu dreißig Jahren auf dem deutschen Markt zu haben. Die Prämien sind seit langem „im Keller", doch die Regulierungskosten steigen stetig. Im zweiten Teil der 14. Euroforum Jahrestagung 2012 „Haftpflicht" drehte sich alles um die D&O-Versicherungen, wie die Manager-Haftpflicht in der Fachwelt heißt. Die alljährliche Haftpflicht-Tagung in Hamburg wurde ihrem Anspruch als viel beachteter Branchen-Treff gerecht, auch wenn abschließend keine Einigkeit in der Vielfalt der Meinungen erzielt werden konnte. Eines wurde immer wieder betont: „Bei der D&O muss sich einiges ändern!"

Diederik Sutorius Diederik Sutorius (Foto), Geschäftsführer der VOV GmbH (www.vovgmbh.de) verlieh in seinem Fachbeitrag „Claim Governance in der D&O Versicherung" die Forderung nach einem D&O-Schadenkodex Nachruck. Der gebürtige Holländer, der zu d e n D&O-Experten hierzulande gehört, sprach vom „Sprengstoff" im Schadenfall. Mit einem entsprechenden Schadenkodex könnte beispielsweise der zeitlichen Regulierungs-Rahmen eingegrenzt werden, was unbedingt erforderlich sei. Sutorius sprach davon, dass sich bewusst sei, dass der Kodex einem Versprechen gleichzusetzen sei. Das erwecke große Erwartungen. Die ganze Branche könnte an Reputation verlieren, wenn man diesen Erwartungen nicht gerecht werden könnte.

David Jiménez Wie geht es dem D&O-Markt?
Zur Lage des D&O-Marktes gibt José David Jiménez (Foto) aktuell seine Einschätzung ab. „Acht Jahre soft market und kein Ende in Sicht - ganz so ist es nicht", sagt der Manager Chubb Specialty Insurance (CSI) Germany & Northern Europe, der sich in die Diskussion beim Haftpflicht-Euroforum einmischte. Jiménez ist bereits seit 1998 in Düsseldorf für die Chubb Insurance Company of Europe SE (www.chubb.com/de) tätig. Für die bocquel-news fasst er Rückschau und Ausblick 2012 der D&O-Versicherung in Deutschland und Österreich zusammen: „Es ist bereits viel geschrieben worden über die Schizophrenie des D&O-Marktes", betont Jiménez.

 

„Auf der einen Seite steht eine Vielzahl von Großschäden sowie eine Frequenz geneigte Schadenentwicklung  - resultierend aus der Wirtschaftskrise, die dann doch vorerst nur eine Finanz(markt)krise wurde. Dies geht einher mit erhöhten Regulierungskosten aufgrund steigender Anwaltshonorare und Komplexität der Schäden. Dieser Trend hat sich in der Rückschau auf das abgeschlossene Kalenderjahr weiter verstärkt.

 

Andererseits sehen wir einen nicht enden wollenden Verdrängungswettbewerb unter den Versicherern, verbunden mit vermeintlich unerschöpflicher Kapazität auf historisch niedrigem Prämienniveau. Immerhin haben wir im Jahre 2011 feststellen können, dass der D&O-Markt hinsichtlich der Preisentwicklung vermutlich den Bodensatz erreicht hat; es scheint, dass bei den Marktteilnehmern allmählich Einsicht einkehrt.

 

Wie lässt sich ein solches widersprüchliches Marktverhalten erklären? Ganz einfach: Die erodierenden versicherungstechnischen Ergebnisse nicht weniger D&O-Versicherer werden durch satte Auflösungen der Spätschadenreserven getarnt - andernfalls wäre diese Sparte bei vielen Anbietern längst verlustbringend.

 

Mit Blick auf die vage volkswirtschaftliche Lage, den äußerst volatilen Kapitalmärkten, der fortwährenden Kreditkrise und den permanenten Haftungsverschärfungen für Organmitglieder juristischer Personen durch den Gesetzesgeber und die Rechtsprechung ist zu erahnen, dass auch 2012 ein spannendes Jahr wird.

