28. September 2009 - Derzeit sind 41.000 Versicherungsmakler im deutschen Vermittlerregister erfasst. Vor der Registrierungspflicht arbeiteten etwa 20.000 Vertriebler als Versicherungsmakler. Beim VDVM sieht man die Unabhängigkeit des Berufstandes in Gefahr.
Die Zahl der registrierten Versicherungsmakler habe eine unerwartete Größenordnung erreicht, sagte Holger Mardfeldt (Foto), bei einem Pressegespräch des VDVM Verbands Deutscher Versicherungs-Makler (www.vdvm.de). Besorgniserregend sei, dass viele Neue der heute über 41.000 registrierten Makler vermissen lassen, was den Makler und den Berufstand unverzichtbar ausmache, nämlich die Unabhängigkeit. Mardfeldt erklärte, weshalb aus den vor der Registerpflicht von Experten angenommenen Zahl von knapp 20.000 aktiven Versicherungsmaklern in Deutschland inzwischen mehr als 41.000 geworden seien.
Die Steigerung um fast 100 Prozent habe mindestens fünf bestimmte Gründe und deute auf eine gefährliche Entwicklung hin.
1. Einige, große Finanzvertriebe (Anm. der Redaktion beispielsweise MLP www.mlp.de) haben jeden ihrer formal selbstständigen Außendienstler als „Versicherungsmakler" zum Vermittlerregister angemeldet. Dieser Umstand erhöht die Zahl der registrierten Makler.
Mardfeldt: „Es darf daran gezweifelt werden, ob diese ‚Ein-Personen-Makler' echte Versicherungsmakler sind. Zu oft werden fertige Produktlösungen verkauft, nicht immer Produkte individuell gestaltet und Kunden sachgerecht beraten."
2. Seit Jahren agieren Maklerpools im Versicherungsmarkt. Ständig kommen neue Pools hinzu, während andere fusionieren oder aufgekauft werden. Insbesondere nach Einführung der EU-Vermittlerrichtlinie haben diese Pools einen starken Zulauf seitens kleinerer Makler und Maklerneulingen (ehemaligen Ausschließlichkeits-Vertretern).
Holger Mardfeldt, der im Geschäftsalltag Mitglied der Holding des Versicherungskontors Martens & Prahl (www.martens-prahl.de) ist, sagte, dass der „kleine Makler" prüfen sollte, welchem Pool er vertraue und wie abhängig er von ihm werde. Denn nicht alle Pools würden professionell agieren. Häufig würden sie das Geschäft ihrer Vertriebspartner bündeln, geben fertige Produkte vor - und vereinnahmen die Courtage. Diese werde erst nach Abzug von Overheads an die Vertriebspartner weitergeleitet. „Dieser Umstand birgt Risiken für den Makler, macht ihn abhängig", sagte Mardfeldt. Auch das Thema „Haftung" sollte zwischen Makler und Pool vor dem ersten Anspruchsschreiben geklärt sein.
3. Seit geraumer Zeit drängen Versicherer in den Maklermarkt. Entweder gründen Versicherer Maklerpools - oder sie beteiligen sich direkt oder indirekt an größeren Vertriebseinheiten. Motiv hierfür sei meist, die eigenen Produkte zielgerichtet über den - anscheinend unabhängigen - Maklerkanal abzusetzen und überproportional an der Vergabe des Neugeschäfts zu partizipieren.
In seiner Eigenschaft als VDVM-Präsidiums-Mitglied spielte Mardfeldt hier auf den Verkauf des AWD (www.awd.de) an die Swiss Life (www.swisslife.com) an. Die ehemaligen Anteilseigner dieses Unternehmens hätten „Kasse" gemacht, in dem sie ihre Anteile an den Versicherer veräußert haben.
Inzwischen habe das Landgericht Hannover diesem Finanzvertrieb die Unabhängigkeit abgesprochen. Weiterhin habe das Gericht ausgeführt, dass ein Berater, der im Kern von Computerprogrammen auf bestimmte Produkte „hingesteuert" wird, keine unabhängige Beratung vornehmen könne.
4. Eine weitere Ursache für die hohe Anzahl an registrierten Versicherungsmaklern sieht Mardfeldt in der Tatsache, dass viele Versicherer seit Einführung der EU-Vermittlerrichtlinie ihren Nebenberuflern die Patronatserklärung - also die Haftungsübernahme - verweigert haben. Stattdessen hätten die Nebenberufler von den Versicherern die Empfehlung erhalten, sich doch „als Makler" registrieren zu lassen und eine entsprechende Vermögensschadenhaftpflicht abzuschließen. Mardfeldt: „Das heißt im Klartext: Lieber Nebenberufler, möchtest Du auch weiterhin im Versicherungsgewerbe tätig sein, so werde doch einfach Makler."
Viele dieser Ex-Nebenberufler, die der Empfehlung ihres Versicherers gefolgt sind, sind nach Überzeugung des VDVM nicht einmal im Ansatz in der Lage, das Berufsbild des unabhängigen Versicherungsmaklers auszufüllen. „Mit Grausen denke ich an das Schadenpotential, welches durch diese Pseudo-Makler im Bereich Vermögensschadenhaftpflicht aufgebaut werden könnte", betonte Holger Mardfeldt.
5. Da auch das „Voraussetzungs-Nadelöhr" für den Vertrieb von Finanzdienstleistungen gesetzlich kleiner geworden sei, würden sich vermehrt sogenannte „Haftungsdächer" bilden, machte mardfeldt deutlich. Diese Konstruktionen würden die gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllen und denjenigen Vertrieblern von Finanzdienstleistungen, die die gesetzlich geforderten Voraussetzungen nicht erfüllen, die Möglichkeit bieten, unter ihr Dach zu schlüpfen. Auch für diese Gruppe gelte das vorher Gesagte: Wichtig ist, dass das Haftungsdach neutral bleibt, keine einseitige Produkt-Vorauswahl betreibt und ein fairer Kooperationsvertrag zwischen Finanzdienstleister und Haftungsdach geschlossen wird.
Der idealtypische Versicherungsmakler zeichne sich durch seine Fachkompetenz und durch seine Unabhängigkeit von einem einzelnen oder wenigen Versicherungsunternehmen und Maklerpools aus. Nur der unabhängige Versicherungsmakler könne den Bedarf des Kunden objektiv, detailliert und präzise ermitteln. Er suche für seine Kunden die besten Angebote aus, berate individuell - nicht maschinengesteuert- und sei fachlich so versiert, dass er dem Kunden die Sinnhaftigkeit wichtiger Klauseln und Deckungsbausteine klar und deutlich darlegen könne.
Zur Situation des VDVM, dem größten Zusammenschluss von Versicherungsmaklern hierzulande, sagte Mardfeldt, dass mit der Finanzkrise auch die Diskussion um Beratung und Beratungsqualität von Vermittlern wieder Fahrt aufgenommen habe. In derart bewegten Zeiten sei eine starke Interessenvertretung von großer Bedeutung. Da komme es sicherlich nicht von ungefähr, dass die Mitgliederzahl des VDVM - trotz des Zusammenschlusses von Verbandsmitgliedern - auch im Berichtsjahr 2008/2009 weiter gestiegen sei. Aktuell zählt der Verband Deutscher Versicherungsmakler 625 Mitglieder (Vorjahr 618), die rund 12.000 Mitarbeiter beschäftigen. (eb / www.bocquel-news.de)
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