10. März 2005 - "Im Ergebnis alles halb so schlimm", sagen die Einen. In der Methode "nach wie vor fragwürdig" finden die Anderen das gestern erschienene so genannte "Q-Rating" das Ratinghauses FitchRatings.
166 Versicherer in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, davon 136 Unternehmen hierzulande werden in dem so genannten Q-IFS Rating der international tätigen FitchRatings (www.fitchratings.de) erfasst. Im Vorfeld der gestern, Mittwoch, veröffentlichen Ergebnisse hatten der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (www.gdv.de) und einzelne Versicherer die für den deutschen Markt neue Vorgehensweise für ein Rating stark kritisiert. Jetzt ist die Liste mit den Qualitäts-Urteilen draußen und ein Teil der Kritiker verstummt, weil die Summe der Ergebnisse gar nicht so schlecht ausgefallen ist, wie befürchtet.Telefon-Konferenz für Journalisten
Per Telefon-Konferenz wurden gestern Journalisten über das Q-Rating und seine Ergebnisse informiert. Dazu verlas Greg Carter, Managing Director und Leiter des europäischen Versicherungs-Teams von FitchRatings, ein längeres Statement, das über den methodischen Hintergrund Auskunft geben sollte. Auch die Argumentation von FitchRatings gegen die frühen Kritiker wurde bekannt gegeben. Zu wenig Zeit für eine anschließende Diskussion blieb nach Ansicht der beteiligten Journalisten. Greg Carter betonte schließlich, dass an eine Veröffentlichung der vollständigen Methodik des Rating-Verfahrens (complete calibration) von Fitch nicht gedacht sei.
Zeitgleich die Makler-News
FitchRatings hat für sein Q-Rating zeitgleich mit der Presse-Telefon-Konferenz eine breitere Öffentlichkeit hergestellt, denn es erschien auch eine ausführliche Information in den fünfzehnseitigen Makler-News, die FitchRatings in regelmäßigen Abständen an eine nicht genannte Anzahl von Maklern und freien Vermittlern versendet.
Darin heißt es: "In den vergangenen Jahren hat FitchRatings für Makler und Versicherungs-Vermittler die Transparenz innerhalb der Versicherungs-Branche durch Studien und Informations-Materialien erhöht. Besonders die Kennziffer der Sicherheitsmittel-Ausstattung (Capital Adequancy Ratio, CAR) gab Maklern und Versicherungs-Vermittlern erstmals eine Kennzahl an die Hand, mit der sie die überwiegende Anzahl deutscher Lebens- und Krankenversicherer in übersichtlicher Form auf ihre Sicherheitsmittel-Ausstattung hin vergleichen konnten. ..."
An anderer Stelle wird ausführlich erläutert, was es mit dem so genannten Q-IFS Rating auf sich hat: "Fitch fühlt sich auch weiterhin verpflichtet, die Transparenz auf dem deutschen Versicherungs-Markt zu erhöhen .... Auf vielfachen Wunsch von Maklern und Versicherungs-Vermittlern hat Fitch nun ein Verfahren entwickelt, mit dem einem Großteil der Versicherer auf Basis öffentlich zugänglicher Daten ein Finanzstärke-Rating vergeben werden kann. Im Rahmen eines europaweiten Projektes hat FitchRatings zum 9. März 2005 erstmals Quantitative Finanzstärke-Ratings (Q-IFS Ratings, wobei Q für quantitativ steht) für 136 deutsche Versicherer veröffentlicht. ... Die Ratings stellen für Makler und andere Ansprechgruppen aufgrund der Vergleichbarkeit einen Meilenstein bei der Bewertung von Versicherungs-Unternehmen dar. Q-IFS Rating sind das Ergebnis eines statistischen Rechenmodells, das auf einer genau ausgearbeiteten und präzisen Rating-Logik basiert. ..."