 

Wir erwarten eine Übergangsperiode, in der sich die Anbieter sehr uneinheitlich verhalten werden: Einige, finanzstarke Player werden weiterhin von ihren Reserven zehren und nur punktuell Prämienanpassungen anstreben. Andere werden ihre Strategie gänzlich überdenken und deutliche Beitragserhöhungen über das gesamte Portfolio vollziehen oder sich von bestimmten Segmenten verabschieden - spätestens wenn diese Versicherer den Forderungen gemäß Solvency II gerecht werden müssen.

 

Wir gehen für das Jahr 2012 von einer positiven Preisentwicklung  über den Gesamtbestand aus - getrieben durch spürbare Prämienerhöhungen bei schadenbelasteten Verträgen sowie besonders exponierten Risiken im Finanzdienstleistungssektor.

 

Bedingungsseitig rechnen wir mit einer Marktberuhigung. Neue Wordings sollten wohl durchdacht werden, denn nach fast zehn Jahren stetiger Bedingungsverbesserungen läuft man Gefahr, Erwartungen zu wecken, die eine D&O-Versicherung im Ernstfall nicht befriedigen kann.

 

Seit über 30 Jahren entwickeln wir in Deutschland innovative Versicherungslösungen für Manager und Unternehmen in allen Industriesegmenten und Branchen. Insbesondere im Bereich der kleineren und mittleren Kapitalgesellschaften (KMU) sind wir marktführend und bieten Deckungsschutz der höchsten Qualität zu äußerst attraktiven Prämien.

 

Im Bereich der Finanzdienstleister haben wir eine besondere Sachkenntnis und offerieren Banken, Versicherungen und anderen Financial Institutions durch ein spezialisiertes Team individuelle und branchenspezifische Lösungen.

 

Mit dieser Expertise und unserem ausgezeichneten Schadenmanagement begleiten wir Sie partnerschaftlich durch die letzte Phase des weichen Marktes und stehen als finanzstarker und zuverlässiger Versicherer an Ihrer Seite."

Bei Lloyd's, Versicherungsmakler mit Sitz in London, bediene sich bereits eines entsprechenden Regelwerks. Ansonsten sei die Regulierung von Schadenfällen, bei denen die D&O-Versicherung greift, langwierig.

In jüngster Vergangenheit war immer öfter von D&O-Versicherungsfällen berichtet worden, wenn Top-Managern Fehlern unterlaufen sind, die meist immense finanzielle Schaden im Unternehmen auslösten. Das Geschäft brummt - aber auch die Schäden, die den Managerhaftpflichtversicherern gemeldet werden. Das Dilemma: Die Anbieter liefern sich eine heftige Preisschlacht. „Wir beobachten derzeit eine erhöhte Frequenz an Schäden sowie eine Erhöhung der eingeforderten Summen und gehen davon aus, dass das so weitergehen wird", heißt es in der Fachwelt. Es werde häufig die Langfristigkeit einer D&O-Versicherung unterschätzt. Allein an den gemeldeten Ansprüchen aus Schäden der vergangenen drei Jahre werde deutlich, dass die Versicherer die Regulierung erst in den kommenden fünf Jahren vollständig abarbeiten können.

Gleichzeitig macht sich in den Unternehmen und ihren Chef-Etagen Verunsicherung breit. D&O-Fälle, die vor dem Kadi landen, stehen für langwierige Verhandlungen, die dann im Endeffekt häufig in einem Vergleich enden. Oft verlieren die Betroffenen bei den Auseinandersetzungen vor Gericht und dem ganzen Drumherum den Durchblick. So sei die Frage nach Transparenz das Gebot der Stunde.

Dr. Alexander Mahnke Firmen sollten sich bewusst sein, dass die Interessen im Schadenfall auseinander driften, sagte Dr. Alexander Mahnke (Foto), Chef der Siemens Financial Services GmbH (http://finance.siemens.com) anschließend. Vor Vertragsbeginn sollte deshalb mit dem Versicherer über das Procedere im Schadenfalls eine Abstimmung erfolgen. Wichtig sei: Klarheit über Umfang und Leistungsfähigkeit des D&O-Programms vor Eintritt des Versicherungsfalls bei Vertretern des Unternehmens herbeizuführen. Die versicherten Personen sollten möglicherweise einen Praxisleitfaden beziehungsweise „gezielte Schulungen" erhalten. "Schulungen" könnte sich Dr. Mahnke vorstellen

  • für die Haftungsfragen im Unternehmen eingeschalteter Anwälte,
  • für die zur Verteidigung der versicherten Personen eingeschalteten Anwälte,
  • insgesamt oder nur für die Schadenabwicklung eingeschalteten Maklern,
  • für Deckungsstreitigkeiten eingeschaltete Anwälte.

