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Konzepte und Kriterien

Stagnierende PKV "bei vorerst positiver Aussicht"

1. Dezember 2011 - Rund 8,86 Millionen Menschen hierzulande waren zum Jahresende 2010 in der PKV vollversichert - bei einem Bestandszuwachs von etwa 84.500 Personen. Im neuen map-report Nr.786-788 „Bilanzanalyse: Private Krankenversicherung 1999 - 2010" steht mehr dazu.

Manfred Poweleit Die Bilanzen der privaten Krankenversicherer, die Mitglied im Verband der privaten Krankenversicherungen e.V. (www.pkv.de) sind, hat der Fachjournalist und Versicherungs-Experte Manfred Poweleit (Foto) unter die Lupe genommen. Mit dem neuen map-report Nr.786-788 (www.map-report.de) erstellte er Analysen für den Zeitraum vom 1999 bis 2010. Danach büßten zehn der 33 untersuchten privaten Krankenversicherern - wenn auch geringe - Marktanteile ein. Poweleit machte die Rechnung auf, dass rund 8,86 Millionen Bundesbürger zum Jahresende 2010 in der PKV vollversichert waren. Das Bestandszuwachs gibt er mit etwa 84.500 Personen an. „Unter den gegebenen Umständen ist das eine beachtliche Leistung", sagt Versicherungs-Experte Poweleit. Wenn man die Sondereffekte für 2009 vernachlässigen würde, liege diese Kennzahl in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. „Für Beobachter der Branche wird es immer schwieriger, den Überblick über Entwicklungen zu behalten und umfassend zu analysieren", kommentiert Manfred Poweleit die Arbeit der aktuellen PKV-Bilanz-Analyse.

Die Beitragseinnahmen der PKV-Unternehmen legten laut Poweleit um 5,6 Prozent auf 33,051 Milliarden Euro zu. Er benennt dabei ein Problem: Wie in den Vorjahren beruht das Beitragswachstum vor allem auf Beitragsanpassungen. Ein weiteres Problem sieht Poweleit darin: Rund ein Drittel der Gesellschaften konnte die Bestandsverluste in der Vollversicherung nicht durch Neuabschlüsse kompensieren.

map-report PKV


Einige Unternehmen - wie beispielsweise die DKV (www.dkv.de) - trotz Fusion mit der Victoria, die Allianz (www.allianz.de), die Barmenia (www.barmenia.de) und die Inter (www.inter.de) kämpfen laut map-report bereits seit mehreren Jahren vergeblich gegen den Kundenschwund. Zwar würden Angaben zum Neugeschäft in den Geschäftsberichten häufig nicht veröffentlicht, doch ließen Bestandsverluste auf ein geringes Neugeschäft schließen. Im weiteren Verlauf erinnert Poweleit an die 2011 in der bisherigen Geschichte der deutschen Sozialversicherung einmalige Absenkung der Versicherungs-Pflicht-Grenze, die den privaten Krankenversicherern Neukunden bescherte.

Wer ist die Größte im ganzen Land?
2010 war es soweit: Durch die Fusion mit der Victoria wurde die DKV wieder zur größten privaten Krankenversicherung Deutschlands. Zumindest dann, wenn die Beitragseinnahmen als Berechnungsbasis dienen. Wie immer bei Fusionen wurden alle Werte der DKV und Victoria für die Jahre vor 2010 addiert. Dadurch entsteht zwar einerseits der Eindruck, die DKV wäre auch im den Vorjahren der Branchenprimus in Sachen Größe gewesen, aber um Ausreißer zu vermeiden und aus Gründen der Vergleichbarkeit gehen wir diesen Weg seit jeher. Bis einschließlich 2009 hielt die Debeka die Spitzenposition. Und auf die Frage, wann die Koblenzer wieder an der Spitze stehen, lautet die Antwort: 2011, eventuell erst 2012.