GDV nimmt Stellung
Der GDV hatte sich bereits im Dezember 2004 öffentlich zu den Q-Rating-Vorhaben von FitchRatings geäußert. Auch gestern gab der Verband eine offizielle Stellungnahme dazu ab. Daraus ein Auszug: "Bei der Veröffentlichung der Q-Ratings kommt es jetzt darauf an, dass der Anschein eines 'echten' interaktiven Finanzkraft-Ratings vermieden wird. Dies ist von ganz besonderer Bedeutung, da Vermittler und Versicherungskunden naturgemäß in aller Regel nur über ein sehr begrenztes Wissen zu Ratings verfügen und deswegen auf eine klare und verständliche Kommunikation zur Methodik und Aussagekraft der Rating-Noten angewiesen sind.
Weiter heißt es in der Verbands-Erklärung: " .... Die ursprünglich für Dezember 2004 vorgesehene Veröffentlichung der Q-Ratings war zunächst ausgesetzt worden, nachdem der GDV erhebliche Bedenken gegen die beabsichtigte Vorgehensweise geltend gemacht hatte. Der GDV hatte darauf hingewiesen, dass die ursprünglich geplante Vorgehensweise von Fitch einen gravierenden Verstoß gegen die Regeln des neuen Verhaltenskodex der IOSCO zur Tätigkeit der Rating-Agenturen bedeutet hätte, der erst im Dezember 2004 beschlossen und veröffentlicht worden war. Der GDV begrüßt es daher sehr, dass Fitch seinerzeit die generelle Bereitschaft bekundet hat, den Verhaltenskodex für Rating-Agenturen vollumfänglich einzuhalten, und entsprechende Veränderungen in der ursprünglich vorgesehenen Vorgehensweise vorgenommen hat.
Das Resüme des GDV: "... Veränderungen im Rating-Modell wurden dagegen von Fitch nicht vorgenommen. Damit bleiben die inhaltlichen Vorbehalte des GDV zur Aussagekraft der Q-Ratings weiterhin bestehen. Der GDV hatte die Kritikpunkte der Versicherer bereits Anfang Januar in einer Stellungnahme gegenüber Fitch ausführlich erläutert (www.gdv.de). Die jetzt neu geschaffene Transparenz zur Methodik der Q-Ratings ermöglicht es aber allen Marktteilnehmern, sich ein eigenes Urteil über die Qualität und die Einsatzmöglichkeiten der Q-Ratings zu bilden."
PKV-Verband behält sich eigene Reaktion vor
Eigene Ressentiments machte der Verband der Privaten Krankenversicherung (www.pkv.de) geltend. "Da die Unternehmen die Veröffentlichung des Q-IFS-Ratings offenbar nur dadurch abwenden können, dass sie einem erweiterten qualitativen – und kostenpflichtigen – Rating zustimmen, liegt bei Fitch auch ein Handeln im Wettbewerb vor, das unseres Erachtens die im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb vorgesehenen Schadenersatz- und Unterlassungsansprüche auszulösen geeignet ist", hatte Sybille Sahmer, die stellevertretende PKV-Verbands-Chefin, FitchRatings gegenüber deutlich gemacht. Man werde sich vorbehalten, unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten gegen das Q-Rating vorzugehen.
Fitch will die Vorwürfe zu mehr Aufmerksamkeit und damit verbundene Kunden-Akquisition nicht gelten lassen und bestreitet sie. Die Qualität eines Ratings, so hieß es in einer vorab veröffentlichten Zusammenfassung von Einwänden der Branche und Gegenargumenten der Agentur, hänge nicht von Gebühren, sondern allein von den zur Verfügung gestellten Informationen ab.
Zehn sind "stark" – acht sind "schwach"
Aus der Liste der 136 im deutschen Markt erfassten Versicherungs-Gesellschaften, die FitchRatings in das neue Q-Rating einbezog, haben lediglich 23 Unternehmen zusätzlich zu den öffentlich zugänglichen Daten weiteres Material an Fitch ausgehändigt. Zehn Gesellschaften erhielten die Wertung "Aq", was in der Rating-Sprache gleichzusetzen ist mit "stark". Die weitaus größte Anzahl der Unternehmen erhielt die Note "BBBq", was laut FitchRatings gleichzusetzen ist mit "gut". Für 22 Gesellschaften gab das Urteil "BBq", gleichbedeutend mit "leicht schwach". Acht Versicherer müssen ein "Bq" wegstecken, was so viel heißt wie "schwach". Die schlechteste Rating-Note "CCCq" hat Fitch hierzulande nicht vergeben.
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