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Konzepte und Kriterien

Sparen - egal in welcher Form - nun unattraktiv?

23. Februar 2012 - Die deutschen Privatanleger setzen vor allem auf Sicherheit. Das eigene Haus, der Bausparvertrag und die betriebliche Altersvorsorge sind für sie derzeit die attraktivsten Anlageformen. Das ist dem aktuellen GfK-Investmentbarometer zu entnehmen.

SPARSCHWEIN Das klassische Sparbuch spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Aber auch die eigenen vier Wände, der Bausparvertrag und die betriebliche Altersvorsorge stehen hoch in der Gunst privater Anleger hierzulande. In zehn anderen befragten Nationen wird die Risikovermeidung bei Geldanlagen ebenfalls großgeschrieben.

Das ergab das aktuelle GfK-Investmentbarometer, das der GfK Verein (www.gfk-verein.org) regelmäßig zusammen mit dem Wall Street Journal Europe (www.wallstreetjournal.de) durchführt.

Laut GfK-Investmentbarometer erscheint es den Deutschen derzeit sinnvoll, Geld in die eigenen vier Wände zu investieren: 77 Prozent der privaten Finanzentscheider halten eine Investition in die eigene Wohnung oder ins eigene Haus für attraktiv oder sehr attraktiv. InvestmentbarometerDamit befinden sie sich in guter Gesellschaft, denn in acht der insgesamt elf befragten Nationen gilt Privateigentum ebenfalls als die attraktivste Anlageform - wobei nur Spanien mit etwas über 70 Prozent einen ähnlich hohen Wert wie Deutschland erreicht.

Dass für die Deutschen Sicherheit besonders zählt, zeigen auch die weiteren Produkte auf der nationalen Attraktivitäts-Rangliste: Platz zwei - mit immerhin 45 Prozent - belegt der Bausparvertrag, gefolgt von der betrieblichen Altersvorsorge (41 Prozent) und Gold (37 Prozent).

Aktien dagegen schenken deutsche Sparer kaum noch Vertrauen, heißt es beim GfK Verein. Mit 8 Prozent liegen sie ganz hinten auf der Attraktivitäts-Skala. In den USA, in Polen und Schweden dagegen halten jeweils etwa ein Viertel der Privatanleger diese Anlageform für attraktiv oder sehr attraktiv.

Prof. Dr. Raimund Wildner Für Prof. Dr. Raimund Wildner (Foto), Geschäftsführer des GfK Vereins, liegen die Gründe auf der Hand: "Deutsche Anleger waren schon immer sehr sicherheitsbewusst. Dies hat sich durch die hohe Volatilität der Börse in den letzten Jahren noch verstärkt. Auch die Diskussion um die Stabilität des Euro führt dazu, dass risikoarme und an Sachwerten orientierte Anlageformen wie der Kauf einer Eigentumswohnung oder das Abschließen eines Bausparvertrags hoch attraktiv sind."

Ideal und Wirklichkeit klaffen auseinander
Wenn man allerdings laut GfK-Investmentbarometer danach frage, wie die Menschen in Deutschland ihr Geld tatsächlich angelegt haben, so ergebe sich ein etwas anderes Bild, heißt es. Zwar würde Wohneigentum mit 45 Prozent auch real auf Platz 1 stehen, im internationalen Vergleich sei dieser Wert jedoch relativ niedrig. Nur in Portugal und Frankreich würden noch weniger Menschen in die eigenen vier Wände investieren.

Das klassische Sparbuch, dass nach der Attraktivitäts-Rangliste eigentlich Platz 9 belegen müsste, folgt den Angaben zufolge in Deutschland gleich hinter dem Wohneigentum auf Platz 2: 43 Prozent der Befragten haben derzeit ihr Geld so bei der Bank angelegt.

Auf den nachfolgenden Plätzen rangieren ebenfalls risikoarme Sparmöglichkeiten: 31 Prozent der Befragten zahlen in einen Bausparvertrag ein, 28 Prozent legen Geld zu Hause beiseite und in eine private Kapitallebensversicherung investieren 25 Prozent.

Private Anleger wollen auch künftig das Risiko meiden
Auch bei der Frage, in welche Anlagemöglichkeiten die deutschen Sparer in den nächsten zwölf Monaten stärker oder weniger stark investieren wollen, zeigt sich, dass die Menschen sehr vorsichtig geworden sind. Sparen - egal in welcher Form - ist derzeit unattraktiv. Am ehesten würden die Befragten ihr Geld noch in die eigenen vier Wände stecken: 12 Prozent sagen, dass sie mehr oder viel mehr in den nächsten zwölf Monaten in ihr eigenes Zuhause investieren wollen. Allerdings geben auch 25 Prozent an, dass sie die eigene Immobilie verkaufen oder weniger in diese investieren wollen. Damit wollen - selbst beim beliebten Eigenheim - mehr Menschen „deinvestieren" als investieren.

Gold als Anlageprodukt ohne Zukunft?
Auch Gold sei nicht mehr das Anlageprodukt der Zukunft, heißt es. Von jenen Privatanlegern, die derzeit Gold besitzen, geben 20 Prozent an, es verkaufen zu wollen. Allerdings würde das Edelmetall einigen seiner Besitzer auch als sicherer Hafen erscheinen, denn ebenso viele wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr in Gold investieren.

Unter allen Befragten, also auch jene eingeschlossen, die bisher nicht in Gold investiert haben, reduziert sich laut GfK-Investmentbarometer der Wert aber drastisch: nur 4 Prozent wollen in den kommenden Monaten die Goldanlage wählen.

Deutliche Verlierer im Investitions-Ranking hingegen sind den Angaben zufolge die Produkte der Börse. 17 Prozent geben an, ihr Engagement in Aktien in den nächsten zwölf Monaten reduzieren zu wollen, 28 Prozent wollen sogar ganz aus dem Geschäft mit den Börsenpapieren aussteigen. Fast ebenso schlechte Werte erzielen auch die festverzinslichen Wertpapiere, die Investmentfonds und fondsgebundene Lebensversicherungen.

Seit 1999 GfK-Investmentbarometer
Seit 1999 liefert das GfK-Investmentbarometer Daten zum Verhalten von Privatanlegern in Europa und den USA. In der aktuellen Studie wurde unter anderem danach gefragt, welche Finanzanlagen private Finanzentscheider besitzen, wie attraktiv sie die verschiedene Sparmöglichkeiten/Finanzprodukte einschätzen, und in welche Anlageformen sie in den kommenden zwölf Monaten einerseits verstärkt, andererseits vermindert investieren wollen. Dafür wurden Ende vergangenen Jahres in den Ländern Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen, Portugal, Schweden, Spanien und den USA insgesamt 9.764 private Finanzentscheider über 14 Jahre befragt. (eb / www.bocquel-news.de)

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