„Gepaart mit der Rückführung der 3-Jahres-Wartefrist für den Wechsel von der GKV (gesetzliche Krankenkasse) zur PKV könnte das laufende Geschäftsjahr die Stagnation der Vorjahre überwinden", vermutet Poweleit. Allerdings habe ein ärgerliches und zunehmend ernstes Problem mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) Einzug in die PKV gehalten: Die Nichtzahler. Etwa 88.500 dauerhafte (mindestes sechs Monate Beitragsverzug) und zu allem Überfluss auch noch unkündbare Nichtzahler befanden sich laut PKV-Rechenschaftsbericht Ende 2010 in der Vollversicherung und müssen von den Beitragszahlern subventioniert werden. „Hier geht die Politik den für sie lukrativsten Weg und funktioniert die PKV zum Sozialhilfeträger um."

Mit dem extrem niedrigen Zinsniveau kämpfen
Ähnlich wie bei den Lebensversicherern hat die ebenfalls mit einem Garantiezins arbeitende PKV mit dem extrem niedrigen Zinsniveau zu kämpfen. Das map-report-Team errechnete: Das Kapitalanlage-Volumen von 175,2 Milliarden Euro konnte vor allem durch den starken Anstieg der Alterungsrückstellungen von 12,6 Milliarden Euro auf 157,7 Milliarden Euro erneut deutlich zulegen.

„Sicherlich ist dieser gigantische Geldberg auch einer der Gründe dafür, weshalb alle Oppositionsparteien Pläne in den Schreibtischen haben, mit denen die PKV vielleicht nicht gleich abgeschafft, aber zumindest überflüssig werden würde", sagt Poweleit.

Stagnierende Kapitalerträge drücken die Brutto-Rendite
Die Kapitalerträge der privaten Krankenversicherer stagnierten bei 7,9 Milliarden Euro und drückten damit die Brutto-Rendite um 0,19 Prozentpunkte von 4,90 auf 4,71 Prozent. Bei einigen Gesellschaften, wie beispielweise Alte Oldenburger (www.alte-oldenburger.de), Central (www.central.de), Münchener Verein (www.muenchener-verein.de) und UKV (www.ukv.de). seien die Kapitalerträge sogar niedriger als im Vorjahr ausgefallen. Die Netto-Rendite lag mit 4,23 Prozent in etwa auf dem Vorjahresniveau von 4,26 Prozent, damit deutlich über 3,5 Prozent.

Nur die Debeka kann mehr als 5 Prozent erwirtschaften
Allerdings sei lediglich die Debeka (www.debeka.de) mit einer Rendite von 5,08 Prozent als einziges Unternehmen noch in Lage eine Verzinsung von über 5 Prozent zu erwirtschaften. Die Alte Oldenburger (4,70 Prozent), Devk (4,83 Prozent) und Provinzial Kranken (4,55 Prozent) rangieren bei dieser Kennzahl zwar noch unter den „Top 5", mussten aber Poweleit zufolge deutlich Federn lassen.

Im aktuellen map-report „Bilanzanalyse: Private Krankenversicherung 1999 - 2010" übt Autor und Herausgeber des Brancheninformationsdienstes, Manfred Poweleit, auch Kritik an den Assekuranzen: „Die Informationspolitik der deutschen Versicherer war noch nie berauschend. Es kann aber nicht sein, dass für Bilanzanalysen aufwendige Umfragen erforderlich sind, um aktuelle Entwicklungen erkennen zu können und diese zudem von etlichen Gesellschaften wie gewohnt ignoriert werden. Geschäftspolitische Neuerungen gab es in den vergangenen Jahren genug. Doch welchen Nutzen haben Jahresabschlüsse mit einem Informationsstandard, der im letzten Jahrtausend schon verbesserungswürdig war?"

Den map-report gibt es in gedruckter Form und als PDF-Datei
Der map-report Nr. 786 - 788 „Bilanzanalyse Private Krankenversicherung 1998-2009" kann per E-Mail info@map-report.com käuflich erworben werden. In gedruckter Form kostet diese neue map-report-Ausgabe  87,50 Euro und als PDF-Datei 77,50 Euro. (eb / www.bocquel-news.de)

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