23. Januar 2012 - Kritisch setzten sich die Teilnehmer der 14. Euroforum Jahrestagung 2012 in Hamburg mit Themen der facettenreichen Haftpflichtversicherung auseinander. Industrie und Versicherer müssten sich rechtzeitiger auf ein verändertes Marktumfeld einstellen.
„Wirtschaft und Kapitalmarkt befinden sich derzeit auf einer Achterbahnfahrt", sagte Herbert Fromme (Foto), Versicherungskorrespondent der Financial Times Deutschland (www.ftd.de), zu Beginn der 14. Euroforum Jahrestagung 2012 „Haftpflicht" in Hamburg (www.euroforum.com). Fromme wagte den „Blick in die Glaskugel" und hinterfragte, ob die (internationale) Haftpflichtversicherung vor der Trendwende stehe? Wie das Fachpublikum zu diesem Themenkomplex steht, sollten die Beiträge und Diskussionen während der zweitägigen Veranstaltung mit mehr als 200 Tagungsteilnehmer zeigen. Das Spektrum der einzelnen Haftpflichtbereiche ist immens. In Hamburg fokussierte man sich auf einzelne Facetten aus dem gewerblichen und industriellen Bereich. Die viel zitierte Finanzmarktkrise, die Börsen-Turbulenzen und außergewöhnlich hohe Schäden durch Unfall-Begebenheiten und/oder Naturkatastrophen haben auch 2011 die Wirtschaft und damit auch die Versicherungswirtschaft gebeutelt. Ganz aktuell passe dazu das Szenario der Schiffskatastrophe der "Costa Concordia" und auch die plötzliche Pleite der Schlecker-Filialen. „Damit ist noch lange nicht Schluss", sagte Fromme und leitete zu dem Vortragsteil der Euroforum-Veranstaltung über, bei der er wie alljährlich die Moderation verantwortete.
Von einer zunehmend sich verschärfenden Haftung sprach Dr. Stefan Sigulla, der erst vor einem Jahr als damaliger CEO Insurance im Siemens Konzern in den Vorstand der HDI-Gerling Industrie wechselte. Die große „Herausforderung Haftpflicht" zeichne sich allein schon durch die veränderte Risikolandschaft ab. Als Beispiel nannte er „Mobilität statt Kraftfahrtzeuge", die komplexe Produkte erfordere. Oder auch die Substitution der Atomenergie, die einen höheren Innovationsdruck, kürzere Produktentwicklungszeiten und frühere Produkteinführungen erzwingen würden.
Problem: wachsende Arbeitsteilung und komplexere Wertschöpfungsketten
Die Herausforderung werde auch durch zunehmende Internationalisierung mit wachsender Arbeitsteilung und komplexeren Wertschöpfungsketten größer. Der nicht mehr allein beherrschbare Einfluss auf das Ergebnis und die Liefertermine vergrößern die Problematik adäquater Haftpflichtprodukte. Was die Compliance - sprich die Regeltreue und Regelkonformität zur Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen - betrifft, verwies Dr. Sigulla auf die verschärfte Verfolgung von Unternehmensvergehen und das Outsourcing von Verantwortung. Und an den bereits erwähnten Schäden aus realen Naturgefahren wie Überschwemmung, Sturm, Erdbeben, Tsunami und Vulkanausbrüche tragen die Versicherer schwer. Das Jahr 2011 hatte sich zum zweitteuersten Schadenjahr nicht nur in der Geschichte der Assekuranz entwickelt.
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Von merklichen Reaktionen und Veränderungen im Produkt-Spektrum der Branche sei wenig zu spüren. Da passe ein Zitat des Vorsitzenden des DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverband (www.dvs-schutzverband.de), Klaus Greimel: „Jede Branche versucht durch Innovationen ihre Portefeuilles zu verbreiten. Nur die Versicherungswirtschaft krankt an Innovationsfähigkeit." Auch in Zukunft könne man keine -wunder erwarten, aber „kleine Schritte, die die Risiken der Kundschaft in angemessener Weise berücksichtigen".
Die Assekuranz hat die Internationalisierung in weiten Teilen „gründlich verschlafen", hieß es auch in weiteren Vorträgen. Nicht nur für Unternehmen werde gutes Risikomanagement immer essentieller, sondern auch die Haftungsanforderungen. Vorstände werden immer öfter in die Pflicht genommen und sollen beispielsweise nach Zuliefererausfällen haftbar gemacht werden. Auch das persönliche Interesse der Manager an ihrer ![]()
Die Verunsicherung bei der versicherungsnehmende Industrie brachte unter anderem Silke Hellwinkel (Foto) zur Sprache. Als Leiterin des Versicherungsbereichs der ProMinent Dosiertechnik GmbH (www.prominent.de) sei sie auf einen starken Partner im Haftpflichtbereich angewiesen - besonders auch im Ausland. Der mittelständische Betrieb ProMinent verfügt weltweit über 56 Niederlassungen, über die rund 85 Prozent des Jahresumsatzes von 275 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Hierzu sei ein Versicherer mit globalem Format und internationaler Präsenz als Partner unerlässlich. Auffallend sei, das deutsche Gesellschaften hier nur schwer mithalten könnten, denn vielen erfahrene Versicherer, die sich in Deutschland durch
gute Leistungskraft auszeichnen, lassen im Ausland an Professionalität und ausreichender Aufstellung zu wünschen übrig.
Auf Exporte aus Deutschland im vergangenen Jahr von mehr als einer Billionen Euro bezog sich Reinhardt Riehl (Foto rechts), Leiter Haftpflicht beim Südvers Assekuranzmakler (www.suedvers.de), als er seiner Verwunderung Ausdruck gab, weshalb deutsche Versicherer der Internationalisierung ihrer Kunden nicht gefolgt seien. Sie hätten bisher die Chance vertan, sich „zur Speerspitze bei den internationalen Versicherungslösungen" zu machen. Die Versicherer sollten ihre internationalen Kapazitäten nicht nur den Dax- und MDax-Konzernen zur Verfügung stellen, sondern auch dem deutschen Mittelstand, der viel intensiver erfolgreich im Exportgeschäft tätig sei, als man glauben würde.
„Zukunftsmarkt Mittelstand - Herausforderungen und spezifische Anforderungen des Middle Markets" war die Podiumsdiskussion betitelt, an der neben Silke Hellwinkel und Reinhardt Riehl auch Michael Schneider (Foto rechts), Leiter Haftpflicht bei den Basler Versicherungen (www.basler.de) teilnahm. Der Vorliebe Hellwinkels für große Versicherungsgesellschaften mit hoher Finanzstärke und flächendeckendem internationalem Netzwerk wollte Schneider nicht folgen. Größe sei nicht alles, sagte er und zog den Vergleich großer Schiffe heran, die träge seien. "Die müssen 30 Kilometer vorher anfangen das Steuer umzulegen, wenn sie eine Wende machen wollen." Ein verhältnismäßig kleineres Schnellboot sei leichter zu navigieren. Der Vorteil bei mittelständischen Versicherern liege in ihrer Beständigkeit und ihrem persönlichen Service.
Der zweite Euroforum-Tag in Hamburg war der D&O (![]()
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