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Konzepte und Kriterien

Solvency II: Komplott der großen Versicherer?

22. Dezember 2011 - In der europäischen Versicherungswirtschaft scheint die Politik die Großen zu bevorzugen. Zu diesem Schluss kommt der Journalist Jan Wagner, der das Thema Solvency II erneut hinterfragt hat. Geht es hier um die Konsolidierung des Versicherungsmarkts?

Jan F. Wagner Es mutet wie eine Bevorzugung der größeren und größten Versicherungsgruppen an, wenn die Rede auf die Umsetzung der Solvency-II-Kriterien kommt. Fachjournalist Jan F. Wagner (Foto) fasst seine Erkenntnisse zu Solvency II hier zum Jahresende zusammen: In der europäischen Versicherungswirtschaft scheint die Politik eher die Großen zu bevorzugen. Denn: Obwohl es vielleicht sinnvoll sein mag, ein risikobasiertes System wie Solvency II einzuführen, birgt das Regelwerk erhebliche Wettbewerbsnachteile für kleine und mittelgroße Versicherer.

Die „Occupy Wall Street"-Bewegung hat es klar gezeigt: Es ist etwas faul am heutigen Kapitalismus. Große Unternehmen scheinen das von der Politik zu bekommen, was sie wollen, während kleinere Firmen auf der Strecke bleiben. Die Großbanken an der Wall Street haben die Finanzkrise von 2008 verursacht und wurden dennoch vom Staat gerettet. Dafür mussten sie sich allerdings weder verkleinern noch einer sinnvoller Regulierung unterwerfen. Zahlreichen kleineren US-Banken hingegen half man nicht, und sie gingen Pleite.

Auch in der europäischen Versicherungswirtschaft scheint die Politik eher die Großen zu bevorzugen. Das ist die unbequeme Wahrheit hinter dem EU-Regelwerk Solvency II. Das Regelwerk birgt erhebliche Wettbewerbsnachteile für mittelständische Versicherer.

Anders als die Großen werden es kleinere Versicherer schwieriger haben, die Eigenkapital-Anforderungen zu erfüllen. Warum? Weil sie nicht wie viele größere Versicherer börsennotiert sind, fällt der Kapitalmarkt als Geldgeber aus. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) wären beispielsweise gezwungen, sich das Geld von ihren Versicherten zu holen. Die Folge: teurere Produkte im Vergleich zu denen der Großen. Ihr Vorteil bei der Eigenkapital-Beschaffung macht es den Großen auch einfacher, in risikoreichere Anlagen zu investieren. Die Folge: die Produkte der Großen sind dann möglicherweise attraktiver als die der Kleinen.

Drei Säulen SOLVENCY Just auf diese Gefahr hatte Frank Karstens, Vorstands-Chef der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (www.stuttgarter.de) vor kurzem hingewiesen: „Solvency II zwingt die Gesellschaften regelrecht, das Geld der Kunden in Staatsanleihen anzulegen, anstatt die Risiken zu streuen, wie es eigentlich der gesunde Menschenverstand nahelegt", sagte er. Wenn das Regelwerk kommt, könnte es bei der Stuttgarter Schluss sein mit ihren traditionellen hohen Immobilien- und Aktien-Quoten. Dieses Problem hätte eine Allianz (www.allianz.de) nicht. Hinzu kommt die Idiotie, dass kleinere Versicherer unter Solvency II quartalsmäßig über ihr Geschäft berichten sollten wie börsennotierte Unternehmen.

Eine Grundsatzdiskussion über die Sinnhaftigkeit von Solvency II wollen jedenfalls weder die europäische Politik noch die Regulierer - darunter auch die BaFin (www.bafin.de) - zulassen. Das Regelwerk soll nach einem Jahr Übergangszeit ab Januar 2014 verbindlich sein. Auch der GDV Gesamtverband deutscher Versicherer (www.gdv.de) unterstützt trotz der Kritik in seinen eigenen Reihen das Projekt.

Dabei ist diese Grundsatzdebatte notwendig, denn die EU hat bisher nicht darlegen können, warum Solvency II für die europäische Versicherungs-Branche gut sein soll. Risikobasiert fein, aber in wieweit sind Versicherungs-Policen wirklich sicherer, wenn es beispielsweise in Deutschland bereits eine Insolvenzsicherung in Form von Protektor ((www.protektor-ag.de) gibt? Auch auf die Frage, warum größere Versicherer unter Solvency II besser gestellt sind, hat die EU bisher keine Antwort gegeben.

So verwundert es nicht, dass die „Financial Times Deutschland" (www.ftd.de) vor kurzem schrieb, ein Hauptzweck von Solvency II sei die Konsolidierung des europäischen Versicherungsmarkts mit seinen 5.000 Firmen. „Nicht umsonst waren die großen europäischen Spieler Allianz, Axa und Generali von Anfang an eng in die Erarbeitung der Standards eingebunden", hieß es dort. (Jan F. Wagner / www.bocquel-news.de)

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