Daniel MessmerAus dem großen Spektrum wurden schließlich auch die D&O-Facilities, Prämien, Policen und Bedingungserweiterungen in einer Podiumsdiskussion thematisiert. Daniel Messmer (Foto), der bei der Swiss Re Germany AG (www.swissre.com) Leiter Vermögensschadenhaftpflicht ist, hält die Facilities inzwischen für einen Fluch der ursprünglich segensreichen Modifizierung. Bei den Bedingungserweiterungen würde er gern die Erstversicherer in ihre Schranken weisen. Bei den Prämien falle ihm der Ausspruch ein: die Kanibalen sind unter uns!

Markus English
Holger Mardfeldt
Michael Hendricks
Markus English (Foto oben), Financial Lines Manager bei der Ace (www.aceeurope.de) sagte in seinem Statement: "Facilities können eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten sein, wenn sie gut gemacht sind. Doch der Teufel steckt im Detail."

Holger Mardfeldt (Foto Mitte), Mitglied der Holding des Versicherungskontors Martens & Prahl (www.martens-prahl.de), sagte: „Eine D&O-Police ist kein Wanderpokal." Drum prüfe, wer sich ( ewig?) bindet. Für Mardfeldt gehören D&O-Policen in die Betreuung von Profis und erntete dafür viel Applaus vom Fachpublikum im vollbesetzten Saal. Ob für die D&O unklare Bedingungselemente hilfreich seien, bleibe dahingestellt.

Michael Hendricks (Foto unten), Geschäftsführer von Hendricks & Co (www.hendricks.eu.com) richtete den Schwerpunkt seines Diskussionsbeitrages auf die Umsetzung von D&O-Facilities. Seinbe Botschaften lauteten: „Facilities zielen auf Kontinuität bestmöglicher Versicherungsbedingungen, nicht jedoch auf ‚Großhandelspreise' oder unverantwortliche Preisstabilität." Nach Hendricks Meinung verfehlen Prämienreduktionen zumeist die Interessen der Kunden. Priorität habe immer die Qualität des Wordings. „Wir kündigen unseren Kunden heute schon an, dass sich die D&O-Prämien demnächst verdoppeln werden. Das schockiert niemanden", sagte der anerkannte D&O-Spezialists.

Die Bedeutung der D&O-Versicherung ist mittlerweile auch Unternehmen jenseits das DAX bewusst. Auch mittelständische Betriebe suchen D&O-Deckungen für ihre Führungskräfte in der Unternehmensspitze. In diesem Zusammen kam Hendricks auf die D&O-Pools zu sprechen, bei denen Makler die ähnlich gelagerten D&O-Risiken kleinerer Unternehmen sammeln und bei einem einzigen Versicherer platzieren. Hendricks hatte kürzlich rund 1.800 D&O-Policen mittelständischer Unternehmen Firmen gebündelt und bei der Chubb Insurance Company of Europe SE (www.chubb.com/de) untergebracht. Hendricks soll für seinen D&O-Pool circa 35 Prozent der Prämien für Provisionen und Dienstleistungsgebühren bekommen haben. Die Schaden-Quote bezifferte der Spezialmakler Hendricks auch mit 35 Prozent.

Es sei weiter mit steigenden Kosten und einer möglichen Verdoppelung der Schäden zu rechnen, sagte Hendricks. "Das habe ich meinen Kunden schon 2011 erklärt."

Zündstoff sah der Versicherungs-Chef von Siemens, Dr. Mahnke in der Konstruktion der D&O-Pools, weil die Manager-Haftpflicht ein hochkomplexes Produkte sei. Der Pool von D&O-Policen käme dem Versuch gleich, aus einem dreidimensionalen Thema ein eindimensionales zu machen. "D&O ist keine Gruppenunfallversicherung oder Kfz-Haftpflichtdeckung." (eb-db / www.bocquel-news.de)

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